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Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler
Ausgabe 48/2021
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Niederhut feiert ihr Hutenfest seit 100 Jahren

Hutenmeister Michael Geschier (stehend, l.) und Chronist Elmar Schmitz (r.) berichteten aus der Vergangenheit der Niederhut.

Patronatsfest feiern in der Niederhut war nach der Flutkatastrophe vom Juli noch nicht möglich.

1921 rief Georg Geschier das Fest ins Leben. Enkel Michael kündigt Rücktritt als Hutenmeister an

MARIENTHAL. TW. 100 Jahre ist her, als Georg Geschier das Hutenfest der Ahrweiler Niederhut aufleben ließ. „Im Jahr 1921 wurde das Fest durch meinen Großvater wiederbelebt“, berichtete Enkel Michael Geschier, inzwischen 86 Jahre alt, am Katharinatag vergangenen Donnerstag. Seither wird das Fest zu Ehren der Schutzpatronin immer am 25. November begangen. Fast immer. Im Zweiten Weltkrieg dürfte das Hutenfest ausgefallen sein und auch die Corona-Pandemie ließ im vergangenen Jahr kein geselliges Treffen zu. Das eigentliche Ansinnen der vier Ahrweiler Hutengemeinschaften, nämlich die Seniorenarbeit, lässt man schon seit Beginn der Pandemie ruhen. Gerade für die älteren Menschen ist die Zusammenkunft zu Weihnachtsfeiern oder Seniorenfahrten im Augenblick zu gefährlich.

Und nun kam die Flut im Juli, mit ihr wurden alle gastromischen Betriebe im Bereich der Niederhut zerstört, noch hat keiner wieder geöffnet. Das Fest zum Jubiläum wollte man aber trotz Flut und Corona nicht gänzlich ausfallen lassen. Der Vorstand der Hutengemeinschaft ließ sich etwas einfallen. Kurzerhand wurden die, die dem Patronatsfest beiwohnen wollten, in einen Bus eingeladen und über zerstörte Ahrtaler Straßen nach Marienthal gebracht. Dort war das Weingut Kloster Marienthal von der Flutkatastrophe verschont geblieben und empfing die Festgesellschaft in ihren Räumen.

So viele „Niddehöde“ wir üblich waren es allerdings nicht, die sich auf die Bustour an die Ahr begaben. Rund zwei Dutzend Festgäste waren gekommen, darunter Vorstandsmitglieder und auch Junggesellen der „Niddehöde Jonge.“ Auf die Einladung an Ehrengäste aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft hatte der Hutenvorstand bewusst verzichtet, auch weil die Coronazahlen aktuell kein größeres Feiergeschehen zuließen.

Gekommen waren aber Pastor Jörg Meyrer und Organist Klaus-Dieter Holzberger. Also wurde die Festmesse, die beim Fest der Niederhut eigentlich in der Kapelle des „Klösterchens“, dem heutigen Seniorenheim St. Maria-Josef gefeiert wird, in die Räume des Klosters verlegt. Hier kam man anschließend noch für ein paar Stunden zusammen, statt üblicher Reden standen die Gespräche am Tisch im Vordergund. Als Hutenmeister Michael Geschier dann doch das Wort ergriff, hatte er neben dem Hinweis auf das 100-jährige Bestehen des Hutenfestes noch eine andere Überraschung parat. Geschier verkündete den Festbesuchern, dass er zeitnah vom Amt des Hutenmeisters der Niederhut zurücktreten wolle. Im kommenden Jahr steht er vier Jahrzehnte an der Spitze der Hutengemeinschaft, dann soll das Ruder in jüngere Hände übergehen. Das dürfte ein recht lautloser Wechsel werden, glaubt man dem aktuellen Hutenmeister. Der geht davon aus, dass es wohl nur einen Kandidaten für seine Nachfolge geben wird und dass der Wechsel im Rahmen einer Vorstandssitzung zu Jahresbeginn erfolgen wird. Wer die Geschicke der Hut künftig leiten soll, wurde am Patronatsfest noch nicht verraten. Auf alle Fälle nutzte Michael Geschier die Gelegenheit, um ein wenig Rückschau zu halten, und das über seine Amtszeit hinaus. Er erinnerte an frühere Zeiten mit dem Familienball im Hotel Drei Kronen zum Abschluss des Patronatsfestes. Geschier erwähnte außergewöhnliche Ereignisse im Bereich der Hut, wie das Jubiläum der Borromäerinnen, die Einweihung des Katharinaplatzes oder aber die Pflege der Elligkapelle. Das alltägliche Leben in der Hut mit seinen kleinen und großen Ereignissen wird seit 100 Jahren in einer Chronik niedergeschrieben.

Der aktuelle Chronist Elmar Schmitz nutzte die Gelegenheit des kleinen Patronatsfestes, um in den Presseberichten der beiden letzten Jahre zu blättern und dabei einen kleinen Überblick über das jüngste Geschehen zu geben. Da ging und um neue oder abgerissene Gebäude, um eröffnete und geschlossene Geschäfte und deren mögliche Jubiläen. Und um die Entschärfung einer Weltkriegsbombe. Schmitz erinnerte an Feierlichkeiten, wie das Fronleichnamsfest, das Maibaumstellen oder die Martinstage. Manches musste wegen der Pandemie abgesagt werden, anderes fand im kleineren Rahmen als üblich statt. Bis zum 14. Juli 2021. Da brach die Flutwelle über das Ahrtal herein. Seitdem ist alles anders. Die Katastrophe schrieb und schreibt heute noch ihre eigenen Geschichten. Eine davon handelte von der Statue der heiligen Katharina im Niedertor. Auch sie erlitt in der Nacht zum 15. Juli schwere Beschädigungen, blieb aber erhalten und wurde nicht von den Wassermassen mitgerissen. Nun hat der Vorstand der Hutengemeinschaft die Figur wieder hergerichtet, in diesen Tagen soll sie wieder ihren angestammten Platz einnehmen.