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Wochenzeitung für die Gemeinde Eschenburg
Ausgabe 11/2019
Goure
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Der Hang zum Überschwang: Alles Goure, Tina!

Freilich hätte man eigentlich einen Eiskanal nach ihr benennen müssen. Aber der unterliegt saisonalen Schwankungen und war gerade nicht da. Am Tina-Hermann-Pfad, den die Gemeinde nach der ersten Einzel-Weltmeisterschaft der Hirzenhainerin 2016 später an ihrem Elternhaus beschildert hat, ist noch viel Platz: Der QR-Code dort verweist auf den Wikipedia-Eintrag, in dem auch schon der neueste Erfolg vermerkt ist.

Gold im Skeleton-Rennen bei der WM im kanadischen Whistler war ein historischer Moment: Für das deutsche Team war dieser Freitag Weltmeisterfrauentag. Für die Hirzenhainer war es so, als hätte der Skiclub nicht nur in dieser Saison, sondern über Jahre extra auf Schnee verzichtet und alle Flocken zusammengekratzt für dieses rasante Rennen. Und wer noch nie Skeleton gesehen hat, wurde mitgerissen bei vier packenden Läufen. Selbst der Laie konnte erahnen, dass für die schnelle Fahrt im Eiskanal kopfüber auf einem schmalen Brett viel Mut, Kraft und Konzentration nötig ist. Und für Tina Hermann, gerade 27 Jahre alt geworden, wie für Hirzenhain war es womöglich der wichtigste Geburtstag: Das WM-Jahr fällt zusammen mit dem großen Jubiläum ihres Heimatortes.

Als in Whistler die Uhr bei 3:33.03 stehen blieb, brach weltweit der Jubel aus. „Und jetzt?“, fragten sich im nächsten Moment die Hirzenhainer. Was können wir jetzt nach unserer Weltmeisterin benennen? Bei Straßen und Plätzen ist das eher langwierig und schwierig, weil viele ärgerlich sind, die eine neue Adresse bekommen oder die alte Adresse nicht finden…

Die erste Idee ist oft die beste. DER HANG, kam es in den Sinn. Für die Flieger ist es der traditionsreiche Nord-West-Hang, für Wasserwerke und Kataster heißt der Berg „Kurzbeul“, für Wanderer ist der Ort das Portal zum „Hirzenhainer Höhenflug“, für viele der schönste Postkartenwinkel weithin, für den Skiclub „Sausewind“ ist und bleibt das schlicht und schnell der Skihang….und war damit für die Weltmeisterin selbst die Wiege ihrer Wintersport-Karriere.

Egal wer und egal wobei, mit diesem Fleckchen Erde verbinden viele Menschen schöne Moment. Nicht nur wegen der ersten WM-Party 2016 oder kaum zählbarer Fliegerfeste ist das der Hang zum Überschwang. Hier ist so viel Platz und Perspektive, da kann der Volksmund mit seinen historischen Bezügen auch gerne Recht behalten, aber ich nenne DEN Hang ab dem Weltmeisterfrauentag 8. März 2019 auch „Tina-Hermann-Hang“.

Und der Weltmeisterin wünsche ich, auch im Namen der Gemeinde-Gremien, allzeit gesunde Abfahrt und noch so viele WM-Titel, wie Wikipedia fassen kann. Alles Goure, Tina!

Ihr Bürgermeister
Götz Konrad