Am frühen Abend war noch ein Sitzen auf dem Marktboden möglich, später wurde es dort rappelvoll.
AHRTAL. TW. Der Reigen der frühen Weinfeste hat am Pfingstwochenende Ahrweiler erreicht, wo mit dem Weinmarkt der Ahr ein traditionelles Event des Ahrtals lockte. Mit dem üppigen Weinangebot an den Ständen von elf Winzern und Genossenschaften war auch der Sommer gekommen und lockte die Menschen in Scharen, um unter freiem Himmel zu tanzen und zu genießen. Zeitweise gab es kaum ein Durchkommen. Denn der Weinmarkt lockt verschiedene Klientel: auf der einen Seite die Weinliebhaber, die sich einen Überblick über das Angebot der Ahr machen konnte, auf der anderen Seite der Tross der Weinparty-Feiernden, denen nach den Wanderpartys in den Weinbergen ein üppiges Programm geboten wurde.
Dabei waren letztere an den vier Tagen deutlich in der Überzahl, wie ein Winzer an einem der Weinstände schnell feststellen konnte. Vor allem an den Abenden sorgten DJs und Partybands von der Bühne herab für Stimmung und ließen den ganzen Marktplatz zur großen Tanzfläche werden. Da gab es flotte Tanzmusik schon am Auftaktabend, aber auch in den Folgetagen zu hören. Am Samstag legte ein Discjockey eines Baden-Badener Musiksenders vor allem Musik der 90er Jahre auf, da ließen beinahe schon die Open-Air-Discotheken aus Ibiza grüßen.
Hauptdarsteller aber sollte der Wein des Ahrtals bleiben, den es samt verschiedenen Sekten zu Dutzenden offen, wie auf der Flasche gab. Bei den Preisen für die einfachen Weine schienen die Anbieter in diesem Jahr unterschiedlich kalkuliert zu haben. Da gab Stände, an denen keine Flasche unter 20 Euro zu haben war. An anderen Ständen wurden dagegen oftmals mehrere Weine zum Flaschenpreis von 18 Euro angeboten. Auch einfache Spätburgunder waren beim genauen Vergleich schon recht günstig zu haben. Gewinner im Glas waren aber wie seit vielen Jahren die hellen, gut gekühlten Weine, aber nicht mehr nur der weiß gekelterte Blanc de Noir aus roten Trauben. Auch Grau- und Weißburgunder oder Rivaner haben Einzug im einstmals als „Tal der roten Traube“ beworbenen Ahrtal gehalten.
Dennoch sei vor allem am Auftakttag mit der Proklamation der neuen Ahrweinkönigin auch schon mal ein roter Wein verlangt worden, war bei den Gastgebern zu vernehmen. Die hatten oftmals die Vielfalt aus ihren Kellern mit auf den Ahrweiler Marktplatz gebracht und boten auch Besonderheiten zu entsprechenden Preisen an. Da gab es Lagenweine wie einen Ahrweiler Silberberg Spätburgunder trocken bei Brogsitter für 45 Euro die Flasche. Ein 2023er Grand Max „S“ Spätburgunder aus dem Ahrweiler Rosenthal war bei Max Schell für 40 Euro zu haben und der Mayschosser Mönchberg Spätburgunder kostete bei der Winzergenossenschaft Mayschoß Altenahr 48 Euro. Das Haus Sermann hatte gar seine Schatzkammer geöffnet und präsentierte mit dem 2022er Altenahr „Im Eck“ Spätburgunder einen Wein für 60 Euro. Unschlüssige erwarben einen Genussbegleiter und konnten an allen elf Ständen ein kleines Glas Wein probieren.