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Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler
Ausgabe 13/2021
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Wie sieht es im Thermalbadehaus nach dem Brand aus?

"Entdeckte" Zeichnung aus 1899

Arbeiten unter einem 2.000 qm großen Hallendach

Ralph H. Orth erklärt die weiteren Schritte im ehemaligen "Medical Fitness Studio"

Neu "entdeckte" Stuckdecke

"Entdeckte" Zeichnung aus 1899Fotos: Klaus GECK

BAD NEUENAHR. Nur durch das beherzte und besonnene Eingreifen der Feuerwehren konnte im September ein Übergreifen der Flammen, die sich in den Zwischendecken über den Verbindungsgängen immer mehr verbreiteten, auf den gesamten Gebäudekomplex des Thermalbadehauses verhindert werden. Dennoch sind die Schäden, die das Feuer im hinteren Teil des altehrwürdigen Gebäudes angerichtet hat, beträchtlich, auch wenn man sie von der Kurgartenstraße nicht sehen kann.

Was direkt nach dem Großbrand am 23. September nach einer „Mission impossible“ aussah, hatte doch schnell Fahrt aufgenommen. Schon am 25. September stand ein umfangreiches Team des Spezialunternehmens „Polygonvatro“ aus Olpe für die komplette Brandsanierung auf dem Hof. Mit dem Resultat, dass bereits in der ersten Oktoberwoche die ersten Praxen und Geschäfte (Praxis für „Neurologie und Psychiatrie“ von Dr. Peter Breuer und die „Radiologische Praxis Rechmeier“, „Björn Franke Haardesign“) wieder in ihren Räumen im Haupthaus öffnen konnten. Die „Fußpflege Soma“ und die „Ernährungsberatung Sabine Zimmermann“ konnten zwar den Betrieb in der ersten Woche wieder aufnehmen, allerdings in von der „Aktiengesellschaft Bad Neuenahr“ (AGBN) zur Verfügung gestellten Interimsflächen in der Villa Sibilla, bzw. im Hauptgebäude des Thermalbadehauses. Ebenso wie die „Osteopathie-Praxis Jana Hein“, die dazu Räume in der Felix-Rütten-Straße 2 zur Verfügung gestellt bekam. Die Männer des Spezialunternehmens, die einen absolut professionellen Job gemacht haben, sind Anfang März abgerückt.

Der „Verbindungsbau“ vom Steigenberger zum Thermalbadehaus, also der Teil, in dem der Brand begonnen und sich über die Zwischendecke in den nächsten Gang durchgefressen hatte, musste abgerissen werden. Dieser „Verbindungsbau“ existierte von Anfang an, allerdings zunächst nur erdgeschossig, in den 50er-Jahren wurde die sogenannte „Fango-Abteilung“ mit einem Stahlträgerskelett über diesem erdgeschossigen Verbindungsgang errichtet. Aus diesen Stahlträgern wurden Probebohrungen entnommen, die zurzeit in der Technischen Universität Aachen einer Materialprüfung unterzogen werden, dabei geht es um die Frage, ob die Träger aus statischer Sicht in Ordnung sind oder ggf. ausgetauscht werden müssen, was ein erheblicher Mehraufwand für die Sanierungsarbeiten bedeuten würde. Dieser „Zwischengang“ vom Steigenberger zum Thermalbadehaus und zum neu errichteten und inzwischen fertiggestellten „Spa-Schwimmbad-Bereich“ wird wieder mit zwei Etagen aufgebaut.

Im Foyer des Thermalbadehauses war der Boden mit einem Teppichboden belegt, der nach dem Brand entsorgt werden musste, darunter fand man den 120 Jahre alten Originalboden mit Terrazzo-Fliesen. Die eine oder andere defekte Fliese wurde in der Vergangenheit durch andere Materialien ersetzt, auch wurde ein Teil des Bodens irgendwann einmal aufgerissen und wieder mit Beton verfüllt; dies soll, wie Ralph H. Orth im Pressegespräch sichtlich stolz mitteilte, wieder in den Originalzustand versetzt werden. Die benötigten Fliesen wurden bereits in Italien bestellt. Nachdem sie eingefügt sind, wird der Boden entsprechend poliert und versiegelt, das Entree zum Badehaus wird damit zu einem wahren Blickfang werden.

Zurzeit laufen die Arbeiten unter einem 2.000 Quadratmeter großen Hallendach, das bei Bedarf in Einzelelementen geöffnet werden kann, um etwa größere Teile mit einem Kran in die Baustelle zu verbringen. Nachdem in diesem stark betroffenen Gebäudeteil zunächst alles entkernt wurde, beginnt dort, wie Orth, Vorsitzender der AGBN, erklärte, der Neuaufbau mit dem Ziel, alles wieder so herzurichten, wie es vor dem Brand ausgesehen hatte. In diesem hinteren inzwischen entkernten Teil des Badehauses wurde auch eine alte Stuck-Decke und ein Bild aus 1899, wohl von einem Handwerker an die Wand gezeichnet, freigelegt.

Im Bereich des Flurs zum „Orthopaedicum“, zum „Chirurgicum“ und der „HNO-Privatpraxis Sabine Dicke“ mussten die Decken und Böden wegen Rauch- und Löschwasserschäden saniert werden. Das „Chirurgicum“ und die HNO-Praxis sind seit Dezember wieder in ihren Räumen tätig, seit 1. März ist auch das „Orthopaedicum“ nach Zwischenlösungen im Krankenhaus BNA und später im Steigenberger Sanatorium auch wieder in seinen Räumen aktiv, der Eingang erfolgt jedoch über die Beethovenstraße 3. Das „Bewegungszentrum Klöcker“ ist mit seiner Therapie-Abteilung, die einige Wochen mit Zwischenlösungen im Haupthaus und im Steigenberger Sanatorium überbrücken musste, ist jetzt wieder in seinem vor dem Brand neu bezogenen Bereich mit dem zu verschmerzenden Manko, dass man diesen Bereich nur über die Beethovenstraße 7 betreten kann. Das „Medical Fitness Studio“, das Bernhard Klöcker im Jahre 2019 zusätzlich übernommen hatte, musste nach dem Brand zunächst alle Geräte einlagern, inzwischen konnte ein Teil der Geräte in der „alten Werkstatt“ aufgebaut werden, Eingang über die Beethovenstraße 3, die restlichen Geräte sind noch immer eingelagert.

Es ist eine wahre Mammutaufgabe, bei jedem Schritt des Wiederaufbaus zum „Status quo ante“ ist natürlich auch der Denkmalschutz beteiligt. Es gibt derzeit noch keine verbindliche Einschätzung, bis wann die Arbeiten abgeschlossen werden können, Herrn Orth und sein Team würde es freuen, wenn dies noch in diesem Kalenderjahr zu schaffen wäre, aber es gibt dazu momentan noch zu viele Unwägbarkeiten, wie beispielsweise der Zustand des Stahlträgerskeletts. (KG)