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Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler
Ausgabe 24/2026
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Wo kirchliche und weltliche Feiern verschmelzen

Die Schützen geben in Ahrweiler an Fronleichnam traditionell dem Allerheiligsten Geleit.

Beste Aussicht auf die Paraden der Junggesellen genossen die Brötchesmädchen.

Beim Ehrenschießen der Bürgerschützen zuckte manch Schaulustiger zusammen.

Ahrweiler Schützenkönige (v.l.) Matthias Lebig, Dieter Zimmermann und Lars Terporten.

Auch das Tambourcorps beherrscht den Stechschritt.

Hoch das Bein, und zwar akkurat. Die Paraden auf dem Ahrweiler Markt sind Höhepunkte beim Schützenfest.

Marschiert wurde zu Ehren der Könige.

Festkommers im vollbesetzten Saal des Helmut-Gies-Bürgerzentrums.

Sichtlich Spaß hatte der künftige Bürgermeister Pascal Rowald, er bat um Aufnahme in die Bürgerschützengesellschaft.

Der Fronleichnamstag genießt in Ahrweiler einen hohen Stellenwert - Künftiger Bürgermeister will auch mitmachen

AHRWEILER. TW. Es gibt für viele Ahrweiler Bürger keinen höheren Festtag im Jahreskalender als den Fronleichnamstag. Der steht über allem. An diesem Tag findet die alljährliche Symbiose der Darstellung des christlichen Glaubens mit dem Lebensgefühl weltlicher Feiern statt. Dann heißt es in erster Linie für die Mitglieder der drei Schützengesellschaften, früh aufzustehen, um den ganzen Tag über präsent zu sein: in der Kirche, als Bewacher der Fronleichnamsprozession, paradierend auf dem Marktplatz, in ganzen Zügen durch die Stadt ziehend oder einfach am Abend in den Quartieren, um auf einen gelungenen Tag anzustoßen. Für die meisten Schützen geht es darum, die auf den Fahnen aufgestickten Werte zu leben. Andere nehmen bis zum Feierabendgetränk auch schon mal die Abkürzungen über diverse Lokale und den Schankwagen auf dem Marktplatz, die meisten aber halten die Traditionen hoch. Und darum war es auch in diesem Jahr bei durchwachsenem Wetter wieder so, dass schon in aller Frühe Musikanten durch die Stadt zogen und Salutschüsse erschallten. Die Reveille diente einst dazu, Soldaten zu wecken, heute wird die Ahrweiler Bevölkerung aus dem Schlaf gerissen.

Während früh am Morgen schon erste Cafés und Kneipen ihre Türen öffneten, begannen die kirchlichen Feiern mit dem Hochamt in St. Laurentius wieder in althergebrachter Weise. Das war zuletzt 2019 so, danach durfte wegen Corona nicht gefeiert werden, dann kam die Flutkatastrophe und zerstörte die Kirche. Jetzt erstrahlt sie wieder.

Die folgende Fronleichnamsprozession durch die bunt geschmückten Straßen der Ahrweiler Altstadt mit kleinen Altären vor den Hauseingängen wurde von Hunderten Schützen begleitet. Im Mittelpunkt: Pastor Jörg Meyrer mit dem Allerheiligsten, aber auch die Schützenkönige der drei Gesellschaften, Dieter Zimmermann (Bürgerschützen), Lars Terporten (Junggesellen-Schützen) und Matthias Lebig (Aloisiusjugend). An den Stadttoren gab es Segen, Worte und Salutschüsse, die Gemeinde samt Kirchenchor und Kommunionkindern konnte sich in guter Obhut fühlen.

Nach dem Schlusssegen änderte sich das Bild, jetzt übernahmen die Schützen. Auf dem Marktplatz paradierten sie in Stechschritten vor ihren Königen, während die Zahl der Schaulustigen am Rand immer weiter anstieg. Manch Tagestourist hatte noch nicht gesehen, was sich dort abspielte, ehe sich die Schützen allesamt ins Bürgerzentrum zurückzogen. Die Junggesellen-Schützen zog es später in den Stadtteil Bachem, wo sie ihre neue Majestät Lars Terporten feierten, die Aloisiusjugend ließ sich mit einem beherzten musikalischen Auftritt und die Traditionen feiernden Worten von deren Hauptmann Justus Menzen feiern, um sich dann zurückzuziehen.

Zeit für einen kurzen Festkommers der Bürgerschützen, bei dem der anstehende Wechsel an der Stadtspitze in den Vordergrund rückte. Als aktuell erster Bürger von Bad Neuenahr-Ahrweiler war es auch für den Ersten Beigeordneten Peter Diewald der letzte Griff zum Mikrofon bei den Schützen vor dem anstehenden Ruhestand. Diewald musste dabei auf die im Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe auftretenden Probleme und den Verdruss hierüber eingehen. Er machte klar, dass die Baustellen im Tiefbau gerade erst begonnen haben, versprach Transparenz, bat um Solidarität und überreichte das Mikrofon dem vor kurzem in den Landtag gewechselten Ex-Bürgermeister Guido Orthen. Der lobte das Schützenwesen, dass nicht nach Tätigkeit und Einkommen differenziere. „Hier begegnen wir uns auf Augenhöhe“, so Orthen, der seinen künftigen Nachfolger Pascal Rowald ans Mikrofon bat. Rowald berichtete von einer warmherzigen Aufnahme und Einführung in die Traditionen der Schützen und überreichte Hauptmann Jürgen Knieps seinen Aufnahmeantrag.

Aufgenommen wurden zudem zwei weitere Schützen, langjährige Grünröcke erhielten Orden, Schützenlieder wurden gesungen und dann ging es in die Quartiere, einen langen Tag zu beenden.