Einen Pachtvertrag über 25 Jahre unterzeichneten (v.l.) Edgar Flohe, Bürgermeister Guido Orthen und Annette Sebastian.
Das wiederaufgebaute Alte Wasserwerk, im Hintergrund die neue Leichtbauhalle.
WALPORZHEIM. TW. Große Geschenke werden auch gut zwei Wochen nach Weihnachten noch gerne angenommen. Und genau die gab es am Rande des mittlerweile 90. Stiftungsfestes des SV Walporzheim in Form zweier wiederaufgebauter Liegenschaften, die für die Walporzheimer Vereinswelt eminent wichtig sind. Das Sportlerheim und das als Großlager genutzte Alte Wasserwerk, beides nicht weit von der Ahr gelegen und in der Flutnacht vom Juli 2021 schwer getroffen, sind wieder einsatzbereit. Was für den westlichsten Stadtteil der Kreisstadt ein Stück zurück zur Normalität im öffentlichen Leben bedeutet, ist aber auch für die von der Katastrophe arg gebeutelte Stadt von enormer Wichtigkeit, kamen doch die Forderungen nach Wiederaufbau aus dem kleinen Weinort seit der verheerenden Flutnacht oftmals besonders laut und vehement.
Jetzt dürfte es aber auch dem letzten Walporzheimer klar sein: es wird wieder eine Sportanlage am Ahrufer geben, sonst bedürfte es keines Sportlerheims. Klar ist zwar seit langem, dass es kein großer Sportplatz werden wird, wie vor der Flut. Aber immerhin ein Jugendspielfeld soll am Ahrufer wieder entstehen.
Aber mit einem solchen kleinen Sportplatz wird es rund um die das Sportlerheim nicht getan sein, betonte Herbert Wiemer, Geschäftsführer der städtischen Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft (AuEG): „Der Bereich wird im Rahmen der nächsten Stadtratssitzung besprochen, die Planungen sollen dann weiter ausgearbeitet werden und wenn alles gut geht, wollen wir im Laufe dieses Jahres auch hier am Ahrufer mit der Umsetzung der Außenanlagen beginnen“, so Wiemers Hoffnung, ohne dem Stadtrat vorgreifen zu wollen.
Die Planungen sehen einen vielfältig nutzbaren Uferbereich vor. So soll der Spielplatz wieder aufgebaut werden und dabei ein Stück weiter nach Westen rücken. Neben dem Jugendspielfeld soll eine Veranstaltungsfläche entstehen. Denn auch die Karnevalisten nutzen Jahr für Jahr den Bereich, um ein Festzelt für ihre Veranstaltungen zu errichten. Dazu sehen die Planungen weitere Freizeitflächen und letztlich eine Erschließung des Bereichs hin zur Ahr vor. Der Fluss erwartet zudem noch Arbeiten im Rahmen der Gewässerwiederherstellung unter der Leitung der Kreisverwaltung.
Das alles ist aber ebenso noch Zukunftsmusik, wie auch der Rückbau eines großen Erdwalls, der den Gästen am Sonntagmorgen bei der feierlichen Übergabe des Sportlerheims den Blick auf die Ahr noch verwehrte. Bürgermeister Guido Orthen wollte angesichts klirrender Minusgrade nach der bislang kältesten Nacht des Jahres nicht unter freiem Himmel sprechen und bat die gut 50 Gäste ins mollig warme Clubheim, wo diese einen ersten Eindruck gewinnen konnten. Denn das Clubheim unterscheidet sich kaum mehr von einem Neubau. Kein Wunder, hatte die Flut mit ihren massiven Wasser- und Schlammströmen in Verbindung mit Unmengen von Treibgut doch nichts weiter hinterlassen als einen Totalschaden. Bilder an der Wand im Clubraum geben den späteren Nutzern noch Zeugnis davon, wie es vor der Sanierung ausgesehen hat. Nichts mehr zu sehen ist dagegen von dem Geschehen in den ersten Monaten nach der Katastrophe, als rund um den Bereich des Sportlerheims in privater Initiative große Hilfsprojekte mit Werkstätten und Spendenlagern entstanden waren, die den Flutbetroffenen große erste Hilfestellungen im beginnenden Wiederaufbau gegeben hatten. Das alles war später rückgebaut und an andere Stelle verlagert worden.
Was blieb, waren Bodenplatte und tragende Innen- und Außenwände des Sportheims. Nun wurden neue Leitungen und Zwischenwände geschaffen, Türen und Fenster sowie die gesamten technischen Anlagen und Sanitäranlagen erneuert. Das alles kostete den Preis eines hübschen Einfamilienhauses, nämlich rund 890.000 Euro. „Für ein Sportlerheim wohlgemerkt“, bemerkte der Bürgermeister und sprach von einer enormen Summe.
Aber das Geld könnte nach Orthens Worten kaum besser investiert sein. „Wir geben heute dem Vereinsleben wieder ein Zuhause und eine Basis für die nächsten Jahrzehnte Vereinsgeschichte. Orthen und die Spitze des SV Walporzheim vereinbarten zudem vertraglich mittels Pachtvertrag für die Dauer von 25 Jahren ihre langfristige Zusammenarbeit. Soll heißen: Der SV Walporzheim wird sich künftig um das Gebäude kümmern, so wie es alle Sportvereine der Stadt mit den städtischen Liegenschaften an ihren Sportanlagen tun.
Wiederaufgebaut ist auch das Alte Wasserwerk unweit des Sportlerheim, dass von den Walporzheimer Vereinen in erster Linie als Lagerfläche und Werkstatt genutzt wird. Untergebracht sind hier auch Festwagen für die Umzüge an Karneval und Weinfest. Ein von Flut zerstörter Anbau an das ehemalige Wasserwerk wurde durch eine Leichtbauhalle ersetzt. Insgesamt wurden hier 400.000 Euro investiert.