1. Juni 1985: Der letzte Personenzug verlässt Adenau.
ADENAU / AHRTAL. TW. Es war der 1. Juni des Jahres 1985, als letztmalig ein Zug der Ahrtalbahn das Eifelstädtchen Adenau verließ und sich in Richtung Kreuzberg aufmachte. Damit war die seit 1888 bestehende Eisenbahnverbindung nach Adenau Geschichte und mit ihr die Linie von Adenau nach Dortmund. Die Bahn fuhr nur noch von Remagen bis Ahrbrück. Im Jahr 2021 zerstörten Wassermassen dann die Ahrtalbahn auf ihrem restlichen Verlauf in großen Teilen. Nicht nur bei den großen Zukunftskonferenzen im Anschluss an die Flutkatastrophe im Ahrtal waren alle Gedankenspiele erlaubt, wobei auch eine Wiederinbetriebnahme der Strecke im Bereich zwischen Ahrbrück und Adenau Thema wurde. Dass dies kein einfaches Unterfangen würde, war den Beteiligten schon damals klar, war die Strecke doch zurückgebaut. Und dass erhebliche Kosten zu erwarten waren, war obendrein offensichtlich.
Immerhin gab die Politik der Verwaltung den Auftrag, mittels einer Machbarkeitsstudie zu erkunden, ob ein Wiederinbetriebnahme der Strecke möglich wäre. Das Ergebnis der Studie wurde im Kreis- und Umweltausschusses des Kreises Ahrweiler vorgestellt. Im Vorfeld gab der Verbandsdirektor des Zweckverbandes Schienenpersonennahverkehr Nord (SPNV), Thorsten Müller, einen kleinen Einblick in das, was den Kreispolitikern vorgestellt wird. Müller war Gast beim monatlichen Stammtisch der Ahrtalbahnfreunde ehemaligen Bahnhof Bad Bodendorf, wo sich rund 20 Eisenbahnfreunde für die Ergebnisse der Studie interessierten.
Das Ergebnis vorweg: Eine Wiederinbetriebnahme der Strecke wäre möglich, auch wenn dahinter viele Fragezeichen, hohe Kosten und viele Eingriffe in mittlerweile private Bereiche stehen. Denn die alte Trasse der Ahrtalbahn ist neu genutzt, mal als Radweg, mal wurde diese mit Einfamilienhäusern bebaut, mal mit Gewerbeimmobilien bis hin zu Fabriken. Es sind neue Straßen entstanden und es wurden alte Brücken abgerissen. „Eine Wiederinbetriebnahme wäre ein kompletter Neubau“, so Müller. Er wollte es vermeiden, eine eigene Wertung in die Vorstellung der Machbarkeitsstudie zu bringen, hinterfragte aber dennoch immer wieder, ob Dinge, die machbar sind, auch gemacht werden sollten.
Ein paar Beispiele: Schon in Ahrbrück müsste eine neue Brücke entstehen, in Hönningen stehen auf der alten Trasse nun Wohnhäuser, zudem müsste sich die Bahn wahrscheinlich einen schmalen Streifen zwischen der neuen Umgehung und der Ahr suchen. Würde das überhaupt von den Wasserbehörden genehmigt, wurde hinterfragt. Auch ist es eine alte Bogenbrücke in Hönningen, die die Bahn ebenso wie die Umgehungsstraße unterqueren müsse, nur passen dann die Oberleitungen nicht mehr. Heißt: eine verlängerte Ahrtalbahn kann dort nicht mit Elektrozügen betrieben werden, es müssten batterie-elektrische Züge eingesetzt werden. Die Problemstellungen gehen weiter: in Dümpelfeld könnte die Trasse in Teilen noch über eine Straße geführt werden, was für Radfahrer immer wie Falle darstelle. Dort müsste das neue Dorfgemeinschaftshaus wohl weichen, alternativ wäre eine Trasse um Dümpelfeld, die aber bedinge einen langen Tunnel und einen Haltepunkt weit abseits vom Ort. So ziehen sich die aufkommenden Fragezeichen von Ort zu Ort bis zum Adenauer Bahnhof, der aktuell ein Gewerbegebiet mit Einzelhandel beherbergt.
Erreichen könnte die Bahn ein Umfeld von rund 4.000 Menschen, die an der Strecke leben, 3.000 davon in Adenau. Ob eine verlängerte Bahn wirtschaftlich oder ökologisch sinnvoll wäre, hat das Gutachten nicht untersucht. Müller geht indes von Aufbaukosten von 100 Millionen Euro aus, ohne Tunnel um Dümpelfeld, der noch einmal rund 30 Millionen Euro koste. Entstehen könne dann eine einspurige Strecke, die im Stundentakt nicht nach Eisenbahn- sondern nach Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung befahren werden könnte. Die Fahrt mit dem Linienbus sei nur wenige Minuten langsamer und Busse könnten mitten in den Ortschaften halten.