Titel Logo
Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler
Ausgabe 6/2026
Hauptthemen
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Landtags-Kandidaten ohne Wahlkampfreden

Hutenvorstand und Gäste beim Fest der Adenbachhut.

Beim Hutenfest der Adenbachhut standen der Wiederaufbau und eine andere Personalie im Blickpunkt

AHRWEILER. TW. Dass zwei Bewerber um die Mitgliedschaft im rheinland-pfälzischen Landtag anlässlich einer Veranstaltung aufeinandertreffen, beide ans Mikrofon treten und kein Wort von Wahlkampf zu hören ist, ist eher außergewöhnlich. So geschehen beim Hutenfest der Ahrweiler Adenbachhutgemeinschaft am Samstagmorgen im Hotel Zum Stern. Da stehen offensichtlich andere Dinge im Vordergrund. Kreisstadt-Bürgermeister Guido Orthen, der nicht mehr zur Wiederwahl antritt und für die CDU ins Rennen um den Sieg bei der Landtagswahl im hiesigen Wahlkreis kämpft, besuchte in diesem Winterhalbjahr alle vier Ahrweiler Hutenfeste, um sich persönlich bei den Ahrweiler Bürgern aus dem Rathausamt zu verbschieden. Ihm oblag es dabei, auch der Gemeinschaft der Adenbachhut und damit den rund 100 Frühschoppenbesuchern eine Art Rechenschaftsbericht der Stadtverwaltung abzugeben. Geprägt war dieser knapp fünf Jahre nach der Flutkatastrophe einmal mehr vom Wiederaufbau der kommunalen Liegenschaften und der Infrastruktur. Und da sprach Orthen Klartext, wie er das bei den Hutenfesten zuvor auch schon getan hatte. Zwar sei man schon weit mit dem Wiederaufbau der wichtigsten Einkaufsstraßen beider Stadtteile, aber: „Die Straßenbaustellen wurden noch gar nicht richtig begonnen.“ Soll heißen: Sperrungen, Staus und Umleitungen werden das Leben in Bad Neuenahr-Ahrweiler über Jahre bestimmen. Am Marktplatz wird ebenfalls gebuddelt, hier sorgen demnächst neue Infrastrukturanschlüsse für mehr Barrierefreiheit insbesondere bei Veranstaltungen. 2027 soll es so weit sein. Am Markt soll auch der Brunnen wieder zum Laufen gebracht werden, eine komplexe Aufgabe. Zudem werde im Bereich der Adenbachhut die WC-Anlage am Stadttor durch einen Neubau ersetzt und das Tor wieder erleuchtet. Fertig seien immerhin bereits wichtige Dinge wie die Marktgarage, aber auch der Ahrtorfriedhof.

Landtagskandidat Thomas Meyer vertrat an diesem Hutenfest den Ahrweiler Ortsbeirat, auch ihm ist die Umgestaltung des Ahrweiler Marktplatzes wichtig. Meyer sprach zudem die Sicherheit bei Festivitäten an, die der Ortsbeirat jüngst zum Thema hatte. Einen Wunsch hatte er ebenfalls: die Junggesellen der Adenbachhut mögen doch zum Schützenfest wieder mit einem eigenen Zug aufziehen. Meyer lockte die Junggesellen und stellt eine Bierspende in der Rotweinmetropole in Aussicht. Denn schließlich jähre sich ein eigener Zug der „Addemech“ in diesem Jahr zum 50. Mal. Seinerzeit war auch Bernd Koll dabei, der leitete am Samstag letztmalig als Hutenmeister den Frühschoppen des Patronatsfestes und gab den Vorsatz nach 27 Jahren an der Spitze an seinen Sohn Markus weiter. Überhaupt wurde der Vorstand verjüngt. Neuer stellvertretender Hutenmeister ist nun Dennis Wohlgefahrt, neue Chronistin Alexandra Krautkrämer und neuer Schatzmeister Christian Münster.

Der bisherige Chronist Karl Heinen ließ es sich zuvor nicht nehmen, den Vortrag zum Jahresgeschehen mit seiner persönlichen Kritik an der Ausgestaltung der Laurentiuskirche nach der Flutkatastrophe zu verbinden. Das Gotteshaus habe seine Wärme verloren und sei zu einer Mehrzweckhalle mit abstraktem Konzept geworden, wetterte Heinen, konnte damit aber Pastor Jörg Meyrer nicht zu einer Antwort hinreißen. Meyrer warb dagegen für neue kirchliche Angebote, adressiert an immer noch traumatisierte und belastete Menschen nach der Katastrophe des Juli 2021.

Während Burgundia Hannah Schooß sowie Vertreter der Ahrweiler Schützengesellschaften und der Karnevalisten sowie der Junggesellen der Adenbachhut mit weiteren Grußworten aufwarteten, verzichtete die Vorsitzende des Heimatvereins Alt-Ahrweiler, Ingrid Derra, auf solche. Sie konnte die Hutengemeinschaft dagegen traditionell mit einer üppigen Zuwendung des Heimatvereins erfreuen.