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Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler
Ausgabe 3/2021
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Parkhausfassade in der Diskussion

Der nördliche Bereich des Moses-Parkplatzes soll komplett mit einem Parkhaus bebaut werden.

Die fünf Varianten für die Fassade nach Süden hin erhitzten die Gemüter und werden überdacht.

Außengestaltung eines 125 Meter langen Bauwerks auf dem „Moses-Parkplatz“ erhitzt die Gemüter – Rat und Verwaltung stehen unter Zeitdruck

BAD NEUENAHR-AHRWEILER. TW. Ein Parkhaus am Krankenhaus, betrieben von den Ahrtal-Werken, war eines von rund 50 Projekten der Landesgartenschau 2022. Besagtes Parkhaus mit rund 500 Parkplätzen wird aber nicht kommen, da sich Stadt und Marienhaus Kliniken GmbH, die beide Flächen für das Projekt zur Verfügung stellen wollten, nicht einig wurden und der Klinikbetreiber aus dem Projekt ausstieg. Als Alternative nahm die Stadt den Parkplatz City-Ost, besser bekannt als Moses-Parkplatz oder Kirmesplatz ins Visier. Nun soll dort besagtes Parkhaus mit mehr als 500 Stellplätzen entstehen. Die Ausmaße sind enorm, direkt an der Bahn gelegen ist hier ein 125 Meter langer und 33 Meter breiter Baukörper geplant, der sich über vier Geschosse in die Höhe erstreckt. Die geschätzten Baukosten belaufen sich auf 7,144 Millionen Euro. Geplant wird das Gebäude von der PlannIng GmbH, über die Ausführung herrscht weitestgehend Einigkeit, was aber keineswegs für die Gestaltung der Fassade gilt. Hier setzte der Bauausschuss zwar einige Grundpfeiler, mit den Ergebnissen, die in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschuss mit dem Bau- und Planungsausschuss in Form von fünf Varianten vorgetragen wurden, zeigte sich aber vor allen Dingen Architekt Hans-Peter Schmidt vollkommen unzufrieden. Während man aus den Vorschlägen in den übrigen Fraktionen durchaus Gefallen an dem ein oder anderen Entwurf finden konnte, sprach Schmidt von einer „Palettenarchitektur mit Lagerhauscharakter.“ So habe er sich die Umsetzung durch das Architekturbüro im Anschluss an die Beschlüsse des Bauausschusses keinesfalls vorgestellt, plädierte Schmidt für eine architektonisch und ästhetisch überzeugende Lösung an einer herausgehobenen Stelle in der Innenstadt. Scheinbar habe der Bauausschuss zu viele Vorgaben gemacht, daher setzte sich Schmidt mit der Forderung, die Varianten noch einmal zu überdenken, durch. Vor allem die vorgeschriebene Verwendung horizontaler Holzlamellen hatte die gewünschte Betonung der Vertikale nahezu unmöglich gemacht.

Unterstützung gab es von Udo Heimermann (Die Grünen), der sich ebenfalls für neue Gestaltungsvorschläge aussprach und die vorgelegten Entwürfe als „nicht gut“ bezeichnete. Bürgermeister Guido Orthen sah sich zunächst in Defensivhaltung und führte aus, die Stadtverwaltung lasse sich nicht „wie Deppen behandeln“, dennoch zeigte er trotz der späten Einwände Bereitschaft, noch einmal über die Fassade zu diskutieren. Allerdings steht man auch unter Zeitdruck. Startet der Bau nicht spätestens am 1. Oktober, wird es nicht mit einer Eröffnung des Parkhauses zur Landesgartenschau. Das neuerliche Zeitfenster für weitere Diskussionen wurde daher auf zunächst einmal eine Woche festgelegt.

Was die eigentlichen Grundzüge der Planung angeht, herrschte in den Ausschüssen Einigkeit, der Stadtrat soll sie in seiner nächsten Sitzung endgültig beschließen. Die Planung sieht einen viergeschossigen Bau in Systembauweise mit jeweils einer Ein- und Ausfahrt über die Rathausstraße und über die Bergstraße vor. Zwischen Parkhaus und dem benachbarten, im Bau befindlichen Inklusionshotel bleibt demnach eine Zufahrt für Lieferanten des Hotels. Von den geplanten 505 Parkplätzen sollen 15 behindertengerecht sein, weitere 18 Parkplätze könnten ebenfalls behindertengerecht angelegt werden. Für Dauerparker sollen 143 Stellplätze reserviert werden, die restlichen 362 Stellstellplätze stehen Kurzzeitparkern zur Verfügung. Geplant sind weiterhin Stellplätze für E-Fahrzeuge, teilweise mit Lademöglichkeiten. Für Fahrräder gibt es ebenfalls einen separaten, überdachten und von außen zugänglichen Raum. Die Infrastruktur im Innenbereich ist durch drei massive Treppenhäuser gekennzeichnet, eines davon wird einen Aufzug erhalten. Im Nachgang könnte eine Photovoltaikanlage auf der obersten Ebene errichtet werden. Die Kosten für den Bau sollen durch die Parkgebühren refinanziert werden. Nun gilt es, rasch die Genehmigungsplanung zu erstellen und einen Bauantrag einzureichen.