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Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler
Ausgabe 26/2026
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Bahnhof Walporzheim endlich angekommen

Hier der Kabelschacht im Gebäudeteil, in dem das Stellwerk eingebaut werden soll.

Vorführung historischer Bahnuniformen, initiiert von Stefan Ingenfeld (r.)

Museumsleiter Dr. Carsten Vorwig

Auf dem Gerüst sprach Zimmermann Eddy Lauterbach (links oben) seinen Richtspruch, daneben Anne Karl, Referentin für Haus- und Bauforschung im Freilichtmuseum Kommern

Viele Besucher waren gekommen, hier bei der anschließenden Grillfeier

 

 

 

Richtfest im LVR-Freilichtmuseum Kommern

KOMMERN / WALPORZHEIM. BST. Ein Bahnhof geht auf Reisen… Was wie der Beginn einer doch sehr absurden Geschichte klingt, ist genauso in Walporzheim im Jahr 2024 geschehen. Ein Anruf der am Bahnhof Walporzheim beschäftigten Fahrdienstleiterin Monika Lindener beim Freilichtmuseum Kommern hatte im wahrsten Sinne des Wortes alles ins Rollen gebracht. Lindener hatte von den drohenden Abriss des 1912 erbauten Gebäudes erfahren und wollte den Bahnhof für die Nachwelt erhalten. Wie der Zufall so will hatte das Freilichtmuseum schon lange nach einem Bahnhof gesucht. Nachdem die Finanzierung stand, blieb den Beteiligten letztlich nur ein knappes Zeitfenster um den Bahnhof zu „translozieren“, so der Fachbegriff, also einen dokumentierten Abbau und originalgetreuen Wiederaufbau des Gebäudes an dem neuen Standort vorzunehmen.

Am Sonntag, 21. Juni 2026, wurde nun Richtfest in Kommern gefeiert. 300 Besucher hatten sich angemeldet, so viele, dass die Veranstaltung unter freiem Himmel, direkt im Angesicht des neu errichteten Bahnhofs am „Marktplatz Rheinland“, stattfinden musste, da kein ausreichend großer Saal zur Verfügung stand. Aus der alten Heimat des Bahnhofs waren der 1. Beigeordnete Peter Diewald in Vertretung der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler angereist, Walporzheimer Bürger*innen sowie eine Abordnung der Ahrtalbahnfreunde. Nach der Begrüßung durch Museumsleiter Dr. Carsten Vorwig übergab dieser das Wort an Anne Henk-Hollstein, Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland (LVR), die auf den Bahnhof als „Ort voller Geschichte und Geschichten“ einging. Es ginge der LVR und dem Museum darum, hier gelebte Infrastruktur- und Mobilitätsgeschichte erfahrbar und erlebbar zu machen. Man wolle unterschiedliche Entwicklungsphasen des Gebäudes (das Stellwerk aus den 1920er-Jahren, den Wartesaal aus den 1950er Jahren sowie den Betriebsraum von 2023) vermitteln und die Rolle des Bahnhofs während der Flut als Rettungsinsel und nach der Flut als Endbahnhof der Strecke aufgrund der Zerstörung darstellen. Museumsleiter Dr. Vorwig ging in seiner Rede auf den Hintergrund des Projekts, die Finanzierung sowie konzeptionelle und fachliche Herausforderungen ein. Dabei wurde auch das akribische und detailverliebte Vorgehen sehr deutlich. Er berichtete, dass man die Bahnangestellten darum gebeten hätte, private Gegenstände im Betriebsraum zu lassen – ein Notizbuch, eine Tasse usw., damit die Besucher*innen den Eindruck bekämen, der Raum sei eben erst verlassen worden.

Anschließend wurde die Veranstaltung durch eine Vorführung historischer Bahnuniformen aufgelockert, initiiert von Stefan Ingenfeld vom Freundeskreis historischer Eisenbahnuniformen im Rheinland. Dann wurde der Blick Richtung Bahnhofsdach gelenkt. Auf dem Gerüst gab Anne Karl, Referentin für Haus- und Bauforschung und Zuständige für das Projekt, noch einige Insider-Informationen und -Visionen, wie der Bahnhof in der Zukunft erlebbar gemacht werde. Der Bahnhof habe augenscheinlich ein sehr hohes Fundament, an dem ein Bahndamm - gemäß dem Originalstandort - aufgeschüttet werde. Der Einbau des Stellwerks stehe noch an, ebenso der Gleisaufbau, auf dem dann auch ein historisches Schienenfahrzeug stehen solle. Dieses sei noch nicht gefunden. Eine „Infozelle“ werde Informationen rund um den Bahnhof und den Wiederaufbau vermitteln. Zudem hatte Anne Karl kürzlich erfahren, dass auch der Original-Fahrkartenautomat aus Walporzheim für Kommern zur Verfügung stehe, nachdem noch Restgeld im Automaten die Übergabe bisher verhindert hatte. Damit über die nur angedeuteten Stufen auch Fahrgäste laufen, habe man vor, einen damals gedrehten Film von echten Walporzheimer Fahrgästen, die die Stufen hinaufsteigen, auf die Bodenfläche zu projizieren. Die Wartehalle aus den 1950er Jahren werde nach Berichten von Zeitzeugen rekonstruiert, da historische Aufnahmen des Innenraums fehlen. Dann machte sie auch auf das Dach aufmerksam, das zur Hälfte mit Schindeln, zur Hälfte mit Dachpfannen gedeckt sei um unterschiedliche Zeitphasen darzustellen, aus demselben Grund sei das Geländer auf zwei Arten gestaltet. Nach diesen Ausführungen folgte der humoristische Richtspruch des Zimmermanns Eddy Lauterbach. Danach konnten die Räumlichkeiten von den Anwesenden in Augenschein genommen werden. Info-Tafeln gaben einen Überblick über den Bahnhof, seinen alten Standort, die Translozierung und das Ausstellungskonzept. Angesichts der hohen Temperaturen durften sich die Zuhörer zum Ausklang über erfrischende Getränke und Grillgut freuen. Und alle wurden herzlich eingeladen nach dem Richtfest auch zur Eröffnungsfeier in hoffentlich naher Zukunft zu kommen.