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Man nehme sieben Gemeinden im ländlichen Raum, eine große Portion Ideenreichtum und Engagement und stelle sie auf ein wohl organisiertes Fundament: Schon hat man das Erfolgsrezept des Regionalforum Fulda Südwest e.V. Seit nunmehr 20 Jahren agiert das Regionalforum als eingetragener Verein für die regionale Entwicklung in Fulda Südwest und feierte am 3. Mai nun den Jahrestag seiner Vereinsgründung.
Die regionale Zusammenarbeit begann bereits deutlich früher. Schon 2023 konnte das 25-jährige Bestehen des Regionalforums als interkommunale Initiative gefeiert werden. Mittlerweile reichen die Wurzeln somit stolze 28 Jahre zurück: Mit dem informellen Zusammenschluss der sieben Gemeinden Bad Salzschlirf, Großenlüder, Hosenfeld, Neuhof, Eichenzell, Flieden und Kalbach als kommunale Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Regionalentwicklung im Mai 1998 fiel der Startschuss für die Regionalförderung in Fulda Südwest. Vorausgegangen waren intensive Abstimmungsprozesse und erste Initiativen in den Jahren ab 1994, insbesondere im Kontext von Förderprogrammen und der Lokalen Agenda 21.
Doch erst mit der Vereinsgründung 2006 wurde die vorausgegangene Zusammenarbeit auf eine verbindliche organisatorische Basis gestellt und damit auch der Grundstein für die Anerkennung als LEADER-Förderregion der EU gelegt. Ziel war und ist es bis heute, Projekte in den Bereichen Wirtschaft, Tourismus, Kultur, Soziales und Umwelt zu initiieren und umzusetzen sowie Förderprogramme - insbesondere im Rahmen von LEADER - gezielt für die Entwicklung der Region zu nutzen. Durch den Beitritt des Landkreises Fulda und weiterer Partner aus den Bereichen Wirtschaft, Sozialwesen, Bildung und Naturschutz zum Verein im Laufe der zurückliegenden Jahre, kam man dem Ziel Schritt für Schritt näher, die ländliche Heimat noch ein bisschen stärker zu machen und die Vernetzung von Aktivitäten zur Stärkung der Region noch stärker zu fördern.
Mit der erstmaligen Anerkennung als Lokale Aktionsgruppe (LAG) für die LEADER-Förderperiode 2007-2013 wurde das Regionalforum auch über die Region hinaus anerkannt und sichtbar. Es folgten zwei weitere Anerkennungen als LEADER-Förderregion für 2014-2020/2022 und aktuell 2023-2027. Dadurch kamen bzw. kommen Projektträger in der Region in den Genuss von Fördermitteln für die Entwicklung des ländlichen Raums, durch die in den vergangenen zwei Jahrzehnten zahlreiche Projekte realisiert werden konnten, welche die Lebensqualität in der Region nachhaltig verbessert haben. Gefördert wurden unter anderem Projekte der öffentlichen Daseinsvorsorge und zum Erhalt des Lebens- und Naturraums sowie die Entwicklung von Kleinstunternehmen und Existenzgründungen. Seit dem Zusammenschluss der sieben Gemeinden wurden über zehn Millionen Euro Fördermittel für die Umsetzung von Projekten in der Region bereitgestellt. Hinzu kommen noch deutlich höhere Investitionen durch die jeweiligen Projektträger - Gemeinden, Unternehmen, Vereine, Kirchen, soziale Einrichtungen, den Landkreis und das Regionalforum selbst - die durch die Förderungen ermöglicht wurden. Mit der aktuellen Lokalen Entwicklungsstrategie LEADER 2023-2027 werden neue Projekte angestoßen, die insbesondere Themen wie Lebensqualität im ländlichen Raum, regionale Wertschöpfung und nachhaltige Entwicklung in den Fokus nehmen.
Ein besonders wichtiges Instrument ist seit 2020 das Regionalbudget, mit dem gezielt das Bürgerengagement gestärkt und kleinere Projekte vor Ort unterstützt werden können. So konnten in den letzten Jahren zahlreiche Maßnahmen in den Gemeinden unkompliziert und mit direktem Mehrwert für die Bevölkerung umgesetzt werden.
