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Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler
Ausgabe 48/2020
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Als die Kirche eine Fabrik war

Zwölf solcher "Wälzer" zu den Quellen der Stadtgeschichte von Ahrweiler hat Hans-Georg Klein verfasst. Jetzt ist das Werk vollendet.

Hans-Georg Klein stellte den zwölften Band der „Quellen zur Geschichte von Ahrweiler“ vor

AHRWEILER. TW. Was hat denn die Kirche mit der Verwaltung der Stadt zu tun? Tauchen im Haushalt von Bad Neuenahr-Ahrweiler Kirchenrechnungen auf? Keineswegs. Früher war das anders, da waren Kirche und Stadt eng verzahnt. Und so beschäftigte sich Hans-Georg Klein, Autor, Heimatforscher und Vorsitzender des Heimatvereins Alt-Ahrweiler in seinem zwölften Werk der „Quellen zur Stadtgeschichte von Ahrweiler“ mit den Kirchenrechnungen der Stadt Ahrweiler. Damit ist das Dutzend an Werken zu den Quellen der Stadtgeschichte voll. 9.105 Seiten sind in 22 Jahren erschienen, für die Klein rund 35.000 Seiten zugrunde lagen. „Oftmals in einer Sauklaue geschrieben, dass sie kaum zu entziffern waren“, stellte er abschließend fest. Klein kann heute mit Stolz auf sein Schaffenswerk zurückblicken. Dass es in Ahrweiler ein Quellenwerk gebe, wie dieses keine andere rheinische Stadt ihr Eigentum nennen dürfe, hatte der renommierte Professor Klaus Fink und Freund von Klein bereits im Jahr 2003 festgestellt. Und da war gerade erst der dritte Band in Arbeit.

Und wie war das nun mit den Kirchen? Bis etwa im Jahr 1800 war es so, dass die Stadt für die meisten Ausgaben, die für eine Pfarrkirche anfielen, aufkommen musste. Nur die Bezahlung von Pastor, Kaplan und Vikaren fiel nicht darunter, jedenfalls nicht komplett. Diese Kommunalisierung der sogenannten „Kirchenfabrik“ begann im 14. Jahrhundert, vorher war es Aufgabe des Kirchenherrn gewesen, für den Betrieb der Kirche zu sorgen. In Ahrweiler musste also zunächst das Kloster Prüm für Unterhalt und Betriebskosten von St. Laurentius auskommen. Das aber änderte sich, bereits im Jahr 1356 ist ein sogenannter Kirchenmeister in Ahrweiler nachgewiesen, in der Folge ist zunächst immer von zwei Kirchenmeistern die Rede. Es war zwar ein sogenanntes „verdrieslich Amt“, galt es doch unter anderem Zinsen einzutreiben, viele der Kirchenmeister ließen sich jedoch über mehrere Jahre wiederwählen, der stadtbekannte Konrad Houverath war sogar vier Jahre Kirchenmeister. Sie übernahmen Kosten für Reparaturen, Beleuchtung oder Ausstattung der Kirche. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts gab es dann nur noch einen Kirchenmeister, ein städtischer Beamter ohne große Befugnisse, dessen Hauptaufgabe in der Beitreibung bestand. In Ahrweiler waren das die Zinsen von 115 Objekten, dazu kamen 45 verschiedenen Pensionen, also Zahlungen für entliehene Kapitalien. Weitere Einnahmen bestanden aus Wein und Korn, hatte die Kirchenfabrik doch etliche Weinberge und Felder.

Und was geschah mit den Einnahmen? Zu den regelmäßigen Ausgaben zählten die Gehälter für die Kirchenbediensteten, Schulmeister, Glöckner oder Organist. Pfarrer, Kaplan und Vikare standen zwar nicht auf der städtischen Gehaltsliste, für das Zelebrieren der sogenannten Ratsmessen, die jeder Ratssitzung voranstanden, wurden sie aber dennoch aus dem Stadtsäckel entlohnt. Die höchsten Ausgaben verschlangen die Kosten für die Gottesdienste, vor allem für den Kerzenbrand. Zudem mussten Weihrauch, Öl oder Salz gekauft werden, Reparaturen und Anschaffungen an Messgewändern oder -utensilien fielen an. Aber auch die Prozessionen kosteten Geld, kein Fahnen-, Rauchfass- oder Baldachinträger tat dies umsonst, das Ehrenamt war noch nicht erfunden, alle hielten die Hand auf. Schließlich wurden noch Beisteuern für die großen Wallfahrten fällig. Und gefeiert wurde auch – zu Lasten der Stadtkasse.

Viele weitere Informationen zu Kosten für Katechismusunterricht, Sonderausgaben nach dem Stadtbrand im Jahr 1689 und Einnahmen aus dem Zehnten und wie man sich davor drückte, sind auf den 860 Seiten des zwölften Bandes zu den Quellen der Stadtgeschichte von Ahrweiler nachzulesen. Nur die Krämerbruderschaft, oder auch Dreifaltigkeitsbruderschaft mit ihrer fünfstelligen Mitgliederzahl, von der immer wieder Rechnungen auftauchten, ist Hans-Georg Klein weiterhin ein Rätsel. Ende des 19. Jahrhunderts verlieren sich die Spuren dieser Bruderschaft. „Dabei spielt vermutlich der Trierer Generalvikar Philipp de Lorenzi eine unrühmliche Rolle“, so Klein.

Für den Heimatforscher endet die Arbeit mit dem 12 Quellenband nicht. Das nächste Buch „Summa summarum“ fast die wichtigsten Punkte der zwölf Bände zusammen. Es ist bereits fertig geschrieben und wird derzeit grafisch bearbeitet.

Drei Bände sind vergriffen

Das neue Buch „Quellen zur Stadtgeschichte von Ahrweiler, Band 12“ mit dem Untertitel „Die Kirchenrechnungen der Stadt Ahrweiler“ ist rund 860 Seiten stark. Das vom Heimatverein Alt-Ahrweiler subventioniere und herausgegebene Werk kann zum Preis von 28 Euro in der Buchhandlung am Ahrtor (Ahrhutstraße 11, Ahrweiler) erworben werden. Von den erschienenen zwölf Bänden sind drei ausverkauft, sie sind auf der Seite des Heimatvereins Ahr-Ahrweiler online lesbar: www.alt-ahrweiler.de .