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Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler
Ausgabe 28/2020
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Viele Besucher, aber nur wenige Kunden

Begegnungsverkehr statt Einbahnstraße: viele Besucher des Antik- und Trödelmarktes interessierten sich eher für das Angebot, als für die Wegeführung.

Dieses "Brautpaar" wartete am Samstag noch auf neue Besitzer.

In Bad Neuenahr fand ein Antik- und Trödelmarkt unter Corona-Auflagen statt

BAD NEUENAHR. TW. Antik- und Trödelmärkte waren vor Corona Publikumsmagnete, die Menschen aus großen Umkreisen anlockten, für volle Innenstädte suchten und Händler zufrieden stellten. Das Bild hat sich in Teilen gewandelt. Und das liegt nicht nur am Corona-Virus.

Am Samstag und Sonntag war Antik- und Trödelmarkt in Bad Neuenahr. Seit Jahren kommen die Händler hier gerne hin, schon allein wegen dem mondänen Flair, den die Fußgängerzone und die Kurgartenstraße immer noch versprühen. So sieht es zumindest Toni Meurer. Der Neuwieder ist „Profi“, also Antiquitätenhändler und wie seine Kollegen froh, dass es überhaupt wieder solche Märkte geben darf. „In Rheinland-Pfalz fand der erste Markt nach dem Lockdown vor drei Wochen in Braubach statt“, berichtete er. Natürlich unter strengen Auflagen. Aber die seien kein Problem, so Meurer. Sein Problem am ersten Tag waren Regen und Wind um die Mittagszeit, die hatten doch einiges an Publikum abgehalten. Dennoch war schon der erste Markttag ordentlich besucht. Zumindest im unteren Teil war die Poststraße gut gefüllt, Kneipen und Cafés profitierten ebenfalls vom Trödelmarkt, die Plätze in den Außenbereichen waren rar.

Die meisten Händler hatten ihre Stände auf und rund um den Platz an der Linde oder aber in einem Bereich von evangelischer Kirche über die gesamte Kurgartenstraße aufgebaut. Hier gab es vor allem Altes zu erwerben: Schmuck, Bilder, Porzellan oder Besteck waren Hingucker, aber auch altes Spielzeug und mehr oder weniger gut erhaltene Literatur, die teilweise aus Bananenkisten heraus möglichen neuen Besitzern entgegenblickte. Dazwischen gemischt hatte sich auch der ein oder andere Händler mit Neuware, oftmals auf alt getrimmt.

War der Besuch von Beginn an gut, so hielten die die Gäste mit Einkäufen doch sehr zurück. „Das beobachten wir schon zwei oder drei Jahren“, so ein Kölner Ehepaar, dass an seinem Stand auf dem Platz an der Linde edle Artikel aus alten Hausständen anbot. „Die Leute verwechseln Trödelmarkt mit Flohmarkt, bieten mir für eine rund 80 Euro teure Vase gerade mal vier Euro an“, so der Händler, der seinen Namen nicht verraten wollten. Weil er mit seiner Frau das Geschäft nur als Hobby betreibt und die Einnahmen zur Finanzierung von Urlauben nutzt, bereitet ihm diese Entwicklung allerdings weniger Sorgen, als dies bei professionellen Antiquitätenhändlern der Fall sein dürfte. Das zeigen die Gespräche der Händler untereinander. Die einen gaben an, ohne jegliche Erwartungshaltung gekommen zu sein, ein anderer wollte am Sonntag schon gar nicht mehr wiederkommen und lieber in Bonn aufbauen, bis er erfuhr, dass der Markt dort keine Genehmigung erhalten hatte.

Dort, wo etwas verkauft wurde, wurde meist kräftig gefeilscht. Ein Dutzend edle Servietten gingen für 20 Euro über den Tresen, 24 sollten sie eigentlich kosten. Bei einem alten Ölgemälde musste der Händler zähneknirschend noch einen weitaus höheren Nachlass gewähren, ein anderer behielt seine Ware lieber, als das er sie verramschte. Derweil wurden die Corana-Regeln nur sehr bedingt eingehalten. Vor allem die Einbahnstraßen-Regelung mit Ein- und Ausgang wurde von den Besuchern so gut wie gar nicht beachtet – trotz klarer Hinweisschilder und gemalten Pfeilen auf dem Boden. Man schaute lieber auf das, was die Händler anboten.

Geschäft für Studenten und Entrümpler

Nach Ansicht eines Kölner Händlers erhalten die Antiquitätenhändler zunehmend Konkurrenz von Entrümplern, die Waren aus Hausstandsauflösungen auf den Antikmärkten anbieten. Zudem gebe es Studenten, die sich einen LKW mieten, freitags Wohnungen auflösen, am Wochenende mit den Waren auf Antikmärkten stehen und nicht verkauftes am Wochenbeginn zur Mülldeponie bringen.