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Wochenzeitung für die Gemeinde Eschenburg
Ausgabe 23/2021
Goure
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Vom Landrats-Vorzimmer ins Minister-Hinterzimmer:

„Bonus für Bäder“ statt Millionen für Investitionen

Seit einer Besucher-Befragung anno 2012 fordern wir mit dieser Grafik einen „Bonus für Bäder“. Bei Hessens damaligem Finanzminister Dr. Thomas Schäfer habe ich damals noch Verständnis dafür gefunden, zumal 5 Prozent unserer Besucher aus seiner Heimatstadt Biedenkopf kommen. Bei der Reform des Kommunalen Finanzausgleichs wurden die Schwimmbäder nicht mit einem „Bonus“ entlastet, was Sportbund-Präsident Dr. Rolf Müller als „vertane Chance“ sah.

Wenn nach Corona aus Angst vor der „Generation Nichtschwimmer“ nun freier Eintritt oder Gratis-Schwimmkurse vorgeschlagen werden, klingt das gut, ist aber ein Schritt in die falsche Richtung. Wir haben in Eschenburg und Dietzhölztal besonders 2008 und 2009 Hilfe aus Hessen bekommen, als unser Schwimmbad wegen Dachschadens komplett zur Disposition stand. Das Hallenbad-Investitionsprogramm (HAI) war für den Fortbestand damals wichtig; und heute hilft das Schwimmbad-Investitionsprogramm (SWIM) ebenso auf der Zielgeraden unseres Bauprogrammes 2017-2022.

Schwimmbäder brauchen dringender denn je Entlastung im Betrieb statt Millionen für Investitionen, hat uns die Corona-Krise nochmals in den Fokus gebracht. Während der Lahn-Dill-Kreis im Schuljahr 2019/2020 den Hallenbädern im Kreis damit hilft, dass er fürs Schulschwimmen so viel zahlt wie vor Corona, unterstützt das Land Hessen indes nur die Kur- und Heilbäder. Die 26 Heilkurorte erhalten in der Krise zusätzlich 15 Millionen Euro bis 2022. Mit dem „Bäderpfennig“ aus dem KFA erhalten sie ohnehin bereits 13 Millionen Euro jährlich.

Wie schmerzlich ein Freizeitbad „Panoramablick“ vermisst wird als der Gesundheits-Dienstleister „vor Ort & für den Alltag“ brauche ich an dieser Stelle nicht weiter zu erzählen. Der Neustart am Montag hat uns so gutgetan wie mir kürzlich das Aha-Erlebnis, das ich kürzlich mit Schleswig-Holstein hatte: Dieses Bundesland zeigt uns, wie man Schwimmbäder unterstützen kann, die die mit ihren Schwimm-Kursen der ganzen Region, den Schulen und vor allem den Familien helfen. Ein Vorwegabzug in Höhe von 7,5 Mio. € wird an die Schwimmbäder im Lande verteilt, bevor das Geld der Kommunen in die „Tombola“ kommt.

Im Freizeitbad „Panoramablick“ wird es in den Sommerferien Extra-Schwimmkurse geben. Wir brauchen dafür keine Aufforderung. Es ist vielmehr an der Zeit, dass Bund und Länder mehr tun für Bäder als nach den nächsten Ferien über Sanierungs-Stau und Schwimmbad-Sterben zu jammern.

Mit unserem gemeinsamen Vorschlag "‘Bonus für Bäder‘ statt Millionen für Prestige-Projekte“ bin ich am 29. Juni Referent bei einer Fortbildung des Führungskräfte-Forums „Kommunale Bäder - Handlungsstrategien zur Effizienzsteigerung“. Der „Behörden-Spiegel“, der hierbei beteiligt ist, wird berichten. Darüber muss in Ministeriums-Hinterzimmern ebenso intensiv diskutiert werden wir im Vorzimmer des Landrats. Ein „Bonus für Bäder“ statt Millionen für Investitionen ist die Lösung.

Ihr Bürgermeister
Götz Konrad