Titel Logo
Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler
Ausgabe 8/2022
Aktuelles - Heimatverein Alt-Ahrweiler
Zurück zur vorigeren Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Anmerkungen zur Kommunionbank der Pfarrkirche St. Laurentius

Kommunionbank mit originalem Schwung nach Innen (Bild vor 1945)

Heinz Grates - Kommunionbank mit Schwung nach Außen (Jetztzeit)

von Hans-Georg Klein – Teil 1

Zum künstlerisch wertvollen Inventar der St. Laurentiuskirche zu Ahrweiler gehört zweifellos die schmiedeeiserne Kommunionbank. Sie schließt den Chor in ganzer Breite der Kirchenhalle ab, in der Mitte ist sie stark eingeschwungen, mit höherer Gittertür, an deren Mittelstange das Zeichen MB A[NN]O 1779 angebracht sind. Die Seiten teilen Leuchterständer, die Zwischenfelder sind mit Rankenwerk ausgeschmückt, in Blatt- und Blütenkränzen befinden sich Reliefdarstellungen (z.B. Opferung Isaaks, Kain und Abel) und Heilssymbole (siehe unter anderem Fußnote 1)

Über die Entstehung dieses Schmuckstückes sind wir inzwischen durch neue Quellenfunde gut informiert:

In der Ratssitzung vom 10. Januar 1778 legt Pastor Kirpaul dem Rat verschiedene Abrisse für eine eiserne Kommunionbank zur Genehmigung vor. Sie soll 400 bis 500 rtlr kosten, wogegen eine hölzerne Kommunionbank schon für 200 rtlr zu haben sei. Nach langer Diskussion beschließt der Rat, bei zwei Gegenstimmen, die schmiedeeiserne Kommunionbank in Auftrag zu geben. Hermann Josef Mahlberg kommt in seiner Dissertation (siehe u.a. Fußnote 2) zum Schluss, dass der Aufriss der Kommunionbank von dem Baumeister Johann Georg Leydel (siehe unter anderem Fußnote 3) stammen muss. „Entwürfe für schmiedeeiserne Gitter stellten für die Arbeitsweise J.G. Leydels offenbar ein Charakteristikum dar, denn es finden sich in den repräsentativen Bauten Leydels zahlreiche Beispiele von hoher Qualität“ (siehe unter anderem Fußnote 4).

Leydel hat im Übrigen das Ahrweiler Pfarrhaus und die Stadtwache (sogenanntes Altes Rathaus) gebaut. Am 25. Januar vereinbarte der Rat mit dem Schlossermeister Johann Uhrmacher die Verfertigung der „nach beijgebrachtem Muster zu verfertigenden 96 Fuß langen Kommunionbank mit darin arbeitendem laubwerck und schwenckungen“, samt dem im Entwurf für die Türen vorgesehenen Kupfer und dem einzugießenden Blei, Kohlen und Eisen. Arbeit und Material wurden vom Rat aus Kirchenmitteln mit 460 rtlr cour vergütet (siehe unter anderem Fußnote 5). Uhrmacher wurde über seiner Arbeit krank. Wiederholt drohte ihm der Rat und verlangte die Fertigstellung der Kommunionbank. Schließlich starb der Meister, ohne sein Lebenswerk vollendet zu haben.

1)

Die Kunstdenkmäler des Kreises Ahrweiler, Seite 92, Düsseldorf 1938

2)

Insgesamt, Mahlberg, Hermann J., „Der Architekt und Bildhauer Johann Georg Leydel, Ein Beitrag zur rheinischen Architekturgeschichte des 18. Jahrhunderts“ Inaugrunal-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der philosophischen Fakultät der Universität zu Köln 1973. Mahlberg gilt heute als der führende Vertreter der Leydel-Forschung.

3)

Zu den Arbeiten Leydels im Ahrtal vgl. Hans-Georg Klein, „Die Spuren der Baumeister Leydel in Ahrweiler und Marienthal“ Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 2014, Seiten 158-163.

4)

Wie Fußnote 1, Seite 150.

5)

Stadtarchiv Ahrweiler A 220, Seite 120.

Fortsetzung folgt!