Wenn am 27. Januar - dem Tag der Auschwitz-Befreiung - am Rathaus Halbmast geflaggt ist und die ganze Welt der Opfer des Nationalsozialismus gedenkt, denke ich an Familie Tavecchio. Ihre Zeitreise und Spurensuche hier, hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, über gemeinsame Geschichte zu reden.
Weil die Erlebens-Generation über das Erlebte nicht reden konnte, bekamen die Kinder meist keine Antwort auf ihre Fragen und damit auch keine persönliche Beziehung zur Geschichte - so war das bei vielen nach dem Krieg.
Domenico Tavecchio wurde während des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland verschleppt und musste in Eiershausen Zwangsarbeit im Sägewerk Holighaus leisten. Zurück in Italien brach es nur einmal aus ihm heraus, was ihn bis zu seinem Lebensende belastete. Er hätte im Moment des Zorns auch seinen Peiniger erschlagen können und die Geschichte wäre anders verlaufen. Hat er aber nicht. Er hat an seine Frau und die kleine Tochter gedacht und hat seinem Peiniger die Füße geküsst. Ein Sieg der Menschlichkeit.
Wir werden diese Geschichte weitererzählen. Italienische Zwangsarbeiter war für mich neu, aber offenbar kein Einzelschicksal. Luftkriegs-Experte Claudio Becker, der uns zum Volkstrauertag einen Vortrag gehalten hat, wird uns weiter helfen auf der Suche nach der vergangenen Gegenwart. Die Lager in Eibelshausen und die Zwangsarbeit auf der Hütte und in anderen Betrieben sind ebenso Schauplätze dieses Wahnsinns namens Weltkrieg. Den Mitgliedern des Vereins Regionalmuseum Eschenburg und Übersetzerin Agata Reichmann danke ich herzlich für die Hilfe. Wir werden genau so weitermachen und auch die Geschichte von Domenico Tavecchio auf unserer Seite www.eschenburg.de/volkstrauertag erzählen. Sein Mahnen ist auch unser Auftrag: Unsere gemeinsame Geschichte erzählen, damit auch die nachfolgenden Generationen nicht vergessen, was Krieg bedeutet. Versöhnen statt vergessen.