Großer Andrang herrschte, als Karl-Heinz Köppen über Grundwassermonitoring referierte.
BAD NEUENAHR. TW. Wenn es in den Monaten nach der Flutkatastrophe regnete, stand der Platz an der Linde in Bad Neuenahr größtenteils unter Wasser. Wenn es zu starken Niederschlägen kommt, werden auch heute Keller und Tiefgaragen feucht, die vor der Flut keine Probleme mit Wasser hatten. Der Grund für diese und andere Probleme: der Grundwasserstand in großen Teilen der Kreisstadt ist seit der Flutkatastrophe vom Juli 2021 extrem hoch. Kein Wunder, dass die Räume der Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft der Kreisstadt beim jüngsten Vortrag voll waren. Da referierte Diplom-Geologe Karl-Heinz Köppen über das Grundwassermonitoring im Bereich von Walporzheim bis Heimersheim und den Zusammenhang mit der Ahr. Auffällig: wenn es in den vergangenen Jahren Hochwasserereignisse gab, konnte beinahe flächendeckend und nicht nur beidseitig der Ahr zwei bis drei Tage später eine Erhöhung des Grundwasserspiegels festgestellt werden, der sich bald wieder auf das alte Niveau relativierte.
Das war nach der Katastrophe 2021 anders. Damals stieg der Grundwasserspiegel stellenweise um bis zu vier Meter an, aber der Wasserstand ging bis heute nicht mehr auf die alten Werte zurück. Die Sand- und Kiesschicht, die das Grundwasser in östlicher Richtung leitet, ist sozusagen gesättigt. Ein Grund dafür: Die in der Sohle der Ahr durch kleinste Partikel vorhandene Abdichtung des Flusses gegenüber dem Grundwasser wurde in vielen Bereichen zerstört, mit den entsprechenden Folgen für den Grundwasserstand.
Die Folgen sind mannigfaltig. Ein Häuslebesitzer aus Ahrweiler hatte nie Probleme mit Feuchtigkeit im Keller und hat nun bei jedem größeren Regen Wasser im Haus. Ein Mann aus Bad Neuenahr kann nach einem Tipp der Feuerwehr am öffentlich einsehbaren Stand des Ahr-Pegels in Bad Bodendorf erkennen, ob und wann sein Keller wieder feucht wird. Einer Frau aus der Kreisstadt wurden seitens ihrer Versicherung Leistungen bei Wassereintritt verweigert. Es gebe keinen Bezug zur Flutkatastrophe, so die Aussage.
Abhilfe schaffen ist schwierig. Ob und wann der Grundwasserstand wieder zurückgehe, konnte Geologe Karl-Heinz Köppen nicht vorhersagen. Auch die Abtragung von großen Geschiebemengen, die im Zuge der Wiederherstellung der Ahr deren Sohle auf Vorflutniveau bringen, dürfte sich nicht oder kaum auf den Grundwasserstand auswirken, gleiches gilt für die angedachte Verbreiterung des Flussbetts. Für Bestandsgebäude empfiehlt sich der Einbau von Pumpen und Rückstauklappen. Doch wohin mit dem abgepumpten Wasser? Die Ableitung in den Kanal ist nicht erlaubt, wohl aber die natürliche Versickerung über unversiegelte Flächen, wie Rasen oder Garten. „Hier muss man tatsächlich jeden Einzelfall betrachten und eine Lösung suchen“, machte Eberhard Stippler von der SGD Nord deutlich. Auch die Politik ist in Sachen Kanalnutzung gefordert. Immerhin: in den kommenden Jahren werde das gesamte Kanalnetz der Kreisstadt hydraulisch aufgeweitet, sagte der Geschäftsführer der Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler, Hermann-Josef Pelgrim.