Titel Logo
Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler
Ausgabe 48/2020
Hauptthemen
Zurück zur vorigeren Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Zahlreiche Blindgänger werden noch vermutet

Die Kampfmittelbelastungskarte weist den aktuellen Fundort aus als Blindgängerverdachtspunkt aus.

In Paul Krahforst‘s Buch „Bomben auf Ahrweiler“ ist dieses Bild zu finden. Es zeigt Bombentrichter rund um den Ahrweiler Bahnhof.

Stadt hatte schon 2018 flächendeckende Luftbildauswertung über existierende Kampfmittel beauftragt

AHRWEILER. TW. Der Bombenfund im Jahr 2017 nahe dem Ahrtor, jetzt der Fund in Bahnhofsnähe. Wie viele Kampfmittel aus dem zweiten Weltkrieg verstecken sich noch in den Böden der Kreisstadt? Aufgrund der vielen Baumaßnahmen im Stadtgebiet wurde seitens der Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler im Jahr 2018 eine flächendeckende Luftbildauswertung über mögliche existierende Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg beauftragt. Seit dem vergangenen Jahr liegen die Ergebnisse vor.

Die heutige Kreisstadt war während des Zweiten Weltkrieges 52 Mal Ziel alliierter Luftangriffe. Insgesamt 155 Menschen verloren ihr Leben. Hauptangriffsziele waren die durch das Ahrtal verlaufenden Bahnstrecken und Eisenbahnbrücken, aber am Kriegsende auch der Bereich des Ahrtores. Zeitzeugen vermuteten damals, dass ein im Torbogen des Ahrtors stehender Radarwagen der Wehrmacht das Angriffsziel war. Hier gingen allein am 29. Januar 1945 210 Sprengbomben vom Typ 500 lb GP mit Aufschlagzünder ein. An diesem Tag wurden in Ahrweiler 85 Zivilisten, davon 35 Frauen und 18 Kinder unter 14 Jahren, sowie mehrere Soldaten getötet. Wenige Wochen zuvor, am Heiligabend 1944, waren bei einem Bombenangriff in Bachem 14 Menschen getötet worden.

Zur jüngsten Prüfung auf existierende Kampfmittel wurden durch ein Fachbüro Unterlagen zum Zweiten Weltkrieg systematisch auf folgende Verursachungsszenarien untersucht: Luftangriffe, Bodenkämpfe, Munitionsvernichtung, militärischer Regelbetrieb, Munitionsproduktion und -lagerung. Dazu zählen unter anderem Blindgängerverdachtspunkte, Bombentrichter, bombardierte Flächen, Gebäudeschäden, Spuren von Bodenkämpfen, militärisch genutzte Areale oder potentielle Entsorgungsbereiche.

Das Ergebnis zeigt: auf etwa einem Drittel der untersuchten Fläche, bei der es sich im Wesentlichen um die bebauten Flächen des Stadtgebietes handelt, besteht die Möglichkeit, auf Bombenblindgänger zu stoßen. Die Ergebnisse sind sowohl in einem Bericht festgehalten, als auch in Karten abgebildet. Insgesamt konnten 24 Blindgängerverdachtspunkte, 881 Bombentrichter sowie 32 bombardierte Flächen und 284 zerstörte Gebäude erfasst werden. Innerhalb der Kampfmittelverdachtsfläche von 50 Metern um ermittelte Bombardierungen ist mit Bombenblindgängern zu rechnen. An der Bahnhofstraße hat sich nun ein erster Verdacht bestätigt.

Im Jahr 1995 veröffentlichte Paul Krahforst das Buch „Bomben auf Ahrweiler.“ Hierin ist unter anderem eine Luftbildaufnahme des Bereichs rund um den Ahrweiler Bahnhof zu sehen, die Dutzende von Bombentrichter zeigt, welche bei einem Angriff am 23. Dezember 1944 entstanden. Auch dieses Bild wurde für die Kampfmitteluntersuchungen zurate gezogen.