Liebe Aßlarer
am 1. September 2019 durfte ich mein Amt als Bürgermeister unserer Stadt Aßlar antreten. Das ist nun genau sieben Jahre her. Wenn ich auf diese Zeit zurückblicke, empfinde ich vor allem große Dankbarkeit. Es ist für mich auch nach sieben Jahren keine Selbstverständlichkeit, Bürgermeister unserer Stadt zu sein. Dass Sie mir im vergangenen Jahr erneut Ihr Vertrauen ausgesprochen haben und ich dieses Amt weiterhin ausüben darf, bedeutet mir sehr viel.
Als ich 2019 begonnen habe, konnte wohl niemand ahnen, welche Herausforderungen in den kommenden Jahren auf uns zukommen würden. Bereits wenige Monate später veränderte die Corona-Pandemie unser gesamtes Leben. Schulen und Kindertagesstätten mussten schließen, Veranstaltungen wurden abgesagt, Kontakte eingeschränkt und viele Entscheidungen unter großer Unsicherheit getroffen. Für die Stadtverwaltung, unsere Einrichtungen, die Feuerwehren, Vereine, Unternehmen und letztlich für uns alle war dies eine vollkommen neue Situation.
Kaum hatten wir die schwerste Zeit der Pandemie hinter uns gelassen, folgten der Krieg in der Ukraine, die Energiekrise und die Sorge vor einer Gasmangellage. Gleichzeitig kamen viele Menschen zu uns, die vor Krieg und Verfolgung geflohen waren und hier Schutz suchten. Auch diese Aufgabe haben wir gemeinsam angenommen - mit viel Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und großem ehrenamtlichem Engagement.
Heute stehen wir erneut vor einer gewaltigen Herausforderung. Die wirtschaftliche Schwäche in Deutschland trifft auch unsere Stadt mit voller Wucht. Gerade Aßlar ist durch seine starke Industrie besonders von der konjunkturellen Entwicklung abhängig. Die Gewerbesteuereinnahmen sind erheblich eingebrochen. Für das Haushaltsjahr 2025 mussten wir ein Defizit von rund neun Millionen Euro hinnehmen. Unsere Rücklagen, also die finanziellen Reserven, von etwa zehn Millionen Euro sind damit aufgebraucht. Für das laufende Jahr erwarten wir statt der ursprünglich eingeplanten 9,5 Millionen Euro nur noch etwa 4,8 Millionen Euro Gewerbesteuer.
Diese Zahlen können und dürfen wir nicht kleinreden. Sie werden uns in den kommenden Haushaltsberatungen schwierige Entscheidungen abverlangen. Wir werden sehr genau prüfen müssen, was weiterhin möglich ist, wo wir Prioritäten setzen und an welchen Stellen wir sparen müssen. Nicht jeder Wunsch wird sich erfüllen lassen - auch wenn er für sich genommen nachvollziehbar und berechtigt ist.
Die Aufgaben werden mehr, die Erwartungen steigen und die finanziellen Spielräume werden immer kleiner. Das Bürgermeisteramt ist dadurch in den vergangenen sieben Jahren sicherlich nicht einfacher geworden. Trotzdem übe ich es weiterhin sehr gerne und mit großer Überzeugung aus. Denn gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich, was eine Stadtgemeinschaft ausmacht.
Was mir Mut und Zuversicht gibt, ist die Erfahrung der vergangenen Jahre: Wir haben auch die bisherigen Krisen gemeinsam gemeistert. Mit engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Aßlar, die jeden Tag Verantwortung übernehmen. Mit den vielen Ehrenamtlichen in unserer Kommunalpolitik, unseren Feuerwehren, Vereinen und sozialen Einrichtungen. Und vor allem mit Ihnen - den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt.
Während der Corona-Zeit hatte sich im Internet der Hashtag #asslarstehtzusammen verbreitet. Das war mehr als nur ein schöner Satz. Es war Ausdruck einer Haltung, die unsere Stadt durch diese schwierige Zeit getragen hat. Genau diese Haltung brauchen wir jetzt erneut.
Wenn wir offen miteinander sprechen, einander zuhören, Verantwortung übernehmen und bei allen notwendigen Entscheidungen den Zusammenhalt unserer Stadt im Blick behalten, werden wir auch diese Herausforderung bewältigen.
Ich bin dankbar, seit sieben Jahren Bürgermeister unserer Stadt sein zu dürfen. Ich habe großen Respekt vor den Aufgaben, die vor uns liegen - aber ebenso großes Vertrauen in unsere gemeinsame Kraft.
Kommen Sie gut durch die Woche