Titel Logo
Asslar - Die Woche
Ausgabe 37/2026
Aus dem Rathaus wird berichtet
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Neues aus dem Rathaus

 

Liebe Aßlarer,

dass die Stadt Aßlar in diesem Jahr vor großen finanziellen Herausforderungen steht, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Ein wesentlicher Grund dafür sind äußere Entwicklungen, auf die wir vor Ort kaum Einfluss nehmen können. Die anhaltend schwierige Wirtschaftslage hat zu einem massiven Einbruch unserer Gewerbesteuereinnahmen geführt. Gleichzeitig steigen viele Ausgaben weiter an und die Aufgaben, die von den Kommunen erfüllt werden müssen, werden nicht weniger.

In den vergangenen Wochen haben ich, Mitglieder der Kommunalpolitik und auch Mitarbeiter der Stadt aus der Bevölkerung viele Rückmeldungen zu dieser schwierigen Situation erhalten. Dabei werden nicht nur Fragen gestellt, sondern es wird auch immer wieder Mut zugesprochen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ein Aßlarer brachte mir nun aus seinem Sommerurlaub einen Artikel aus einer Lokalzeitung mit. Allein diese kleine Geste habe ich auch als Zeichen des Zuspruchs verstanden, denn der Artikel sagt aus: Aßlar steht mit seinen Problemen nicht allein da.

Unter der Überschrift „Isny streicht seinen Weihnachtsmarkt“ wird darin über die finanzielle Lage der Stadt Isny im Allgäu berichtet. Isny ist von seiner Einwohnerzahl her durchaus mit Aßlar vergleichbar. Die bekannte Isnyer Schlossweihnacht soll in diesem Jahr zum letzten Mal stattfinden und ab 2027 aus finanziellen Gründen aus dem Veranstaltungsangebot gestrichen werden.

Mich hat dieser Bericht nachdenklich gemacht. Denn kommunale Haushaltsprobleme klingen zunächst häufig sehr abstrakt. Es geht um Gewerbesteuer, Umlagen, Defizite und Einsparungen. Was diese Zahlen für das Leben in einer Stadt tatsächlich bedeuten können, wird jedoch spätestens dann deutlich, wenn selbst langjährige Traditionen wie ein Weihnachtsmarkt nicht mehr finanziert werden können.

In den vergangenen Jahren haben wir zu Recht viel darüber gesprochen, wie Veranstaltungen sicher durchgeführt werden können. Zusätzliche Sicherheitsauflagen, Absperrungen, Sicherheitskonzepte und weitere organisatorische Anforderungen verursachen jedoch ebenfalls erhebliche Kosten. Umso ernster ist die Entwicklung, wenn Kommunen bald nicht mehr nur darüber diskutieren müssen, wie sie ihre Veranstaltungen absichern, sondern ob sie sich deren Durchführung überhaupt noch leisten können.

Für Aßlar und unsere Stadtteile gilt nach heutigem Stand: Eine Absage unserer Weihnachtsmärkte ist nicht beabsichtigt. Sie sollen auch in diesem Jahr wieder stattfinden. Das ist allerdings keineswegs selbstverständlich.

Allein die Personal- und Materialleistungen unseres städtischen Betriebshofs für die Weihnachtsmärkte schlugen im vergangenen Jahr mit rund 33.000 Euro zu Buche. Hinter dieser Zahl stehen viele Stunden Arbeit: Vorbereitungen, Transporte, Auf- und Abbau sowie zahlreiche organisatorische Tätigkeiten, die von den Besucherinnen und Besuchern später kaum wahrgenommen werden. All das leisten unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusätzlich zu ihren eigentlichen Kernaufgaben, obwohl auch dort die Anforderungen und die Arbeitsbelastung stetig zunehmen.

Deshalb möchte ich bereits heute ganz herzlich Danke sagen. Danke an die Kolleginnen und Kollegen unseres Betriebshofs, die mit großem Einsatz dafür sorgen, dass unsere Vereine unterstützt werden und viele städtische Veranstaltungen überhaupt stattfinden können. Dieser Einsatz verdient unsere Anerkennung und Wertschätzung.

Mein Dank gilt ebenso den Vereinen, den vielen Ehrenamtlichen, den Standbetreiberinnen und Standbetreibern sowie allen weiteren Beteiligten, die unsere Weihnachtsmärkte mit Leben füllen. Ohne dieses gemeinsame Engagement wären solche Veranstaltungen nicht möglich.

Wertschätzung zeigt sich aber auch darin, diese Angebote anzunehmen. Deshalb hoffe ich, dass wieder viele Menschen unsere Weihnachtsmärkte besuchen, an den Ständen einkaufen und gemeinsam einige schöne Stunden verbringen. Denn ein Weihnachtsmarkt ist weit mehr als eine Ansammlung von Buden. Er ist ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der Gemeinschaft - gerade in einer Zeit, in der gesellschaftlicher Zusammenhalt besonders wichtig ist.

Unsere finanzielle Lage wird uns weiterhin schwierige Entscheidungen abverlangen. Umso wichtiger ist es, sich immer wieder bewusst zu machen: Vieles, was das Leben in unserer Stadt bereichert, entsteht nicht einfach von selbst. Es braucht Geld, Material, Arbeitskraft, ehrenamtliches Engagement und viele helfende Hände.

Dass unsere Weihnachtsmärkte in diesem Jahr stattfinden können, ist deshalb keine Selbstverständlichkeit. Es ist eine gemeinsame Leistung, die unsere Wertschätzung verdient.

Danke dafür!

Ihr Bürgermeister
Christian Schwarz