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Wochenzeitung für die Gemeinde Eschenburg
Ausgabe 6/2019
Goure
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Goure

Die Blütezeit des Gartenbaus ist nie vorbei

„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“, soll Reformator Martin Luther gesagt haben. Auch wenn der Ausspruch nicht belegt ist und auch Legende sein kann, sollten wir ihn beherzigen: Am morgigen Samstag geht es in Eiershausen um die Zukunft der Obst- und Gartenbau-Vereine, wenn der Kreisverband sich in seiner Jahreshauptversammlung ums eigene Gedeihen kümmern muss. Die einst blühenden Vereine in Dillenburg, Herborn, Haiger, Niederscheld und auch Eibelshausen haben sich aufgelöst. Nachwuchsmangel sorgt auch die anderen Vereine. Auch im Kreisvorstand wächst nichts nach.

Ist die Blütezeit des Gartenbaus vorbei? So ziemlich alle Vereine plagen Nachwuchssorgen. Doch bei keinem ist dieser Trend so widersprüchlich wie bei der traurigen Dürre für Obst- und Gartenbauvereine:

  • Während auf dem Land die Vereine verdorren, sprießt in Städten das „Urban Gardening“.

  • Während hier alte Obstsorten nicht mehr gepflegt werden, werden Baumpaten für Berlin und Brandenburg gesucht.

  • Während viele Verpackungsmüll vermeiden möchten, kaufen einige im Stadt-Supermarkt geschälte (!) Äpfel in Folienverpackung.

  • Während das Können und Kennen der Obstbauer auf weniger Interesse stößt, wuchern die Zeitschriften, die Lust aufs Land machen.

  • Während Bienenwiesen aus dem Boden gestampft werden, vergreisen die Streuobstwiesen.

In Eibelshausen haben wir das Glück, dass die Holderbergschule das Erbe des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins übernommen hat: Als Naturparkschule betreibt sie den Lehrgarten weiter, den der Verein von der Gemeinde gepachtet hatte. Und dort lernen Schüler dann auch, wie man Bäume pflegen kann und jährlich schneiden muss, wenn man später saftige Äpfel ernten will.

In der Geschichte des Obstbaus spielen oft Pfarrer und Lehrer die Rolle, dass sie durchs Pfropfen Bäume veredelt und durchs Schneiden verjüngt haben. Da ist es doch gut, wenn das Werk wie an der Naturparkschule in Eibelshausen weiter gehen kann. Noch besser wäre, wenn eine breite Öffentlichkeit solche Lehrsätze wie „FLACH trägt, STEIL wächst“ für den Obstbaumschnitt lernen können. Gewiss gibt es dafür auch schon Internet-Tutorials, aber das lernen sie bei jedem Obstbaumschnitt-Kurs, den solche Vereine nah und günstig anbieten.

Eine persische Weisheit sagt: „Man muss nicht erst sterben, um ins Paradies zu gelangen, solange man einen Garten hat.“

Ihr Bürgermeister
Götz Konrad