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Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler
Ausgabe 44/2020
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Malu Dreyer würdigt das Projekt „Hand in Hand“

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (3.v.l.) mit den Pflegeexpertinnen.

Sie stehen hinter dem Projekt "Hand in Hand."

Horst Gies betonte die Wichtigkeit der kommunalen Gesundheitsversorgung.

Dr. Michael Berbig sieht eine verbesserte Versorgung chronisch Kranker.

Silke Doppelfeld (r.) und ihre Mitstreiterinnen stellten die Arbeit anhand von Beispielen vor.

Ministerpräsidentin forderte mehr Tempo bei Gesundheitsreformen

HEIMERSHEIM. TW. Offiziell war es die Auftaktveranstaltung zum Projekt „Hand in Hand“ im Kreis Ahrweiler, die am gestrigen Freitag in der Landskroner Festhalle in Heimersheim stattfand. Weil diese aber zwei Mal verschoben werden musste, läuft das Projekt bereits sieben Monate. Das Positive: die Gäste der Auftaktveranstaltungen, unten ihnen auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, konnten sich über Erfahrungsberichte aus erster Hand freuen. Denn das Team der Pflegeexperten-Centers mit Leiterin Silke Doppelfeld an der Spitze war komplett vor Ort. „Hand in Hand“ ist eine neue Versorgungsform mit dem Ziel der Verbesserung der hausärztlichen Versorgung durch die Unterstützung mittels geschulter Pflegefachkräfte.

„Das Besondere an diesem Projekt ist, dass sich ein Krankenhaus-Unternehmen, die Ärzteschaft und die Kostenträgerseite gemeinsam engagieren, um die niedergelassenen Ärzte zu entlasten und unnötige Krankenhaus-Einweisungen zu vermeiden. Es geht darum, dass ältere und chronisch kranke Menschen in ihrem vertrauten Umfeld gut versorgt werden“, so die Ministerpräsidentin. Dreyer betonte, dass die Menschen den Projektmitarbeitern viel Vertrauen entgegenbringen, sie wies aber auch auf neue Formen in der ärztlichen Versorgung hin: „Mit unterschiedlichen Modellen nutzen wir auch die Chancen der Digitalisierung und bringen die Telemedizin voran. Letztendlich brauchen wir eine Vielfalt von Ansätzen und das gemeinsame Engagement vieler Akteure. Dazu ist das Projekt Hand in Hand ein weiterer, wichtiger Baustein.“ Dreyer forderte in diesem Zusammenhang mehr Tempo bei der Umsetzung von Reformen im Gesundheitswesen.

Entwickelt und angetrieben wird das Projekt unter anderem von der Marienhaus Unternehmensgruppe, die zahlreiche Partner mit ins Boot holte. Der Vorsitzende der Marienhaus-Geschäftsführung, Heinz-Jürgen Scheid, ließ die lange Entstehungsgeschichte noch einmal Revue passieren und verschwieg nicht, dass man eigentlich im Saarland starten wollte, dort aber auf viel Widerstand stieß. Im Kreis Ahrweiler sei man dann auf eine hochinteressierte Ärzteschaft gestoßen.

Wie genau „Hand in Hand“ agiert, erläuterte Projektleiter Gunther Lauven, der die anfängliche Doppelbelastung der Pflegeexperten durch die Zusatzausbildung in Vallendar erwähnte. Dass man heute bestens mit Pflegeheimen oder Gemeindeschwestern plus vernetzt sei, sieht Lauven als deutliches Zeichen einer positiven Entwicklung: „Wir sind im März gestartet und haben dank des Ärztenetzes im Kreis von Doktor Michael Berbig und 20 anderen Ärzten mittlerweile 232 Patienten in unserer Obhut.“ Ziel seien jedoch 1.500 auszuwertende Patienten im Projekt, dass wissenschaftlich begleitet wird. Was Lauven betonte: „Patienten, Angehörige, Ärzte und Heime äußern sich allesamt zufrieden, ich habe noch keinerlei Klagen gehört.“

Darüber freuen sich auch das Team um Silke Doppelfeld, die die Arbeit der zehn Pflegeexperten vorstellte. Deren Säulen beinhalten neben der klinischen Überwachung der Patienten die Erfassung weiterer Versorgungsbedarfe inklusive der Koordination der Versorgung, die Förderung des Selbst- und Symptommanagements sowie die Beratung und Unterstützung pflegender Angehöriger. Pflegeexperten berichteten selbst über ihre erzielten Erfolge bei der Unterstützung der Patienten in ihrem vertrauten Umfeld.

Für die immer mehr in den Fokus rückende kommunale Gesundheitsvorsorge sprach der Kreisbeigeordnete MdL Horst Gies von der Aufgabe der Gewährleistung der Versorgung im ländlichen Raum und wies besonders auf die westlichen Teile des Kreises Ahrweiler hin. Auch der Vorsitzende des Ärztenetzwerks im Kreis Ahrweiler, Michael Berbig, wies auf die drohenden Engpässe der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum hin. Schon deshalb habe man die Unterstützung von „Hand in Hand“ sofort zugesagt. „Hier wird gute Arbeit geleistet und die Versorgung hat sich verbessert“, so Berbig.

Worum geht es bei HandinHand?

Die Zahl der älteren Menschen, die chronisch krank sind und deshalb von ihrem Hausarzt engmaschig betreut werden müssen, wächst stetig. Weil aber zugleich auch die Zahl der Hausärzte sinkt, haben diese immer weniger Zeit. Hier setzt das gemeinsam von Marienhaus und AOK Rheinland-Pfalz/Saarland initiierte Projekt an: Erfahrene Pflegekräfte besuchen die älteren Menschen in ihrem häuslichen Umfeld und unterstützen und entlasten so die Hausärzte.