Die Reste der Maria-Hilf-Brücke im Kurpark.
BAD NEUENAHR. TW. Die Erinnerungskultur an die Flutkatastrophe vom 14. und 15. Juli 2021 bleibt ein vieldiskutiertes Thema. Eines der Zeichen, die seit jener verheerenden Nacht den Menschen die Urgewalt der Natur vor Augen führen, liegt am Ahrufer im westlichsten Zipfel des Bad Neuenahrer Kurparks: die Reste der Maria-Hilf-Brücke. Die Fußgängerbrücke über die Ahr war von den Flutmassen und dem mitgeführten Treibgut in der Nacht der Flutkatastrophe wie viele andere Brücken auch aus ihrer Verankerung gerissen worden und ein kleines Stück ahrabwärts getrieben, um danach völlig verdreht und zerstört im Kurpark liegen zu bleiben. Lange war noch einiges an Treibgut, wie ein leuchtend rotes Bobbycar, in den Trümmerteilen verheddert und zeugte von jener Nacht im Sommer, die Deutschland die größte Naturkatastrophe nach dem Zweiten Weltkrieg bescherte. Diese Zeugen der Katastrophe sind mittlerweile verschwunden.
Seit jenen Tagen wird über die Brücke diskutiert. Während die einen den Eisentorso als Mahnmal und Erinnerung möglichst an Ort und Stelle behalten möchten, sehen andere darin ein Stück Gefährdungspotential bei künftigen Hochwasserereignissen. Ihnen geht die Sicherheit vor, aber auch ein Zeichen an die Nachbarn am Fluss, denn von den Oberliegern verlangt die Stadt Wasserrückhaltung und sorgsamen Umgang mit der Ahr. Die Unterlieger sollten dagegen nicht durch die erneute Möglichkeit, dass sich Treibgut im Hochwasserfall verheddert und Verklausungen für Flutwellen sorgen, gefährdet werden. Manche möchten den Brückentorso an anderer Stelle platziert sehen, andere wollen ihn gänzlich der Entsorgung zugeführt wissen.
Nun hat sich der Stadtrat mit dem großen Trümmerteil befasst, und das nicht zum ersten Mal. Einigkeit gab es da keine, auch nicht in den Fraktionen. Stadtchef Guido Orthen ließ daher gleich mehrfach abstimmen, zunächst über vier vorliegende Varianten der weiteren Verwendung der Brückenteile, danach über die beiden Lösungsmöglichkeiten mit den meisten Stimmen aus der ersten Abstimmung.
Am Ende entschied sich der Stadtrat mehrheitlich für einen Kompromissvorschlag der Sozialdemokraten, den Jürgen Saess im Laufe der Diskussion einbrachte. Dieser basierte auf drei vorliegenden Vorschlägen. Sie waren in erster Linie das Ergebnis eines Ratsbeschlusses vom März 2025, der besagte, den Torso nicht am Ablageort nach der Flut zu belassen und der die Verwaltung beauftragte, Alternativen zu suchen. Die Verlagerung innerhalb des Kurparks erhielt keinerlei Zuspruch. Als neue Standorte wurden der Kräutergarten oder der Garten der Sinne vorgeschlagen. Das aber würde Wege und Wartungszugänge versperren und kam daher eigentlich nicht in Frage. Neun Ratsmitglieder votierten zunächst dafür, den Torso komplett zu verwerten, also zu verschrotten. Eine Alternative hierzu wäre die kleinteilige Zerlegung des Teils und der Guss in Acryl gewesen, wie es einst mit Tausenden von Teilen der Berliner Mauer geschehen war. Diese Teile hätten dann veräußert werden können.
In die Stichwahl schaffte es der Verwaltungsvorschlag der Verlagerung des Metallgestells an gänzlich andere Stelle im Stadtgebiet, nämlich als Gestaltungselement für den neuen Kreisel unweit der Berufsbildenden Schulen. Der Vorschlag war dabei, den Torso als Kunstobjekt zu verstehen. Schüler der Berufsschulen könnten das Teil immer wieder neu farblich gestalten, damit es seine triste graue Farbe ablegt. Immerhin zehn Ratsmitgliedern gefiel diese Idee.
Im Rahmen der Sitzung machte dann Jürgen Saess den am Ende entscheidenden Vorschlag, nämlich die künftige Heilwasser-Ausstellung im Bereich des Kurparks um einen signifikanten Teil der Brücke zu ergänzen. „Der Kontrast zwischen Zerstörungskraft und heilender Wirkung vom Wasser wird ein touristisches Highlight sein und damit zusätzlich ein absolutes Alleinstellungsmerkmal gegenüber allen übrigen Heilbädern in Zukunft darstellen“, begründete Saess die SPD-Idee, die dazu führen könne, dass in der Ausstellung Kur- und Bädertourismus und Katastrophentourismus aufeinandertreffen. Am Ende entschied sich der Rat für diese Variante.