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Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler
Ausgabe 36/2020
Aktuelles
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„Ich wollte was mit Autos machen“

Wolfgang Appel sieht dem Ruhestand gelassen entgegen. 30 Jahre lang leitete er das Jugendgästehaus der Kreisstadt.

Wolfgang Appel war 30 Jahre Herbergsvater in der Kreisstadt – Am Donnerstag wird er verabschiedet

BACHEM. Ende der 1980er Jahre gab es in Bad Neuenahr-Ahrweiler keine Jugendherberge, im ehemaligen Herbergsgebäude an der Peter-Friedhofen-Straße waren Aus- und Übersiedler untergebracht. Es war aber ein moderner Neubau in Planung und später in der Umsetzung. Am Ahrufer in Bachem, unweit der Piusbrücke entstand seinerzeit die modernste Jugendherberge in Rheinland-Pfalz. Und die hieß auch nicht Jugendherberge, sondern Jugendgästehaus. Ein neuer Name für ein damals neues Konzept. „Dieser Name wurde speziell für Häuser mit einem ganz anderen Komfort entwickelt. Die Zimmer waren größer und es gab Duschen und Toiletten auf den Zimmern“, berichtet Wolfgang Appel. Als das Jugendgästehaus am 1. September 1990 eröffnet wurde, war er der erste Herbergsvater. Am Donnerstag wird er in den Ruhestand verabschiedet. Dann ist das frisch renovierte Jugendgästehaus 30 Jahre alt und steht unter der Leitung von Oliver Piel. Der hat den Job des Herbergsvaters, der heute Betriebsleiter heißt, schon vor einigen Monaten übernommen. Wolfgang Appel fungiert seither beratend. Gemeinsam haben die beiden zuletzt den Umbau gemanagt.

Appel blickt gerne auf seine 38-jährige Tätigkeit für die Jugendherbergen zurück. 1982 hatte er in Diez begonnen, 1990 dann gemeinsam mit seiner Frau Maria die Leitung am Ahrufer übernommen. Sein Fazit kurz vor dem Ruhestand fällt kurz und knapp aus: „Fakt ist, dass ich den richtigen Beruf ausgewählt habe, viele, viele nette Menschen kennengelernt habe und dass ich es nicht besser hätte treffen können.“ Dabei war das gar nicht Appels Traumberuf: „Ich war unentschlossen, wollte was mit Autos machen, die machen in dem Alter immer Spaß. Aber dann hatte ich zwei Möglichkeiten, einmal hatte ich mich mit meiner Frau bei den Jugendherbergen beworben und dann noch bei einem Apotheker der Bundeswehr. Wir haben uns für die Jugendherberge entschieden, was wir auch nie bereut haben.“ Dem scheidenden Herbergsvater war der Job eigentlich in die Wiege gelegt worden, hatten seine Eltern Karl und Karoline Appel doch die ehemalige Christoph-Strauck-Jugendherberge in Ahrweiler geleitet, wo Sohn Wolfgang aufwuchs.

Rückblickend gibt es viele Geschichten zu erzählen. Vom ersten Jahr in der Kreisstadt und 27.000 Übernachtungen. „Mein Chef stellte mir eher scherzhaft eine Prämie in Aussicht, wenn es mal 30.000 werden. Die wurden es schon ein Jahr später.“ Oder vom Aufenthalt der Sacro-Pop-Band in Diez, als 1986 zur Wiedereröffnung nach Renovierung Ministerpräsident Bernhard Vogel kam und Appel die Band animieren sollte, „Alle Vögel sind schon da“ zu spielen. In Ahrweiler konnte er Musiker Bill Ramsey begrüßen.

Und dann waren da die vielen Gäste, Schulklassen, Chöre, Big Bands. Manche kamen Jahr für Jahr. Es entstanden Freundschaften. Auch zu Familien, die ihren Urlaub immer wieder im Jugendgästehaus verbrachten. Wolfgang Appel erinnert sich gerne an einen Ausbilder im Lebensmitteleinzelhandel. „Der kam aus Dresden und wir sind längst gut befreundet. Hier haben wir immer gerne diskutiert, er aus der DDR und ich aus dem Westen.

In all den Jahren hat sich vieles gewandelt. Die Strukturen zum Beispiel. Heute sind viel mehr Familien zu Gast, als früher. Auch die Reisegewohnheiten sind andere. An langen Wochenenden reisten die Gäste zu Anfang schon mittwochs an und brachten ihre Alltagshektik mit. Jetzt kommt man donnerstags, da fehlt dann eine Übernachtung in der Statistik. Aber das Haus ist gut frequentiert, zwischen 29.000 und 31.000 Gäste kommen Jahr für Jahr. Jetzt wurde die Bettenzahl von 151 auf 183 aufgestockt, dazu modernisiert, was einen erneuten Schub geben dürfte, ganz bestimmt zur Landesgartenschau 2022.

Dann wird Wolfgang Appel sicherlich an der Ahr und am Jugendgästehaus vorbei spazieren. Pläne, wie sein Ruhestand aussehen soll, hat er noch keine gefasst: „Bis Ende November bin ich noch beratend tätig, dann werde ich umziehen, vielleicht auch schon früher. Ich muss erst einmal sehen, dass ich die Wohnung hinbekomme.“ Ob er dann noch Abstecher ins Jugendgästehaus machen wird, kann er noch nicht sagen: „Mal gucken, wie sich das entwickelt.“