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Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler
Ausgabe 5/2021
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130 neue Mietwohnungen an der St. Pius-Straße

Insgesamt elf Gebäude umfasst das große Bauvorhaben in der St.-Pius-Straße

Im Erdgeschoss einiger Gebäude sind auch Arbeitsplätze geplant, die von den Bewohnern genutzt werden können.

Wohnungen sollen Anwohnern und Arbeitnehmern der Kreisstadt vorbehalten sein – Fertigstellung 2023 geplant – Drei-Gruppen-Kita und Tagespflege geplant

BACHEM. FD. Im Rahmen eines Pressetermins stellte die Stadtverwaltung am 27. Januar ein weiteres Wohnbauprojekt der Landesgartenschau vor, das dem Wohnungsmangel im Stadtgebiet – insbesondere auch im Bereich sozialer Wohnungsbau - entgegenwirken soll und das als wohl bislang einmaliges Objekt in Rheinland-Pfalz Vorlage für weitere Kommunen sein kann. Auf gut 12.000 Quadratmetern sollen im Bereich der Pius-Straße in unmittelbarer Nähe zur Erich-Kästner-Schule elf Mehrfamilienhäuser mit zusammen 130 Wohnungen entstehen, die Platz für bis zu 300 Mieter bieten können. Das Besondere daran: Die Wohnungen sollen nur für Mieter zur Verfügung stehen, die bereits heute im Stadtgebiet wohnen oder arbeiten, um so auch den Wirtschafts- und Wohnstandort zu fördern. Mit 27 Prozent sozialem Wohnungsbau (Mieter mit Wohnberechtigungsschein) liegt das Projekt dabei zwei Prozent über dem per Satzung bereits festgeschriebenen Anteil. Investor und späterer Betreiber des „St.-Pius-Quartiers“ wird die Basler Lebensversicherungs-AG sein; für die Projektentwicklung zeichnet die Plan 74 GmbH aus Neuwied um Geschäftsführer Peter Happ verantwortlich.

Der genaue Plan der Fläche, die im Verkaufspreis der Stadt 1,75 Millionen Euro für die Refinanzierung des neuen Hallenbades im TWIN bringt, sieht vor, dass die Gebäude um eine „Plaza“, also eine zentrale Grünfläche herum angeordnet werden. In den Gebäuden sind neben Wohnungen auch eine Bäckerei oder ein Kiosk, eine Tagespflege für Demenzkranke, aber auch Gemeinschaftsbereiche vorgesehen. In der Planung ist zudem ein Drei-Gruppen-Kindergarten.

Grundsätzlich sind zwei Gebäudetypen geplant, die sich trotz unterschiedlicher Gestaltungselemente als Einheit präsentieren. Der Typ „begrüntes Flachdach“ verfügt über ein Atrium im Innenhof, während der Typ „Kippdach“ durch Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach Energie in eine zentrale Versorgung einspeist. So soll das gesamte Quartier als zur energetischen Einheit werden. Insgesamt steht das Thema Nachhaltigkeit im Mittelpunkt der Planungen, die sich sowohl im Hinblick auf die Hybrid-Bauweise als auch Energieversorgung mit Fernwärmeanschluss an den Kriterien der Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen orientieren. So werden Aspekte wie Umweltauswirkungen, Lebenszykluskosten und die Ressourceninanspruchnahme berücksichtigt. Durch barrierefreie Ausgänge und die Einrichtung der Tagespflege-Einheit soll das Projekt zugleich inklusiv sein. Peter Happ erklärte, man sei bereits im Gespräch mit Sozialverbänden. Andreas Cordes vom Investor Basler Lebensversicherungs-AG stellte darüber hinaus so genannte „Smart Living“-Elemente, beispielsweise schlüsselloses Wohnen oder eine zentrale Paketstation, in Aussicht.

Zusätzlich zur Wohnfläche, die je Wohnung zwischen 40 und 135 Quadratmeter liegen wird, sind weitere Services im Bereich Mobilität geplant. Die Zusammenarbeit mit einer Car-Sharing-Firma für Mietwagen ist beschlossene Sache, außerdem sind Tiefgaragen und weitere Stellplätze für Privatwagen im Außenbereich vorgesehen.

„Es ist das größte Mietwohnprojekt seit Jahren auf städtischer Fläche“, fasst Bürgermeister Guido Orthen das Vorhaben zusammen, eine Aussage, der bei einem Gesamtinvestitionsvolumen zwischen 25 und 30 Millionen Euro wohl auch in finanzieller Hinsicht zutrifft. Für die späteren Bewohner sollen die Mietpreise später jedoch auf jeden Fall bezahlbar bleiben. Im Bereich sozialer Wohnungsbau sind die Preise durch das Land aktuell auf gut fünf Euro pro Quadratmeter begrenzt und auch in den übrigen Wohnungen werden sie laut Bürgermeister Orthen unter zehn Euro liegen. Bis es so weit ist, sind nach Baubeginn im Sommer 2021 ungefähr zwei Jahre Bauzeit erforderlich. Eines der Gebäude, das achtzehn Wohneinheiten und einen Arbeitsbereich sowie einen Nahversorger im Untergeschoss beinhaltet, soll zur Landesgartenschau 2022 bereits fertig sein, ebenso wie der Großteil der Straßenfront.

Bereits im Vorhinein waren die Pläne für die St.-Pius-Straße mit den Fraktionsvorsitzenden abgestimmt worden. Bürgermeister Orthen betonte vor allem die „Impulswirkung für andere mittelgroße Städte im Land, die ein Wohnungsbauproblem haben und gute Voraussetzungen für ihre Wirtschaft schaffen wollen“ und die Wichtigkeit, einen Gegenpol zum dominanten Eigentumswohnungsbau im Stadtgebiet zu schaffen und zugleich Klimazielen näher zu kommen. Christoph Kniel (CDU) bewertet das Projekt ebenfalls als „zukunftsweisend“ im Hinblick auf die langfristige Vermietung an Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Wolfgang Schlagwein begrüßt für B90/Die Grünen besonders den nachhaltigen Kurs als „durch die Bank die richtige Richtung“. Werner Kasel (SPD) ist ebenfalls erfreut darüber, dass die Stadt den Bau bezahlbarer Mietwohnungen vorantreibt und dabei auch Menschen mit niedrigem Einkommen berücksichtigt. Aus Sicht der FWG lobte Gregor Sebastian ebenfalls die Verfügbarkeit kleiner, bezahlbarer Wohnungen und Rolf Deißler begrüßte für die FDP neben den ökologischen Aspekten, dass der Wohnraum insbesondere Anwohnern und Arbeitnehmern der Kreisstadt vorbehalten sein soll. Der solvente Investor könne die Attraktivität der Stadt für weitere Unternehmen erhöhen, sich an vergleichbaren Projekten im sozialen Mietwohnungsbau zu beteiligen.