Für den Kreisel an der Kölner Straße gibt es eine Gestaltung mit einem Brunnen, die Great Birkin Bag wird wohl eher keinen solchen Platz finden.
BAD NEUENAHR-AHRWEILER. TW. Den Kunstliebhaber wird es freuen, Flutbetroffene eher weniger: Immer mal wieder taucht im Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler ein Objekt auf, dass vor einigen Jahren angeschafft wurde und dass ein kunstvoller Hingucker sein soll: die „Great Birkin Bag“, eine Skulptur des Pop-Art-Künstlers Heiner Meyer. Dargestellt ist eine überdimensionale Handtasche, rund zwei Meter breit und 2,30 Meter hoch. Mit derartigen Kunstwerken will Meyer gesellschaftliche Werte aufgreifen und sinnbildlich Konsumkultur und Markenidentität thematisieren. Seit ihrer Anschaffung ruht die überdimensionale Tasche aus Cortenstahl irgendwo auf dem Bauhof im Lager der Stadt, ordentlich verpackt und sicher gegen jede Art von Beschädigung. Nur im Stadtbild zu sehen ist sie nicht. Das brachte nun die AfD-Fraktion auf den Plan. Ihr Antrag: Die Skulptur möge doch auf dem Verkehrskreisel unweit der Berufsbildenden Schulen in Bad Neuenahr installiert werden. Jüngst war dort erst mangels Mehrheit der Versuch gescheitert, das Fragment der flutzerstörten Maria-Hilf-Brücke zu installieren, um es in schöner Regelmäßigkeit von den Malerklassen neu und bunt gestalten zu lassen. Nun der Vorstoß der AfD, die vorsorglich einen zweiten Antrag stellte und die Skulptur beim Scheitern des Aufstellvorschlags versteigern möchte. „Zur Haushaltskonsolidierung trage das angesichts des Millionendeltas im aktuellen Haushalt wohl kaum bei, reagierte Bürgermeister Guido Orthen, dessen Verwaltung aus den AfD-Anträgen einen Tagesordnungspunkt machte, der sich generell mit der Gestaltung der städtischen Verkehrskreisel beschäftigen sollte.
Diskutiert werden sollte über neun Kreisel, einige ungestaltet, andere mit Blumen bepflanzt und einer noch gar nicht gebaut. Am Niedertorkreisel ist keine Gestaltung möglich, am Silberberg und an der Kölner Straße gibt es bereits Themen. „Also wohin mit dem Ding“, fragte Orthen in die Ratsrunde und meinte die Skulptur. Hier holte vor allem Gregor Sebastian (FWG) weit aus, hielt ein Referat über Künstler Heiner Meyer und die Pop-Art-Szene. Am Ende meinte Sebastian, die Tasche gehöre nicht auf einen Kreisel, um für die Einkaufsstadt zu werben, sondern vielmehr in den Skulpturenpark im Kurpark oder vor den Weißen Turm in Ahrweiler, auf dem sich vor einigen Jahren bereits Bananensprayer und Street-Art-Künstler Thomas Baumgärtel verewigte.
Annette Gies (CDU) möchte lieber erst ein Konzept für die Gestaltung aller Kreisel in der Kreisstadt besprechen, Werner Kasel (SPD) kann sich mit den Ideen von CDU und FWG anfreunden, Grüne und Linke lehnten alle AfD-Anträge an und Rolf Deißler (FDP) sieht den aktuellen Standort der Skulptur im Lager als derzeit besten Ort an. Letztlich sprach sich der Rat einstimmig und damit auch mit den Stimmen der antragsstellenden Fraktion dafür aus, das Thema der Kreisel und der Skulptur zu einem späteren Zeitpunkt zu beraten.