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Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler
Ausgabe 36/2026
Aktuelles
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Wenn nichts mehr ist, wie es war

Sebastian Walter, Dokumentationsstätte Regierungsbunker; Julia und Albi Roebke; Iris Flerus, Koordinatorin Hospiz-Verein Rhein-Ahr e. V.; Nadine Kreuser, stellvertretende Vorsitzende des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr e. V. (v.l.)

 

Lesung mit Albi Roebke im Regierungsbunker 

AHRWEILER. Wie begegnen wir Menschen, wenn das Leben von einem Moment auf den anderen aus den Fugen gerät? Was hilft, wenn Sicherheiten wegbrechen? Und wie kann es gelingen, nach Verlust und Trauma wieder ein Stück Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen?

Diesen Fragen widmete sich eine eindrucksvolle Lesung mit Albi Roebke am Mittwoch, 19. August, in der Dokumentationsstätte Regierungsbunker in Ahrweiler. Eingeladen hatte der Hospiz-Verein Rhein-Ahr e. V. Roebke las aus seinem SPIEGEL-Bestseller und gab den Besucherinnen und Besuchern sehr persönliche Einblicke in seine Erfahrungen mit Trauer, Krisen und Ausnahmesituationen.

Passender hätte der Ort für diesen Abend kaum sein können. Darauf ging auch Sebastian Walter von der Dokumentationsstätte Regierungsbunker in seiner Begrüßung ein. Der ehemalige Regierungsbunker wurde für einen kaum vorstellbaren Ernstfall geschaffen und sollte im Krisenfall Schutz und staatliche Handlungsfähigkeit gewährleisten. 

Nadine Kreuser, stellvertretende Vorsitzende des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr e. V., schlug in ihrer Einführung die Brücke zur hospizlichen Arbeit. Menschen in schweren Lebenssituationen zu begleiten bedeutet, ihnen mit Offenheit und Respekt zu begegnen, ihre individuellen Bedürfnisse wahrzunehmen und auch dann an ihrer Seite zu bleiben, wenn es keine einfachen Antworten oder Lösungen gibt. Gerade in Trauer, Abschied und existenziellen Krisen geht es darum, den Menschen und das, was für ihn in diesem Moment wichtig ist, in den Mittelpunkt zu stellen.

Als Notfallseelsorger hat Albi Roebke Menschen immer wieder in Momenten begleitet, in denen sich das Leben innerhalb weniger Sekunden grundlegend verändert. Eindrücklich berichtete er davon, was Betroffene dann brauchen. Hilfe, so wurde an diesem Abend deutlich, besteht nicht immer darin, Antworten zu geben oder Lösungen zu finden. Oft ist ein erster wichtiger Schritt, dem Betroffenen wieder ein Mindestmaß an Orientierung und eigener Handlungsfähigkeit zu ermöglichen. Roebke schilderte anhand konkreter Erfahrungen, wie wichtig es ist, Menschen in solchen Momenten nicht zu übergehen, sondern sie einzubeziehen: Was braucht dieser Mensch gerade? Was möchte er selbst entscheiden? Und wann ist es wichtiger, einfach da zu sein, zuzuhören und eine Situation gemeinsam auszuhalten?

Besonders berührend wurde der Abend, als Roebkes berufliche Erfahrung als Notfallseelsorger auf seine eigene Lebensgeschichte traf. Er kennt nicht nur die Perspektive des Helfenden, sondern auch die des unmittelbar Betroffenen: Seine Eltern und sein Bruder kamen bei einem Unfall ums Leben. Plötzlich war er selbst mit einem Verlust konfrontiert, der das eigene Leben in ein Davor und ein Danach teilt. Seine persönlichen Erfahrungen verliehen den Schilderungen eine besondere Tiefe und machten deutlich, wie individuell Menschen mit Trauer und traumatischen Erlebnissen umgehen.