Am Ziel in der Heimat seines Vaters: Friedel Sebastian, im Rollstuhl sitzend, aus dem westfälischen Raesfeld in Walporzheim.
WALPORZHEIM. (kan.) 180 Kilometer, siebeneinhalb Stunden Reisezeit und zahlreiche Hindernisse: Für Friedel Sebastian aus dem westfälischen Raesfeld wurde die Fahrt mit Bus und Bahn ins Ahrtal zum Praxistest für die Barrierefreiheit des öffentlichen Nahverkehrs. Sein Ziel erreichte der ALS-Betroffene mit zwei Stunden Verspätung, dank der Unterstützung seiner Familie.
Schon der Start in Westfalen verlief holprig. Ein Busfahrer reagierten erst auf Aufforderung, Einstiegshilfen bereitzustellen. Hinzu kamen Zugausfälle, kurzfristige Gleiswechsel und fehlende Informationen. Mehrfach gelang der Einstieg nur, weil Begleitpersonen eingriffen.
Im Ahrtal angekommen, wandelte sich dieser Eindruck. Der neu gestaltete Bahnsteig am neuen Haltepunkt in Walporzheim, barrierefreie Straßen, Geschäfte und öffentliche Einrichtungen sowie die hilfsbereiten Zugbegleiter der Ahrtalbahn hinterließen einen positiven Eindruck. Auch Hotels und touristische Angebote seien heute deutlich besser auf Menschen mit Handicap eingestellt als früher, so Friedel Sebastian, dessen Vater aus Walporzheim stammt.
Kritik richtet Sebastian vor allem an die Deutsche Bahn. Unterschiedliche Bahnsteighöhen, Zugausfälle und mangelnde Informationen erschwerten Reisen mit Rollstuhl erheblich. Gleichzeitig lobt er engagierte Mitarbeitende, die unterwegs pragmatisch halfen.
Trotz aller Kritik fällt sein Fazit dennoch positiv aus: Fünf Jahre nach der Flut sei der Wiederaufbau im Ahrtal deutlich sichtbar. Vieles sei bereits barrierefrei, vieles noch im Entstehen. Für Friedel Sebastian steht fest: Ein Besuch lohnt sich schon heute.