Titel Logo
Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler
Ausgabe 48/2020
Wirtschafts-Info
Zurück zur vorigeren Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Lockdown trifft Tourismusbrache hart

Sorgen und Nöte besprachen (v.r.) Kerstin Wegen, Oliver Piel, Leonhard Pinger, Christian Dübner, Dagmar Lorenz und (nicht im Bild) Bernd Greulich.

IHK-Tourismusreferent Christian Dübner hörte sich Sorgen und Forderungen an

WALPORZHEIM. TW. Dagmar Lorenz ist Mitglied im Tourismusausschuss im Kammerbezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz. Die Unternehmerin aus Walporzheim bezeichnete es als „schwärzesten Tag ihres Lebens“, als der Lockdown vom März über sie und ihr Hotel hereinbrach. Seither ist viel passiert, ein für die meisten Hotels und Gastronomen außerordentliche erfolgreicher Sommer folgte. Aber nun sind wieder alle Gaststätten, Restaurants und für Touristen auch Beherbergungsbetriebe geschlossen. Die Bundesregierung will betroffene Unternehmen entschädigen, die Novemberhilfen sollen drei Viertel des Vorjahresumsatzes betragen. Nur: wann kommen die Gelder? Die IHK hat eine schnelle Auszahlung gefordert. Aber wie sieht es in den Betrieben aus, wo sind die Nöte am größten? Gemeinsam lud Dagmar Lorenz mit Bernd Greulich betroffene Unternehmer nach Walporzheim ein. Gemeinsam mit dem IHK-Tourismusreferenten Christian Dübner hörte man sich Sorgen und Forderungen an.

Das Hotel Pinger gleich am Remagener Bahnhof ist seit mehr als 80 Jahren Anlaufpunkt vor allem für Gruppen aus dem europäischen Ausland. Vor allem Briten, aber auch Urlauben aus den BeNeLux-Ländern steigen hier ab. Leonhard Pinger bietet 48 Zimmer an, dazu sechs Ferienwohnungen. „Das Gruppengeschäft ist komplett weggebrochen“ berichtet er. Gerade mal zwei Busse mit jeweils um die 20 Gäste seien seit dem ersten Lockdown vorgefahren. „Reiseveranstalter benötigen Vorlauf“, weiß Pinger. Gerade bei den sich ständig ändernden Gegebenheiten ist hier aktuell nichts möglich, der neuerliche Lockdown gab sein Übriges dazu. „Wir haben bis Ostern geschlossen“, so die Konsequenz, nachdem doch im Sommer dank der dringenden Empfehlung an die Deutschen, Urlaub im eigenen Land zu machen, alles so gut lief. Soforthilfe im Frühjahr erhielt Pinger, die aktuelle Novemberhilfe habe sein Steuerberater wegen Überlastung noch nicht beantragt.

Ruhig geworden ist es auch im Jugendgästehaus der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, berichtete Oliver Piel. Immerhin kommen ab und zu Geschäftsreisende oder Schüler aus dem Blockunterricht, um zu übernachten. Beim ersten Lockdown hatte man eh nicht geöffnet, es wurde renoviert. Aber jetzt fragt Piel sich, warum es Schulbetrieb gebe, aber keine Klassenfahrten. Der Advent sei gut gebucht gewesen, „aber dann kam der große Schreck.“ Piel fordert daher die Wiederaufnahme der Gruppenreisen in die Jugendherbergen.

Christian Dübner hörte sich die Forderungen der Unternehmen an, auch die von Kerstin Wegen aus Remagen. Sie ist besonders hart getroffen, organisiert Gruppenreisen für Gäste vorwiegend aus dem außereuropäischen Ausland. Viele Menschen aus den USA gehören zu ihrem Klientel. Auch aus Israel, wo es früh zum zweiten Lockdown kam. „Wir haben eigentlich seit März einen durchgehenden Lockdown zu verzeichnen, so die Remagenerin, die eine ganze Reihe von Forderungen aufstellte. Da sei zum einen die finanzielle Unterstützung der Regierung, die sie nicht erhalte, weil sie mit den geöffneten Reisebüros über einen Kamm geschert werde. Insofern fordert Wegen die differenzierte Betrachtung der Akteure. Aber auch die Tatsache, dass Tourismusverbände nicht in Entscheidungen, wie die über die jüngsten Beratungen zum Infektionsschutzgesetz eingebunden werden, hält die Unternehmerin für falsch. Wichtig sind ihr und den anderen Gästen der Diskussionsrunde aber in erster Linie die Forderungen nach einer wirtschaftlichen Perspektive für ihre Häuser und Gewerbe.