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Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler
Ausgabe 10/2021
Aktuelles
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Die Heilung einer gebrochenen Nation

BAD NEUENAHR-AHRWEILER. Wegen der Corona-Beschränkungen musste die Sektion der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) auch ihre zweite Veranstaltung im Jahr als Web-Seminar durchführen.

Das Thema: „Die Heilung einer gebrochenen Nation. Die USA nach Trump – im Innern zerrissen auf dem Weg in die Zukunft“. Referent des Abends war der den regelmäßigen Zuhörern bekannte Prof. Dr. Thomas Jäger von der Uni Köln. Jäger gilt als ausgewiesener Amerika-Kenner, so dass die Zuhörer vor ihren heimischen Bildschirmen einen spannenden Abend erwarten konnten.

Der Referent begann mit einem kurzen Rückblick auf den Wahlkampf in den USA. Fazit war, dass sich die Amerikaner zerstritten haben. Demokraten und Republikaner haben sich gegenseitig zu Feinden erklärt. Das allein zeigt, in welch schwieriger Situation Joe Biden sein Amt als Präsident angetreten hat. Er steht jetzt vor der Aufgabe, die amerikanische Nation wieder zusammenzuführen. Wie Biden selbst sagte, sind nur dann die riesigen Probleme der Bekämpfung der Corona-Pandemie, der Ankurbelung der Wirtschaft und der Versöhnung der Nation zu lösen. Vom Erfolg oder Misserfolg seiner Politik hängt aber auch seine Zukunft als Präsident ab und damit auch der weitere Weg der amerikanischen Nation auf der Weltbühne. Klar ist, dass Trump trotz seiner Niederlage weiter den Kurs des Wahlbetruges gemeinsam mit seinen Anhängern verfolgen wird. Auch zu einer möglichen Kandidatur bei der nächsten Wahl und ihren Erfolgsaussichten wagt Prof. Jäger zum jetzigen Zeitpunkt keine Prognose.

Biden habe in seiner kurzen Amtszeit einige wichtige Akzente gesetzt, wie pragmatische Lösungen in der Pandemie-Bekämpfung, Änderung der Einwanderungspolitik, Rückkehr zur Umweltpolitik, Mitarbeit in internationalen Organisationen und Verbesserung der globalen Zusammenarbeit. Aus amerikanischer Sicht müsse der Westen neu organisiert werden, besonders Europa. Dass diese Forderung berechtigt ist, zeige auch die Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2021. Biden habe dort ein schlüssiges Sicherheitskonzept vorgelegt, aber die EU traf das völlig unvorbereitet, so dass es zu keiner Abstimmung kam. Jäger dazu: „Die Europäer stehen zerstritten da mit Ansprüchen, die sie selbst nie halten können.“ Auch außenpolitisch fahre der neue Präsident einen anderen Kurs als sein Vorgänger. So spreche er von China als einem neuen Mitspieler auf der Weltbühne, und seine Regierung arbeite an einem Konzept zum künftigen Umgang mit China und Russland. Ein Handelskrieg und immer neue Zölle seien für ihn dabei nicht die Wege zum Erfolg.