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Asslar - Die Woche
Ausgabe 43/2026
Aus dem Rathaus wird berichtet
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Neues aus dem Rathaus

 

Liebe Aßlarer,

nach zwei Wochen Herbstferien melde ich mich mit „Neues aus dem Rathaus“ zurück. Die letzte Ausgabe liegt inzwischen drei Wochen zurück. Darin hatte ich über Eigenverantwortung geschrieben und zwei alltägliche Beispiele aufgegriffen. Der Text hat ungewöhnlich viele Reaktionen ausgelöst.

Einige schrieben mir: „Diese Welt, die Du beschreibst, würde mir auch gefallen.“ Ein Bürger bedankte sich dafür, dass die fehlende Eigenverantwortung einmal so klar angesprochen wurde. Solche Rückmeldungen haben mich gefreut. Sie zeigen mir, dass dieser Gedanke viele Menschen beschäftigt.

Es gab aber auch kritische Stimmen. Einige Menschen fühlten sich durch meine Beispiele persönlich getroffen oder hatten den Eindruck, ich würde ihre Anliegen kleinreden. Wenn mein Text so verstanden wurde, habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Dafür möchte ich mich entschuldigen.

Mir ging es bei beiden Beispielen um eine strukturelle Frage: Welche Verantwortung trägt der Staat beziehungsweise die Gemeinschaft - und welche Verantwortung bleibt bei jedem Einzelnen?

Ich bin froh und dankbar, in einem Land zu leben, in dem ich bewusst entscheiden kann, welche Orte ich aufsuche und welche Einrichtungen ich nutze. Wenn mir etwas nicht sicher oder nicht passend erscheint, kann ich für mich eine andere Entscheidung treffen. Das hat nichts mit Hochmut oder Gleichgültigkeit zu tun. Diese Freiheit ist ein großes Gut. Zu ihr gehört für mich die Verantwortung für das eigene Verhalten und die eigenen Entscheidungen.

Der Staat muss klare Regeln setzen, Sicherheit gewährleisten und berechtigte Hinweise prüfen. Er kann jedoch nicht jeden Ort für alle persönlichen Vorstellungen und jeden denkbaren Anspruch gestalten. Ein Leben ohne jedes Risiko kann er ebenfalls nicht versprechen.

Genau darüber habe ich auch beim Tag der Deutschen Einheit in unserer Partnerstadt Jüterbog in Brandenburg gesprochen.

Ein anderer Redner gab uns an diesem Tag einen Gedanken mit, über den ich noch länger nachdenken musste. Mit einem gewissen Augenzwinkern sagte er, das Klischee vom „Jammer-Ossi“ sei inzwischen nur noch die halbe Wahrheit. In den alten Bundesländern werde mittlerweile ebenfalls kräftig gejammert. Die allgemeine Unzufriedenheit scheine Ost und West heute besonders gut zu vereinen.

Ich musste darüber schmunzeln. Gleichzeitig steckt darin ein ernster Punkt.

Auch ich führe immer wieder Gespräche, in denen mir Menschen sagen, in Deutschland laufe alles schlecht. Wenn ich nachfrage, was genau gemeint ist, wird die Antwort häufig schon deutlich differenzierter. Oft geht es den Menschen persönlich gut. Trotzdem ist schnell der allgemeine Satz gefallen: In diesem Land funktioniert nichts mehr.

Natürlich haben wir große Probleme. Darüber müssen wir sprechen. Wir müssen Fehler benennen und bessere Lösungen finden. Wir sollten aber nicht jede schlechte Erfahrung und jedes einzelne Problem sofort auf unser gesamtes Land übertragen.

Im Sommer haben wir beim schweren Lkw-Brand auf der A45 erlebt, wie schnell und professionell unsere Feuerwehr, die Rettungsdienste und viele weitere Kräfte bei der Wiederherstellung der Fahrbahn gehandelt haben. Innerhalb kürzester Zeit waren Menschen zur Stelle, die Verantwortung übernommen haben. Auch das ist Deutschland.

Vielleicht sollten wir wieder öfter wahrnehmen, was funktioniert und etwas gelassener bleiben Und damit meine ich nicht, dass Gelassenheit bedeutet, Probleme zu ignorieren. Sie bedeutet, aus einem Problem nicht sofort ein Urteil über das ganze Land zu machen.

Ich würde mich freuen, wenn uns nicht die Unzufriedenheit vereint, sondern die Zuversicht, dass wir gemeinsam etwas bewegen können. Mit etwas mehr Eigenverantwortung, etwas mehr Vertrauen und manchmal auch einem positiveren Blick auf das, was um uns herum geschieht.

Ich hoffe, Sie hatten eine gute Zeit während der Herbstferien. Genießen Sie den mit großen Schritten kommenden Herbstanfang und kommen Sie gut durch die Woche.

Ihr Bürgermeister
Christian Schwarz