Titel Logo
Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler
Ausgabe 50/2020
Aktuelles
Zurück zur vorigeren Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Professor Johannes Geffert konzertierte im Augustinum

Professor Johannes Geffert

Ein Meister der Orgeltasten musizierte in der Simeonskapelle

BAD NEUENAHR.GW. Auch bei der zweiten Orgelandacht an der neuen Mayerorgel in der Seniorenresidenz Augustinum Bad Neuenahr galten strenge Hygiene- und Abstandsregeln. Die neue Mayer-Orgel wurde Ende August in der Simeonskapelle seiner neuen Bestimmung übergeben und eingeweiht. Ein Lichtermeer aus weißen Kerzen schmückte bei der Orgelandacht den Altar mit seinem Simeon-Triptychon, geschaffen von Walter Habdank. Nach den Begrüßungsworten von Pfarrer Johannes Küsel erklang von Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788) das Allegro - 1. Satz aus der Sonate D-Dur Wq 70,1. Der Organist Professor Johannes Geffert erklärte dazu: "Carl Philipp Emanuel Bach schrieb dieses Werk für die Prinzessin Amalie von Preußen, die jüngste Schwester von Friedrich dem Großen. Diese sehr musikalische Frau hatte sich eine Hausorgel in ihr Stadtschloss bauen lassen. Das Werk kennzeichnet einen Dialog. Sie hören ständig das Hin und Herr zwischen zwei Klangfarben. Da ist das robustere Hauptwerk, was sich sehr gerne zu Wort meldet, und dazwischen der leise Klang des Brustwerkes." Johannes Geffert wuchs in den Traditionen der Kirchenmusik auf. Nach Studien in Köln (Michael Schneider) und England (bei Nicolas Kynaston) wurde er 1974 Organist der Annakirche und Leiter des Bachvereins in Aachen (Gründung der Aachener Bachtage). 1980-1997 führte er das musikalische Erbe seines Vaters als Kirchenmusikdirektor an der Bonner Kreuzkirche fort. Langjährig wirkte er als Dozent an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf und von 1997 bis 2015 als Professor und Leiter der Abteilung evangelische Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Konzerte führen ihn an bedeutende Orgeln vieler Länder, seine CD-Aufnahmen werden von der Kritik hochgelobt. Jurortätigkeiten bei internationalen Orgelwettbewerben, Editionen insbesondere von romantischer Orgelmusik, aber auch das Spiel auf historischen Tasteninstrumenten unterstreichen seine künstlerische Vielseitigkeit. Geffert ist hon. Vice-President der englischen Organistenvereinigung AIO und Vorstandsmitglied des Beethoven-Hauses Bonn. Als Zwischenstück präsentierte Johannes Geffert eine Improvisation über "Wie soll ich dich empfangen". Von Alexandre Guilmant (1837-1911) spielte Geffert das bekannte "Tochter Zion, freue dich". Alexandre Guilmant hat dieses Werk zweiteilig vertont. Zunächst ein Dialog mit einem reizvollen Echo und daran schließt sich eine Fuge an. "Sie werden bemerken wie Stimme um Stimme hinzu kommt, immer mit einem charakteristischen Teil der Melodie. Ein Konzert der Stimmen untereinander mit dem Choral. Die Klangfarben steigern sich, es wird lauter und zum Schluss hören Sie die ganze laute Orgel", so Geffert in seinen Erläuterungen. Tochter Zion ist ursprünglich ein Stück von Georg Friedrich Händel aus seinem Moratorium "Judas Maccabaeus". Johann Christoph Friedrich Bach (1732-1795) hat zeitlebens in Bückeburg gelebt und folgte um die Jahreswende 1749/50 als gerade Achtzehnjähriger dem Ruf, als „Hochgräflich Schaumburg-Lippischer Cammer-Musicus“ am Hof in Bückeburg in Dienste zu treten. Von ihm spielte Geffert "12 Variationen über ‚Morgen kommt der Weihnachtsmann". Der französische Komponist Renaud de Vilbac (1829-1884) hat das stimmungsvolle, zarte und meditative Stück über den Advent, eine Zeit der Besinnung, " Offertoire pour le temps de l'Avent" geschrieben. "Wunderschöne und harmonische Klänge", so die Einschätzung Gefferts in seinen Erläuterungen. Mit Carl Philipp Emanuel Bachs (1714-1788) - Allegro assai - 3. Satz aus der Sonate D-Dur Wq 70,1 ging die zweite Orgelandacht in der Simeonskapelle zu Ende. Die Orgelandachten in der Simeonskapelle werden fortgeführt wie Johannes Küsel auf Nachfrage bestätigte. Gäste von außerhalb sind während der Corona-Beschränkungen nicht zugelassen.