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Geisaer Zeitung
Ausgabe 16/2023
Gestaltung Seite 2
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Mehr Frömmigkeit leben

Mit einer Pferdekutschen geleiteten der ehemalige Erzbischof Ludwig Schick und Pastor Dr. Jürgen Kämpf die Wallfahrer von Kranlucken vom Ortsteingang Schleid bis zu Kirche

Der emeritierte Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, segnete die Kinder vor dem Gottesdienst

Zahlreiche Gläubige feierten gemeinsam vor der barocken Kirche in Schleid das Schneefest

Vor 4 Altären wurde in einer Prozession der sakramentale Segen erteilt

Die Prozession führte durch die mit Fahnen und Blumen geschmückten Straßen von Schleid

Besonders freute er sich 1994, dass das Geisaer Land sich entschied, wieder zum Bistum Fulda zu gehen. „Der Glaube hat in Eurer Region ein festes Fundament“, lobte der ehemalige Erzbischof die Gläubigen, der bereits das vierte Mal beim Schneefest zelebrierte. Aber auch dieses Fundament könne in einer Welt der Säkularisation schnell ins Wanken kommen. „Der Rückzug der Religion macht sich überall bemerkbar und das hat Folgen“, betonte Schick in seiner Festpredigt. Individualismus, Egoismus und Gleichgültigkeit machten sich breit und dadurch gehe auch ein Stück Gemeinsinn verloren. „Wir leben so, als ob es Gott nicht gebe“, so Schick. Er forderte mehr Frömmigkeit in der Gesellschaft. „Dabei ist fromm nicht irgendein altbackener Begriff, es bedeutet eine gute Beziehung zu Gott und zu seinen Mitmenschen zu führen“, betonte der Festprediger. Nicht mit großen Würfen, sondern mit der Frömmigkeit im Kleinen könne die Kirche reformiert werden. Maria, als Muttergottes zeige dabei klar den Weg der Frömmigkeit hin zu Gott. Musikalisch wurde der Gottesdienst von den Schleider und Kranluckener Blasmusikanten gestaltet. Mit zahlreichen Fahnenträgern und Blumenmädchen zogen die Gläubigen im Anschluss durch die Straßen von Schleid, um an vier festlich geschmückten Stationen den eucharistischen Segen zu empfangen. Nach einer Festandacht am Nachmittag wurde um 20 Uhr mit dem Glockengeläute der Verlöbnistag ausgeläutet. Das „Schneefest“ geht Übrigens auf ein Verlöbnis aus dem 30jährigen Krieg zurück, als der Pest in Schleid und Kranlucken fast zwei Drittel der Bevölkerung zum Opfer fielen. Daraufhin stellten sich die Gläubigen unter den Schutz Mariens und gelobten zu ihren Ehren den 5. August alljährlich in feierlicher Weise zu begehen. Dieser Tag ist der Weihetag der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom, der im Volksmund „Sancta Maria ad Nives“, was so viel wie „Maria im Schnee“ bedeutet. Gemäß einer Überlieferung ließ Papst Liberius das Gotteshaus nach einem „Schneewunder“ am Morgen des 5. August 358 errichten.

Paula Rosa Henkel