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Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler
Ausgabe 51/2020
Aktuelles
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Achsbruch am Himmel

Wie der große Wagen zu den Sternen kam

Zugegeben, der Nikolaus hatte seinen großen Wagen ziemlich vollgeladen. Edeltraud, seine Frau, schimpfte deswegen mit ihm.

„Du hast viel zu viel draufgepackt, nachher verlierst du unterwegs die Hälfte!“, rief sie über den Hof, als er mit einer roten Leine alle Pakete festzurrte.

„Alte Meckerliese“, brabbelte er in seinen weißen Bart, aber so leise, dass es der liebe Gott nicht hören konnte. Und Edeltraud natürlich auch nicht. Denn sie war eine gute Frau, kochte die beste Kürbissuppe, die man sich vorstellen konnte. Und kratzte ihm den Rücken, genau da, wo man selbst nicht hinkommt und wo es immer am meisten juckt.

Er spannte seine alte Kuh vor den Wagen. Emma, so hieß die Kuh, stand normalerweise im Stall und gab Milch. Aber einmal im Jahr musste sie raus, um den Nikolauswagen zu ziehen. Sie stöhnte schon, als sie die schwere Last sah. Dann ging Nikolaus zu Edeltraud, er gab ihr ein Küsschen und fuhr mit einem „Wird schon gehen“ davon. Ging aber nicht.

Anfangs schon. Emma musste sich zwar mächtig anstrengen, aber dann kam der Wagen so richtig ans Rollen. Die ersten paar Kilometer am Himmel verliefen noch ohne Zwischenfall. Doch dann fiel Emma eine Sternschnuppe vor die Hufe und sie erschreckte sich so, dass sie scheute, der Wagen kam ins Schleudern und kippte um. Rumms, da lag der Nikolaus und mit ihm alle Pakete, die runtergefallen waren. Der Nikolaus ärgerte sich. Am meisten darüber, dass Edeltraud mal wieder recht behalten hatte.

Doch als er den Wagen untersuchte und feststellte, dass eine Achse gebrochen war, wich der Ärger Ratlosigkeit. „Was mache ich jetzt bloß? So kann ich auf keinen Fall weiterfahren. Und wenn ich hier mit meiner ganzen Fracht liegen bleibe, kriegen die Kinder am 6. Dezember keine Geschenke, das geht einfach nicht.“

Nun habt ihr mit Papa und Mama vielleicht auch schon einmal eine Autopanne gehabt. Da ruft man „die gelben Engel“. Das sind aber gar keine Engel, sondern nur Kfz-Mechaniker in gelben Autos, die dann kommen und helfen. Im Himmel ist das sogar noch einfacher. Da ruft man die richtigen Engel zur Hilfe. Das tat auch der Nikolaus und eine ganze Schar kam angeflogen. Gemeinsam beratschlagten sie, was zu tun sei. Nun befand sich der Nikolaus auf seinem Weg genau über Spitzbergen. Und als die Engel runter schauten auf die Erde, kam ihnen gleich eine tolle Idee.

„Wir nehmen einen Schlitten! Davon stehen da unten genügend rum und die laufen auf ihren Kufen ohnehin schneller und leichter als ein Wagen.“

Gesagt, getan. Die Engel hievten also einen Schlitten aus Lappland nach oben und luden die ganze wertvolle Fracht um. Emma weigerte sich allerdings standhaft, so ein Fahrzeug zu ziehen, das keine Räder hatte. Deshalb beschloss man, sie hierzulassen. Erst stellte man sie ganz sanft unten auf die Erde. Dann verpasste man ihr noch ein paar größere Hörner, damit sie sich in der fremden Umgebung besser zur Wehr setzen konnte. Weil man damit den vielen Schnee zur Seite schieben kann, sagt man auch Schaufeln dazu. Seit diesem Tag gibt es in Skandinavien diese Kühe mit Geweih, die nennt man Elche. Nur – wer sollte jetzt den Schlitten ziehen? Die Engel blickten noch einmal nach unten und entdeckten einige Tiere, die da rumrannten.

„Die rennen aber so schnell“, wandte der Nikolaus ein, „das ist nichts für einen älteren Herrn wie mich.“ Auch da hatten die Englein wieder einen tollen Einfall. „Wir nehmen den Renntieren einfach ein ‚n‘ weg, dann sind es nur noch Rentiere und die sind langsamer.“

Anfangs war der Nikolaus etwas skeptisch, als vor seinen neuen Schlitten sechs dieser Rentiere gespannt wurden.

Er fuhr los, zunächst etwas vorsichtig, merkte aber bald, wie elegant und sicher die Rentiere zogen. Und als sich der Schlitten mit Schwung in die erste Kurve legte, jauchzte der Nikolaus vor Freude. Das war doch was anderes als mit der alten Emma. Da würde seine Edeltraud staunen, wenn er erst wieder zu Hause war.

Ja, und was ist mit dem großen Wagen passiert, bei dem die Achse gebrochen war? Der blieb einfach da oben am Himmel liegen. Fragt mal eure Eltern. In klaren Nächten kann man ihn am Firmament stehen sehen.

Verlag: Books on Demand (BoD)

Erscheinungsdatum: 18.11.2019

Sprache: Deutsch

Das Buch kann portofrei direkt beim BoD-Buchshop bestellt werden.

https://www.bod.de/buchshop/catalogsearch/result/?q=das+krippen+casting

Printversion 76 Seiten

ISBN: 9783749465842

Preis 4,90 Euro

E-Book

ISBN 9783750445734

3,49 Euro

Gregor Schürer

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