Liebe Bürgerinnen und Bürger,
am Pfingstmontag durfte ich auf dem Weiherberg bei Geismar einen besonderen Gottesdienst erleben. Anlass war das 80-jährige Bestehen der dortigen Kapelle. Es ist ein Ort, der für viele Menschen in unserer Region weit mehr ist als nur ein Gebäude aus Stein. Die Kapelle wurde vor 80 Jahren – ein Jahr nach Ende des II. Weltkrieges – errichtet. Es war eine Zeit von Mangel, Unsicherheit und großer Not. Und dennoch fanden Menschen damals die Kraft, gemeinsam anzupacken, Verantwortung zu übernehmen und im Ehrenamt etwas Bleibendes zu schaffen. Sie hatten ein klares Ziel vor Augen, das sie gemeinsam angingen und umsetzten. Die Festpredigt auf dem Weiherberg hielt übrigens der emeritierte Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick. Seine Worte standen unter dem Motto „Neue Wege gehen“. Dieser Impuls hat mich sehr bewegt. Denn Wege prägen unser Leben, ob persönlich oder gesellschaftlich. Manchmal wissen wir nicht wohin, haben das Ziel nicht vor Augen, lassen uns in die Irre führen oder verlieren unterwegs die Orientierung. Diese Fragen stellen sich mir auch aktuell für unsere Gesellschaft: Haben wir noch gemeinsame Ziele vor Augen oder sind wir gerade orientierungslos, bleiben stehen und treten auf der Stelle? „Wer schnell gehen will, geht alleine; wer weit gehen will, geht gemeinsam“, so heißt es in einem afrikanischen Sprichwort. Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir uns wieder neu ausrichten und uns fragen, was wollen wir für unsere Gesellschaft? Wohin wollen wir in unserer Kommune und im Land gehen? Vielleicht braucht es dazu wieder Wege weg vom „Ich“ hin zum „Wir“; Wege weg vom „eigenen Ego“ wieder hin zur Gemeinschaft?. Wege auf denen nicht das Gegeneinander zählt, sondern das Miteinander, nicht das ständige Kritisieren, sondern das positive Gestalten und Machen. Wege, die wieder mehr geprägt sind von Respekt, Zusammenhalt und gegenseitiger Wertschätzung. Die Kapelle auf dem Weiherberg erinnert uns daran, was möglich ist, wenn Menschen zusammenstehen und gemeinsam einen Weg gehen. Sie wurde nicht in einer Zeit des Überflusses gebaut, sondern in einer Zeit der Entbehrung. Es gab keine großen Diskussionen, Arbeitskreise, keine Fördermittel und es wurden keine professionellen Baufirmen beauftragt. Man hatte ein Ziel, einen gemeinsamen Weg vor Augen und packte einfach gemeinsam an. Gerade deshalb ist diese Kapelle bis heute ein starkes Zeichen für Gemeinschaft, Zuversicht und Zusammenhalt. Und genau das ist die Botschaft, die wir heute wieder stärker brauchen!
Ihre Bürgermeisterin
Manuela Henkel