Am Dienstag, den 27. Januar 2026, haben Aßlarerinnen und Aßlarer am Mahnmal am Judenfriedhof der Millionen Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Anlass war der Holocaustgedenktag. In stillem Gedenken wurden Kränze niedergelegt.
Bürgermeister Christian Schwarz begrüßte Heinz Valentin, den Vorsitzenden des VdK, Pfarrer Martin Reibis, Vertreter der christlichen Kirchen sowie Nicolas Obitz von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Schwarz dankte allen Anwesenden für das Zusammenkommen.
Ein besonderes Augenmerk lag in diesem Jahr auf der neuen Plakette am Gedenkstein: Seit 1983 hatte dort eine Bronzeplakette gehangen, die im vergangenen Jahr von Metalldieben entwendet wurde. In Abstimmung mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft wurde nun eine neue Steinplatte angebracht. Sie soll, so Schwarz, weiterhin sichtbar an den Holocaust erinnern und mahnen.
Schwarz erinnerte an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar vor 81 Jahren und betonte die Bedeutung des Gedenkens auch mit Blick auf die lokale Geschichte: Auch in Aßlar und im Lahn-Dill-Kreis habe es jüdische Mitbürger gegeben, die während des NS-Regimes verfolgt wurden und nicht in einer Gemeinschaft leben konnten. Das Erinnern sei nicht Rückblick „in Schuld“, sondern Ausdruck eines Verantwortungsgefühls für die Zukunft: Spaltung und das Denken in „wir und die anderen“ hätten zu Hass und Gräueltaten geführt. Als Gegenpol nannte er gelebte Begegnungen, besonders durch die Pflege von Städtepartnerschaften im In- und Ausland.
Pfarrer Martin Reibis griff den Gedanken der Verantwortung auf und zitierte: „Ich bin nicht verantwortlich für das, was geschah aber dafür, dass es nicht wieder geschieht“ Er berichtete außerdem von einem Zeichen gelebter Solidarität: In der Schwesterngemeinde in Gießen wurde eine neue handgeschriebene Torarolle in Dienst genommen, nachdem die bisherige Leihgabe zurückgegeben werden musste. Die Torarolle sei das Zentrum des jüdischen Gottesdienstes und eine besondere Anschaffung. In Aßlar wurden dafür Spenden gesammelt, um einen Beitrag leisten zu können. Reibis hob die Bedeutung von Begegnung hervor: Man wolle Gemeinschaft teilen, auch bei Festen wie Chanukka, und gerade Jugendlichen Kontakte ermöglichen durch gemeinsame positive Erlebnisse.
Heinz Valentin stellte seine Ansprache unter den Leitspruch „Erinnern an gestern, Verantwortung für morgen“ und zitierte den früheren Bundespräsidenten Horst Köhler: Der Holocaust sei ein Zivilisationsbruch - „Es gibt keinen Schlussstrich.“
Nicolas Obitz lenkte den Blick auf die Sprache und die Inschrift am Mahnmal, insbesondere auf das Wort „Mitbürger“. Der Zusatz klinge zwar inklusiv, könne aber zugleich eine Unterschiedlichkeit markieren. Obitz regte an, über Fragen nachzudenken wie: Was macht einen Menschen zum Bürger - Pass, Religion, Wohnort? und wo liegt der Unterschied zwischen Bürger und Mitbürger? Zugleich rief er dazu auf, beim Gedenken auch die Gegenwart mitzudenken: Viele Nachkommen der Opfer lebten heute im Staat Israel, teils mit deutschen Pässen. Erinnerung müsse daher immer auch einen Bezug zur Verantwortung heute haben.
Die Gedenkstunde am Mahnmal machte deutlich: Das Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus bleibt ein Auftrag - als Mahnung gegen Ausgrenzung und als Einladung zu Begegnung, Respekt und Zusammenhalt.