Titel Logo
Wochenzeitung für die Gemeinde Eschenburg
Ausgabe 35/2020
Goure
Zurück zur vorigeren Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe
-

Am Samstag an der Philippsbuche

„Ich sitze am 5.5. zwar im Landtag, aber das kriegen wir hin“, antwortete Dr. Thomas Schäfer noch Ende Februar auf meine freche E-Mail mit dem Betreff „So geht Europa: Hinterländer Mountainbiker auf dem Heimweg nach Hessen“. Die fünf „Histo(u)riker“ wollten eigentlich in der Europa-Woche im Mai den Weg mit dem Fahrrad fahren, den Landgraf Philipp der Großmütige anno 1552 aus der Gefangenschaft heim nach Hessen nahm. Und weil wir das für ein Europa-Thema halten, haben wir das bei der Hessischen Staatskanzlei angemeldet und um eine Förderung gebeten. Durch seinen Tod fehlt uns nun der hessische Finanzminister als Fürsprecher und bekennenden Hinterländer. Von der Staatskanzlei kam eine Absage, weil die Hinterländer Mountainbiker als GbR nicht förderungswürdig seien. Auf meinen „Aufruf“, den Geschichts-Radlern am Samstag (29. August) um 16 Uhr an der Simmersbacher Philippsbuche einen „Empfang“ zu bereiten, hat sich (noch) niemand gemeldet. Klar kann man unter Corona keine Veranstaltung planen wie anno 1552, als die Philippsbuche als Gedenkstätte eingeweiht worden ist. Aber wir werden es doch hinbekommen, uns mit weniger als 250 Menschen und mehr als 1,50 Metern Abstand am Samstagnachmittag zu treffen und gemeinsam über diese Geschichte nachzudenken.

Landgraf Philipp war seit 1547 in den spanischen Niederlanden im Kerker und wurde am 05.09.1552 in Löwen auf freien Fuß gesetzt. Begleitet von 300 spanischen Reitern ritt er zurück in seine Heimat. Am Staffelböll bei Simmersbach betrat er erstmals wieder den Boden seines Hessenlandes. Zur Erinnerung an die Heimkehr des Landgrafen wurde die Philippsbuche dort gepflanzt, die heute noch das Wappen der Simmersbacher ziert. Simmersbach („Sömaschbuch“) ist heuer Ortsteil der Gemeinde Eschenburg (Lahn-Dill-Kreis), gehörte aber historisch zu Hessen-Darmstadt und dem Altkreis Biedenkopf. 1974 kam das Dorf mit dem Nachbarort Roth zum freiwilligen Zusammenschluss mit der 1971 gegründeten Gemeinde Eschenburg. Mit den „Nassauern“, wie die Bewohner des vormaligen Dillkreises auch heute noch genannt werden, hat sich seitdem im Naturpark Lahn-Dill-Bergland eine Gemeinschaft entwickelt, in der die ehedem trennende Grenze zu einer festen Verbindung geworden ist. Das liefert meines Erachtens eine Blaupause für unser Bundesland: Mit der Heimkehr Philipps nach Hessen übernahm die Landgrafschaft Hessen - an der Seite der Nassauer und Oranier - eine gestaltende Rolle im Werden des frühneuzeitlichen Europas. Und wir können heute noch im Rundblick um die Philippsbuche sehen, dass es besser ist, sich friedlich zusammenzuschließen als sich kriegerisch abzuschotten. Mehr Informationen unter https://www.gemeinde-eschenburg.de/heimwegnachhessen im Internet und am Samstag an der Philippsbuche, hofft

Ihr Bürgermeister
Götz Konrad