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Wochenzeitung für die Gemeinde Eschenburg
Ausgabe 45/2020
Aus dem Rathaus wird berichtet
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Kreis warnt: Sechs Fälle von unseriösem Pelz- und Goldankauf

Fall Aßlar: Mit Werbung wie dieser locken Gauner die Besitzer von Gold und Pelzen. (Foto: LDK)

Unseriöse Geschäftemacher sind nach Angaben des Lahn-Dill-Kreises mittlerweile auch hier tätig. Zunächst waren Solms und Herborn betroffen, wo die Städte mit Unterstützung des Kreisordnungsamtes dem Spuk ein Ende setzten. Auch Wetzlar war betroffen. Der Stadt Dillenburg gelang es, die Entstehung schon im Keim zu ersticken. Jüngst aber siedelten sich in Eschenburg und Aßlar fast zeitgleich solche Betriebe an, warnt der Landrat.

Masche ist immer die gleiche: Die handelnden Personen mieten kurzfristig leerstehende Ladengeschäfte an und werben mittels auffälliger Flyer in der Presse. Dabei erwecken sie den Eindruck, an Pelzen und Antiquitäten interessiert zu sein. Im Kleingedruckten ist dann aber zu lesen, auf was sie wirklich aus sind: Gold. Und das kaufen sie laut Werbung zu Preisen bis zu 70 Euro pro Gramm an.

Alleine das halten die Experten des Kreises für eine „groteske Lüge“, denn selbst hochlegiertes 999er Feingold notiert an den internationalen Rohstoffbörsen derzeit zu umgerechnet etwa 52 Euro pro Gramm. Die Geschichte kann also nicht stimmen, ist man sich im Landratsamt sicher und weiß außerdem, dass man an Pelzen und Pelzmänteln in Wirklichkeit überhaupt nicht interessiert ist.

Ein Beispiel aus Herborn: Ein älteres Ehepaar hat die Täter ins Haus gelassen und Schmuck verkauft, mutmaßlich deutlich unter Wert. Angebotene Pelze wolle man später abholen, versicherten die Aufkäufer. Sie tauchten nicht mehr auf. Mutmaßlich die gleichen Täter zahlten für Goldmünzen, die ihnen von einer anderen Person überlassen worden waren, einen Preis an, der bei etwas mehr als einem Viertel des tatsächlichen Wertes lag. Den Rest des Geldes wollten sie später zahlen. Darauf warten die Geschädigten immer noch. Problematisch dabei: Die Verkäufer wissen hinterher oft nicht einmal, wer die Aufkäufer überhaupt sind. Bei den Behörden werden oft Strohleute vorgeschoben, weil die tatsächlich Verantwortlichen schon polizeibekannt sind und bei den Ordnungsämtern deswegen schon Schwierigkeiten bekommen könnten.

„Bei den bisherigen drei Einsätzen des Kreisordnungsamtes hat uns die Polizei unterstützt und vor Ort immer berichtet, dass die Täter polizeibekannt und möglicherweise sogar vorbestraft sind“, berichtet Frank Schuster vom Fachdienst Ordnungs- und Gewerberecht der Kreisverwaltung. Und noch etwas fällt auf: „Jedwede Zahlung - ob für Gold, die Werbeannoncen oder die Mieten für die Geschäftsräume - erfolgt in bar, damit nichts nachverfolgt werden kann und sie so außerdem ihre Identität verschleiern“, stellt man im Landratsamt dazu fest. Die Täter sind alle einem bestimmten Milieu zuzuordnen und kommen von außerhalb des Kreises, meistens aus Nordrhein-Westfalen. Wer ihre Namen im Internet recherchiert, stößt auf Presseberichte zu Betrügereien im Zusammenhang mit Teppichreinigungen, dem Goldankauf und manchmal auch auf Verbindungen zur Clan-Kriminalität.

Ein Schlüssel zur Bekämpfung dieser Auswüchse liegt nach Auffassung der Kreisverwaltung auch bei den Eigentümern der entsprechenden Ladengeschäfte. Schauen die genau hin und vermieten nicht, können sie so im Extremfall Straftaten an in der Regel älteren Menschen verhindern. Jüngst sind dem Kreis auch Annoncen in den Kleinanzeigenteilen der heimischen Presse und der örtlichen Mitteilungsblätter aufgefallen, in denen ebenfalls mit dem Ankauf von Pelzen, Schmuck und Edelmetallen gleichzeitig gelockt wird. Man weiß inzwischen, dass auch diese wiederkehrend abgedruckten Annoncen von den Anzeigenkunden in bar bezahlt werden und auch diese Personen dem gleichen unseriösen Milieu zuzuordnen sind, wie die Täter aus dem Lahn-Dill-Gebiet. Beim Kreis geht man auch von Schwarzarbeit aus, denn die Verantwortlichen sind nicht als Gewerbetreibende registriert.

Nach den bisherigen Erfahrungen empfiehlt man beim Kreis den Leserinnen und Lesern, extreme Vorsicht walten zu lassen und am besten erst gar nicht auf die Verlockungen einzugehen. Erst recht sollte man davon absehen, mit den Leuten Termine im eigenen Haus zu machen und sich auf Anzahlungen der Ankäufer einlassen und die zu verkaufenden Wertgegenstände schon gleich übergeben. An Pelzen sind die Akteure ohnehin nicht wirklich interessiert.

Den Betreibern in Eschenburg und Aßlar haben die beiden Kommunen, im Fall Aßlar mit Unterstützung des Kreises und der Polizei, wegen Verstößen gegen die Gewerbeordnung den Weiterbetrieb untersagt.

Ansprechpartner bei der Kreisverwaltung ist Frank Schuster, Telefon 06441 407-2430, E-Mail: frank.schuster@lahn-dill-kreis.de