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Südpfalz Kurier - VG Bad Bergzabern
Ausgabe 37/2026
Bekanntmachungen und Mitteilungen anderer Behörden
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Resilienz beginnt im Dorf - naturnah und gemeinsam

Das dramatische Artensterben ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Es betrifft uns alle direkt vor unserer Haustür. Gleichzeitig stehen auch viele Kommunen unter hohem finanziellem Druck und beklagen die intensiven Pflegekosten für Grünflächen, die bisher jedoch kaum einen ökologischen Wert haben. Daher kam in der Arbeitsgruppe Natur- und Kulturlandschaft der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Pfälzerwald plus die Idee auf, ungenutzte Brachflächen oder pflegeintensive Beetflächen in lebendige, nutzbare Mini-Biotope zu verwandeln. Somit entsteht ein Gewinn für die biologische Vielfalt, den privaten und kommunalen Haushalt sowie für das örtliche Zusammenleben. Gleichzeitig wird ein Problem zu einer Chance für Mensch und Natur.

Nutzbare Mini-Biotope bringen verschiedene positiven Effekte mit sich: Wertigkeit für Biodiversität, positiver Einfluss auf den privaten und kommunalen Haushalt, Mehrwert für die Gemeinschaft und ein Beitrag zur Ernährungssouveränität.

Biodiversität im Dorf

Der Ansatz, pflegeleichte (Mini-)Biotope zu schaffen, die uns und die Insekten ernähren, bricht mit der traditionellen Trennung von Ziergarten, Nutzacker und Naturschutz. Anstatt pflegeintensiver Wechselbepflanzungen, zum Beispiel vor öffentlichen Gebäuden, können gezielt naturnahe Wildpflanzengemeinschaften etabliert werden.

Margerite, Malve, Cosmea, Borretsch, aber auch vermeintliche „Unkräuter“ wie Brennnessel, Giersch, Löwenzahn und Vogelmiere sind nicht nur ökologisch höchst wertvolle Futterpflanzen für unsere heimische Insektenwelt. Sie sind auch extrem robust sowie essbar und lecker. Einmal eingesät, wachsen sie durch das regelmäßige Ernten - auch einfach im Vorbeilaufen - vital nach. Sogar vermeintlich bekanntes Kulturgemüse zeigt sich hier von einer neuen Seite: Lässt man beispielsweise Radieschen absichtlich in die Blüte gehen, entwickeln sie knackige, essbare Schoten. Eine einzige Pflanze liefert so, ohne menschliches Zutun, ein Vielfaches des Ertrags der ursprünglichen einzelnen Knolle - ein Aha-Erlebnis direkt am Wegesrand.

Ergänzt durch Lebensraumelemente wie Totholzecken, Wildblumenstreifen, Trockenmauern und kleine Wasserstellen können mitten im Dorf lebendige Mini-Biotope und damit resiliente Ökosysteme entstehen. Diese Flächen verzichten auf Pestizide, Kunstdünger oder Torf und funktionieren nach dem Prinzip der regionalen Kreislaufwirtschaft unter Verwendung heimischer Materialien wie Holz und Natursteine.

 

Positiver Einfluss auf den Haushalt und Mehrwert für die Gemeinschaft

Nach ihrer Etablierung sind die Beete extrem pflegeleicht und sparen wertvolle Arbeitszeit und Geld. Gleichzeitig stiften sie einen unschätzbaren sozialen Mehrwert. Wenn im öffentlichen Raum, z.B. vor der Apotheke, am Rathaus, neben der Bibliothek, am Dorfbrunnen oder am Spielplatz Flächen entstehen, an denen sich Bürgerinnen und Bürger im Vorbeilaufen gesunde Wildkräuter oder essbare Blüten pflücken können, verändert das die Beziehung zur eigenen Nahrung und zur Heimat.

Die tragende Säule für resiliente Dörfer ist die lokale Gemeinschaft, die generationen-übergreifend die Flächen gestalten, nutzen und pflegen kann. Neben regionalen Vereinen (z.B. Obst- und Gartenbauvereine) können die lokalen Kitas und Schulen direkt in das Projekt integriert werden. Die naturnahen Biotope werden dann zu lebendigen „Grünen Klassen-zimmern“. Bei regelmäßigen Exkursionen, kleinen Pflanz- und Ernteaktionen können Kinder spielerisch lernen, wie Artenvielfalt funktioniert, welche Wildpflanzen gesund sind und wie wichtig Bestäuber für unsere Ernährungssicherheit sind. Das stärkt nicht nur die Beziehung zur Natur, sondern erobert jahrhundertealtes Wissen für die nächste Generation zurück.

Denkbar ist, dass Akteure vor Ort markante Pilotflächen im Ortskern identifizieren und diese z.B. mit Unterstützung durch eine Förderung als Ehrenamtliches Bürgerprojekt gestalterisch hochwertig umsetzen. Naturschutz, Lebensqualität, Ernährungssouveränität und Haushalts-entspannung können durchaus Hand in Hand gehen. Lassen Sie uns gemeinsam die Region ein Stück artenreicher, lebendiger und essbarer gestalten!

Vielleicht haben Sie ja direkt konkrete Projektideen zum Thema oder Sie möchten gerne neue Impulse in die Arbeitsgruppe Natur- und Kulturlandschaft einbringen? Melden Sie sich einfach bei der LAG-Geschäftsstelle - Ute Weisbrod-Mohr und Moni Satory informieren Sie gerne über die nächsten Termine der AG sowie über den Ablauf möglicher Förderprojekte. Sie erreichen die LAG-Geschäftsstelle unter Tel. 06331 809-309 bzw. -343 oder per Mail an u.weisbrod-mohr@lksuedwestpfalz.de bzw. m.satory@lksuedwestpfalz.de.

LAG