Liebe Aßlarer
die vergangene Woche war für unsere Feuerwehr Aßlar sehr ereignisreich. Besonders der schwere Lkw-Brand auf der A45 hat am vergangenen Montag und nochmals am Dienstag viele Einsatzkräfte über Stunden gefordert.
Um 15.53 Uhr ging die Alarmierung ein. Nur zehn Minuten später, um 16.03 Uhr, erreichte das erste Löschfahrzeug trotz der schwierigen Verkehrssituation die Einsatzstelle und begann mit der Brandbekämpfung. Der mit Müll beladene Lkw stand zu diesem Zeitpunkt bereits in Vollbrand. Wegen der Trockenheit mussten zusätzlich Böschungsbrände bekämpft werden. Mehr als 100 Einsatzkräfte waren vor Ort, die Feuerwehr selbst spricht von einem Großeinsatz.
Am Ende waren rund 120 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst, Betreuungszügen, THW, Autobahn GmbH und Bergungsunternehmen beteiligt. Rund 2.000 Fahrzeuge standen zeitweise im Rückstau. Etwa 2.500 Flaschen Getränke wurden an die Einsatzstelle gebracht und an Einsatzkräfte und Menschen im Stau verteilt. Auch die kurzfristige Versorgung mit Essen und Snacks über örtliche Geschäfte hat sehr gut funktioniert.
Und genau an dieser Stelle möchte ich einmal bewusst einen positiven Blick auf unser Land richten.
Wir sprechen häufig darüber, was in Deutschland alles nicht funktioniert, was zu langsam geht oder zu kompliziert geworden ist. An diesem Montag konnte man aber auch sehen, was funktioniert, wenn es darauf ankommt: Ehrenamtliche Feuerwehrleute verlassen innerhalb von Minuten ihre Arbeitsplätze und Familien. Polizei, Rettungsdienst, THW, Betreuungsdienste, Autobahn GmbH und private Unternehmen arbeiten Hand in Hand. Löschwasser wird organisiert, Menschen im Stau werden versorgt, ein ausgebrannter Lkw wird entladen und geborgen und noch in der Nacht beginnen die Arbeiten an der beschädigten Fahrbahn.
Rund 400 Quadratmeter Fahrbahndecke mussten erneuert und eine beschädigte Schutzplanke ersetzt werden. Bereits in der Nacht auf Mittwoch war die A45 wieder vollständig befahrbar.
Deutschland ist sehr leistungsfähig, wenn es darauf ankommt. Vielleicht sollten wir uns das manchmal auch öfter bewusst machen, anstatt immer nur darüber zu sprechen, was nicht funktioniert.
Mein großer Dank gilt deshalb allen, die an diesem Einsatz beteiligt waren. Besonders stolz bin ich natürlich auf unsere Feuerwehr Aßlar und die vielen Ehrenamtlichen, auf die wir uns auch in solchen außergewöhnlichen Situationen verlassen können.
Der Einsatz hat aber noch etwas anderes sehr deutlich gezeigt.
Die Einsatzstelle konnte aufgrund des Rückstaus auf der A45 praktisch nur über den Behlkopf erreicht werden. Die vorhandene Behelfszufahrt, über deren Zukunft wir seit Jahren diskutieren, war an diesem Tag von entscheidender Bedeutung. Auch unser Stadtbrandinspektor kommt in seiner Bewertung zu dem Ergebnis, dass ohne diese Zufahrtsmöglichkeit eine wirksame Brandbekämpfung erheblich verzögert worden wäre.
Und damit sind wir wieder bei einem Thema, das mich und viele Menschen in Aßlar schon lange beschäftigt.
Seit die Behelfsauf und -abfahrt am Behlkopf nicht mehr für den Verkehr zum und vom Abfallwirtschaftszentrum genutzt werden darf, fahren täglich rund 200 zusätzliche Lkw durch Aßlar, insbesondere über die Bechlinger Straße.
Für die Menschen dort ist das eine enorme Belastung. Und ausgerechnet jetzt kommt noch eine weitere hinzu: Seit diesem Montag wird die B 277 zwischen Ehringshausen und Werdorf grundhaft saniert und für voraussichtlich rund drei Monate voll gesperrt. Die offizielle Umleitung führt über die L 3052 und die L 3376 durch Kölschhausen, Niederlemp, Oberlemp und Bechlingen. Damit wird gerade die ohnehin schon stark belastete Strecke zusätzlich beansprucht.
Dass gleichzeitig wenige hundert Meter entfernt eine direkte Verbindung von der A45 zum Abfallwirtschaftszentrum vorhanden ist, die über viele Jahre genutzt wurde und die nun nicht mehr genutzt werden soll, ist für mich nur schwer nachvollziehbar.
Deshalb habe ich in der vergangenen Woche die Online-Petition „200 Lkw gehören nicht durch Aßlar - Behelfsabfahrt A45 Behlkopf wieder öffnen“ gestartet.
Meine Forderung ist dabei ausdrücklich nicht, dort eine allgemeine Autobahnanschlussstelle für jedermann zu schaffen. Ich wünsche mir eine kontrollierte Nutzung für den notwendigen Schwerlastverkehr zum und vom Abfallwirtschaftszentrum sowie selbstverständlich eine jederzeitige Nutzungsmöglichkeit für Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz.
Die Resonanz freut mich sehr: Bereits wenige Tage nach dem Start haben mehr als 800 Menschen die Petition unterschrieben.
Mit diesen Unterschriften möchte ich mich noch einmal an den neu ins Amt gekommenen Bundesverkehrsminister Steffen Bilger wenden. Land Hessen, Lahn-Dill-Kreis, Abfallwirtschaft Lahn-Dill und die Stadt Aßlar haben sich bereits gemeinsam für den Erhalt der Abfahrt eingesetzt und auch Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt. Ich möchte nicht akzeptieren, dass am Ende die Menschen in Aßlar dauerhaft die Folgen einer Entscheidung tragen müssen, obwohl aus meiner Sicht mindestens eine vernünftige Alternative vorhanden ist.
Der Einsatz am vergangenen Montag hat noch einmal sehr anschaulich gezeigt, welchen Wert die Zufahrt am Behlkopf haben kann. Für unsere Einsatzkräfte - aber eben auch für eine sinnvolle Verkehrsführung zum Abfallwirtschaftszentrum.
Wenn Sie unsere Forderung unterstützen, würde ich mich sehr freuen, wenn auch Sie die Petition unterschreiben und vielleicht auch Freunde, Bekannte oder Arbeitskollegen darauf aufmerksam machen.
Je mehr Menschen mitmachen, desto deutlicher können wir gemeinsam sagen:
200 zusätzliche Lkw gehören nicht durch Aßlar, wenn eine direkte Verbindung zur A45 vorhanden ist.
In diesem Sinne - kommen Sie gut durch die Woche