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Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler
Ausgabe 31/2020
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Burgundia onWine geht offline!

Carlotta Müller, Burgundia 2019/2020 von Ahrweiler dankt allen Beteiligten herzlich für die Teilnahme an ihrer Serie „Burgundia onWine“!

AHRWEILER. Die zurückliegenden Monate waren für alle von beruflichen wie privaten Einschränkungen geprägt. So auch für die amtierende Weinkönigin Carlotta Müller, die seit März – bedingt durch die Coronakrise - „arbeitslos“ in ihrem Ehrenamt war. „Burgundia trotz(t) Corona“, so kann man ihre Idee beschreiben, die sie mitten im Shutdown entwickelte und umsetzte. Sie besuchte die Weingüter der Stadt und andere Institutionen rund um den Wein, um sie näher kennenzulernen, vorzustellen und sie bei der Präsentation und Vermarktung ihrer Weine zu unterstützen. Seit Mai hat sie wöchentlich ein Weingut besucht, Menschen getroffen, interviewt und jedes Mal einen Film gedreht, der auf Facebook und Instagram veröffentlicht wurde. Zu berichten hatte sie immer etwas, jeder Besuch war durch ein besonderes Thema und besondere Weine gekennzeichnet, es sind schöne, interessante, wie auch sehr individuelle Geschichten entstanden:

Zuerst besuchte die Burgundia das Weingut J.J. Adeneuer, das mit ihrer Familie über 40 Jahre befreundet ist und auch ihr Sponsor für ihr Burgundia-Jahr war, bzw. noch ist. Das Haus ist das einzige VDP-Prädikatsweingut der Stadt (Verband Deutscher Prädikatsweingüter) und im Alleinbesitz der Gärkammer, der kleinsten Einzellage in Deutschland. Eine Flasche Spätburgunder „Kleine Kammer“, dem kleinen Bruder des VDP.Grosses Gewächs „Gärkammer“ rundete den Besuch der Weinkönigin genussvoll ab.

Als nächster Anlaufpunkt stand das Weingut Peter Lingen auf der ToDo-Liste. Die 10. und 11. Generation der Familie kredenzte ihr einen „2016 Evolution, Spätburgunder trocken“. Dieser Wein war bei Carlottas Proklamation noch der Festwein der Ahrweiler Weinwochen 2019 und wurde dann für die Berlinale 2020 ausgewählt. Nicht nur den internationalen Filmgrößen, den Stars und Sternchen schmeckte der Wein, auch die Burgundia genoss den edlen Tropfen.

Der dritte Stopp führte die Burgundia in das Weingut Peter Kriechel, das größte, familiengeführte Weingut an der Ahr mit 24 Hektar Anbaufläche. Eine besondere Eigenheit dieses Weingutes ist es, dass dort zum Teil Fässer aus der heimischen Ahr-Eiche, von über 200 Jahre alten Bäume genutzt werden, um Weine im Premiumbereich auszubauen. Der interessante Besuch endete mit einer hervorragenden Flasche „Jubilus Frühburgunder Goldkapsel 2016“.

In der ersten Juni-Woche traf die Ahrweiler Weinkönigin auf die Brüder des Weingutes Franz Coels, die gemeinsam das Haus in die Zukunft führen. Zuerst saß sie in der Weinstube des alten Fachwerkhauses von 1914; dann stand sie in einer der großen Einzellagen des Ahrtals, im Ahrweiler Rosenthal und probierte die beiden unterschiedlichen Endprodukte: „Ahrweiler Rosenthal Spätburgunder Blanc de Noir“ und „Ahrweiler Rosenthal Spätburgunder trocken“ – im Barrique gereift.

Als nächstes führte sie ihr Weg in die gerade eröffnete Straußwirtschaft des Weinguts Stefan Kurth.

Als Garagenwinzer 2007 gestartet, wechselte der Winzer 2011 in die Selbstständigkeit. Seine individuellen und überwiegend trockenen Weine haben noch ein besonderes Merkmal. Viele davon tragen einen persönlichen Namen. Der Burgundia schmeckte besonders der trockene Spätburgunder „Kathinka“, der Name einer bekannten Ahrweiler Wirtin, die ein uriges Weinlokal in der Ahrweiler Altstadt hatte.