Aber nicht nur die Regionalentwicklung im Rahmen von LEADER ist Aufgabe des Vereins. Auch abseits von Förderprogrammen engagiert sich das Regionalforum Fulda Südwest für eine positive, nachhaltige Entwicklung der Region. In Fachforen wirken engagierte Bürgerinnen und Bürger an der fachkundigen Erarbeitung und Umsetzung der Vereinsziele mit, geben Anstoß zu Diskussionen und initiieren konkrete Vorhaben. So gehen unter anderem die Ausrichtung des Tags der Regionen in Fulda Südwest, die Kulturtage, der Museumsverbund, die Radwanderkarte, ein Imagefilm, der Bürgerservice, das Positionspapier zum Schutz der Biodiversität im Landkreis Fulda sowie der Handwerkersommer und auch der Südwest-Gutschein auf die Arbeit der Fachforen zurück. Zu den unter Beteiligung des Regionalforum oder in Eigenregie umgesetzten Projekten zählen außerdem touristische Angebote wie die Errichtung von Himmelsschauplätzen für den Sternenpark Rhön, soziale Projekte wie die gemeinsame offene Jugendarbeit oder kulturelle Angebote wie aktuell die Einführung der Onleihe in den öffentlichen Büchereien der Region.
Auch in der Öffentlichkeitsarbeit hat sich das Regionalforum weiterentwickelt. Mit dem Vereinsmagazin „Schaufenster der Region“, das mehrmals jährlich erscheint, werden schon seit Langem Projekte, Initiativen und Menschen aus der Region sichtbar gemacht und die regionale Identität gestärkt. In der jüngeren Vergangenheit baut das Regionalforum verstärkt auch seine Präsenz in den sozialen Netzwerken wie Instagram und Facebook aus, um neue Zielgruppen anzusprechen.
Das Regionalforum Fulda Südwest ist in seiner Rechtsform eines eingetragenen Vereins der Träger der Lokalen Aktionsgruppe Fulda Südwest und damit zentraler Akteur der LEADER-Region. Der Verein setzt sich aus kommunalen Vertreterinnen und Vertretern, engagierten Bürgerinnen und Bürgern sowie Akteuren aus Wirtschaft und Gesellschaft zusammen. Zu den wichtigsten Organen zählen die Mitgliederversammlung, der Vorstand sowie ein unabhängiges Projekt-Auswahlgremium, das über die Förderung von Projekten entscheidet. Ergänzt wird die Struktur durch thematische Fachforen, die Impulse für die Weiterentwicklung der Region geben.
Die Entwicklung des Vereins wurde maßgeblich durch das Engagement seiner Vorsitzenden geprägt. Bruno Block (Bgm. Hosenfeld) war erster Vorsitzender seit der Eintragung des Vereins im Jahr 2006 und prägte die Aufbauphase entscheidend. Im Jahr 2013 übernahm kurzfristig Dag Wehner (Bgm. Kalbach) den Vorsitz. Ab 2014 führte Christian Henkel (Bgm. Flieden) das Regionalforum für ein Jahrzehnt durch wichtige Entwicklungsphasen und stand dem Verein während der Erstellung von zwei Lokalen Entwicklungsstrategien (2014-2020/2022 und 2023-2027) vor. Seit 2024 ist Johannes Rothmund (Bgm. Eichenzell) Vorsitzender des Regionalforum Fulda Südwest e.V. Diese Kontinuität steht für die erfolgreiche und verlässliche Arbeit des Vereins über zwei Jahrzehnte hinweg.
Das 20-jährige Jubiläum ist Anlass, auf das gemeinsam Erreichte zurückzublicken und zugleich den Blick nach vorne zu richten. Das Regionalforum Fulda Südwest bleibt ein wichtiger Motor für Kooperation, Innovation und Engagement in der Region und wird auch in Zukunft eine zentrale Rolle bei der regionalen Entwicklung spielen.
Hintergrund:
LEADER (frz. Liaison entre actions de développement de l‘économie rurale, dt. Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft) ist ein Förderprogramm der EU zur Entwicklung des ländlichen Raums. Als methodischer Ansatz der Regionalentwicklung ermöglicht es LEADER den Menschen vor Ort, regionale Prozesse durch die Mitarbeit in Lokalen Aktionsgruppen mitzugestalten.