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Mitteilungsblatt für die Gemeinde Bischoffen
Ausgabe 29/2026
Wissenswertes
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Standing Ovations für „PROJEKT TELL“ - Theater wird zum Weg in neue Perspektiven

Première des Arbeitsmarktprojekts JobAct to Connect begeistert in der Unteren Stadtkirche Wetzlar

Mit lang anhaltendem Applaus endete am Dienstag, den 30. Juni die Première von „PROJEKT TELL - von der zumutung freiheit zu denken“ in der Unteren Stadtkirche Wetzlar. Zwölf Teilnehmende des Arbeitsmarktprojekts JobAct to Connect präsentierten eine eindrucksvolle Neuinterpretation von Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ - künstlerisch anspruchsvoll, emotional und überraschend aktuell.

Farbgewaltige Kostüme, musikalische Elemente und eingespielte Erzählstimmen führten das Publikum durch die stark verdichtete Handlung. Die Inszenierung folgt Schillers Drama, interpretiert es jedoch neu: Rollen wechseln zwischen den Darstellenden, Wilhelm Tell steht nicht für eine einzelne historische Figur, sondern für eine Idee, die von unterschiedlichen Menschen getragen werden kann. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Freiheit, Gemeinschaft und Zusammenhalt. Wie es im Programmheft heißt: „Gemeinschaft ist keine Herkunft. Gemeinschaft ist eine Entscheidung.“

Die zwölf Teilnehmenden stammen aus fünf Herkunftsländern und sprechen sieben verschiedene Sprachen. Viele lernen Deutsch erst seit kurzer Zeit und meisterten dennoch anspruchsvolle Texte und intensive Spielszenen mit großer Präsenz.

Das Kommunale Jobcenter Lahn-Dill hat das Arbeitsmarktprojekt nach vierjähriger Pause erneut aufgelegt und finanziert die Maßnahme. Die Durchführung liegt bei der PROJEKTFABRIK gGmbH aus Witten. Neben Theaterpädagogik gehören Bewerbungstraining, Sprachförderung, sozialpädagogische Begleitung und Praktika in Betrieben zum Konzept.

Bereits zur Begrüßung machte Nina Gilfert, Projektleiterin der PROJEKTFABRIK gGmbH, deutlich, worum es bei JobAct to Connect geht. Der freie Bildungsträger arbeitet seit vielen Jahren nach dem Motto „Kunst als Bildungsprinzip“ und verbindet kreative Methoden mit der beruflichen Qualifizierung. Theater werde dabei zum Lern- und Entwicklungsraum, in dem Menschen ihre Stärken neu entdecken und Selbstvertrauen gewinnen können.

Auch Julia Ströher, Bereichsleitung Vermittlung des Kommunalen Jobcenters Lahn-Dill betonte die Bedeutung des Projekts für die Arbeitsmarktintegration. JobAct eröffne Räume, in denen Teilnehmende Verantwortung übernehmen, eigene Fähigkeiten (wieder-)entdecken und wichtige Schlüsselkompetenzen für den Berufsalltag entwickeln. Wie nachhaltig dieser Ansatz wirkt, zeigte sich auch während der Aufführung: Ein Teilnehmer entdeckte durch das Projekt seine frühere Leidenschaft für das Trompetenspielen wieder und bereicherte den Theaterabend musikalisch - ein eindrucksvoller Beleg dafür, welches Potenzial in den Menschen steckt.

Ein besonderer Dank galt Theaterpädagoge Jürgen Fritz für Text und Regie, Sozialpädagogin Christine Heymer für die Begleitung der Teilnehmenden sowie Eva Weiß-Kruff, die das Projekt über viele Jahre für das Kommunale Jobcenter koordiniert und begleitet hat.

Das Projekt verdeutlicht, Theater kann mehr sein als Kultur. Es schafft Begegnung, stärkt Menschen und eröffnet neue Perspektiven - auf der Bühne und für den Weg in den Arbeitsmarkt.