Dann kam die Schützenfestwoche, aber es konnte und durfte kein Schützenfest gefeiert werden. Die Burgundia traf sich mit Jürgen Knieps, dem Hauptmann der Bürger-Schützengesellschaft, weil die Gesellschaft seit über 400 Jahren eigenen Weinbau betreibt. Allerdings wird der Wein für den Eigenbedarf der Schützen hergestellt und als Ahrweiler Schützenwein "Forstberg Spätburgunder trocken", "Ahrweiler Spätburgunder halbtrocken" und "Blanc de Noir trocken" bei den internen Veranstaltungen der Schützen gerne getrunken.

Der Winzerhof Christof Körtgen war die siebte Station der Burgundia. Seit 30 Jahren bietet das familiär geführte Weingut hervorragende Weine und Sekte an. Und in diesem Fall war „Sekt“ das Stichwort für die Burgundia. Denn das Weingut hat eine eigene Sektkellerei. Carlotta lernte die Sektherstellung nach der klassischen Flaschengärmethode kennen und sah Hunderte von Flaschen auf den Rüttelpulten, die noch eigenhändisch gerüttelt werden. Den prickelnden und spritzigen „Blanc de Noir“ Sekt genoß die Burgundia bei einem eigens für sie gegebenen Klavierkonzert.

Anfang Juli besuchte Carlotta Müller das kleine Weingut Nathalie Richter, das sich auf den ökologischen Weinbau spezialisiert hat. Im Vergleich zum konventionellen Weinbau ist damit ein gesteigerter Pflege- und Arbeitsaufwand verbunden, der für eine Zertifizierung unabdingbar ist. Die junge Winzerin führt seit 2 Jahren den kompletten Betrieb als „One Woman Show“. Aus dem Weinangebot des Hauses probierte die Burgundia einen typischen 2018er Spätburgunder aus dem Ahrweiler Rosenthal.

Der neunte Besuch führte die Burgundia in den Ahrweiler Winzerverein, der mit dem Genossenschaftsgedanken „Was dem einzelnen nicht möglich ist, das vemögen viele“ im Jahr 1874 gegründet wurde. Bis heute leisten die Mitglieder untereinander Hilfe zur Selbsthilfe, der Erfolg sind hervorragende Weine von auserlesener Qualität. In den neuen Probierloungen konnte sich die Burgundia bei einer 4er Probe von der Qualität der unterschiedlichen Weine überzeugen.

Bei ihrem vorletzten Termin traf sie auf Theresa Friedrich von Ohse Jonge, ein Mitglied des Jungwinzerprojektes des Ahrweiler Winzervereins. Mit neuen Ideen und Veranstaltungen wie dem „Sommerzauber“ zum Start des beliebten Hoffestes und seit kurzem mit dem kleinen Bruder „Winterzauber“ machen die jungen Leute erfolgreich auf sich aufmerksam. Der frische, spritzige „Blanc de Noir Spätburgunder“ von den Jungwinzern schmeckte besonders gut.

Als letztes Weingut besuchte die Burgundia das drei Jahre alte Weingut Stark-Linden. Zu dieser Beziehung kam es, als sich das junge Ahrweiler Weingut mit dem Traditionsweingut aus Heimersheim geschäftsmäßig, aber auch der Liebe wegen verbunden hatte. Als eines der wenigen Weingüter verfügt das Haus über eine eigene Schnaps-Brennerei, in der Trauben und Früchte zu hochprozentigen Bränden veredelt werden. Im „Winzerhäuschen“ der Familie probierte die Burgundia mit dem Winzer-Ehepaar eine seltene deutsche Rebsorte, einen erfrischenden „2019 Rotberger Blanc de Noir“.

„Jeder meiner Besuche war etwas Besonderes - ein Highlight für mich“, so die begeisterte und dankbare Burgundia zum Abschluss ihrer Serie. „Alle unsere Winzerinnen und Winzer sind mit ganz viel Herzblut bei der Sache, alle verbindet die Liebe zum Wein“, so ihr Resümee. Die Weinkönigin sagt allen Beteiligten ein großes Dankeschön für das herzliche Willkommen und die Zeit, für die interessanten Berichte, persönlichen Geschichten und hervorragenden Weine, die sie probieren durfte. Für die Ahrweiler Burgundia, deren Amtszeit Anfang September voraussichtlich endet, da ggf. eine neue Burgundia proklamiert wird, sind und bleiben es dankbare Momente mit unvergessenen Begegnungen in dieser schwierigen Zeit.