Vor der Kirche wurde das Festhochamt gefeiert.
Der Fuldaer Bischof Michael Gerber predigte beim 400. Schneefest in Schleid.
Festlich geschmückt war die Kirche in Schleid zum Schneefest
(v.l.n.r.) Martin Henkel (Landtagsabgeordneter), Bernadett Hosenfeld-Wald (Bürgermeisterin der Gemeinde Schleid), Dr. Michael Brodführer (Landrat Wartburgkreis), Manuela Henkel (Bürgermeisterin Stadt Geisa) und Christian Hirte (Bundestagsmitglied)
Segnung
Kindersegnung
Prozession durch Schleid
Schleid. Hunderte Gläubige haben am Mittwoch, den 5. August in Schleid das 400. Schneefest gefeiert. Seit 1626 halten die Schleider ein Gelöbnis aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges: Alljährlich am 5. August begehen sie das Fest Maria Schnee. Bis heute wurde diese Tradition ohne Unterbrechung fortgeführt.
Zum Jubiläum kehrten auch zahlreiche Schleider, die inzwischen andernorts leben, in ihr Heimatdorf zurück. Darüber hinaus kamen viele Gläubige aus der gesamten Region und darüber hinaus. Zu den Ehrengästen zählten unter anderem Christian Hirte, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Landtagsabgeordneter Martin Henkel, Landrat Michael Brodführer, Schleids Bürgermeisterin Bernadett Hosenfeld-Wald und Geisas Bürgermeisterin Manuela Henkel. Auch zahlreiche Priester aus nah und fern nahmen an den Feierlichkeiten teil.
Das festlich geschmückte Dorf bildete die Kulisse für das Jubiläum. Besonders der Platz vor der Kirche war herausgeputzt. Dort wurde unter freiem Himmel das Festhochamt gefeiert. Der Platz war bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt.
Der Schleider Pastor Dr. Jürgen Kämpf erinnerte daran, dass das Schneefest seit dem Gelöbnis von 1626 jedes Jahr gefeiert wird. „Seit 400 Jahren ist es ein lebendiges Zeugnis des Glaubens, des Vertrauens auf die Fürsprache der Gottesmutter und der Dankbarkeit unserer Gemeinden Schleid und Kranlucken für Gottes Schutz und Segen“, sagte er. Kämpf verlas zudem ein Grußwort des neuen Apostolischen Nuntius in Berlin, Erzbischof Hubertus van Megen. Mit Blick auf das Gelöbnis aus der schweren Zeit des Dreißigjährigen Krieges betonte van Megen, auch die Gegenwart sei von Herausforderungen geprägt. Die Worte der Jungfrau Maria, die dazu aufrufe, alles zu tun, was ihr Sohn sagt, hätten deshalb bis heute große Bedeutung. Das 400. Schneefest sei in diesem Sinne ein starkes Zeichen des Glaubens. Im Namen von Papst Leo XIV. erteilte der Nuntius den apostolischen Segen zum Jubiläum.
Die Bedeutung des Schneefestes für die Menschen in Schleid, Kranlucken und der gesamten Region hob der Fuldaer Bischof Michael Gerber in seiner Festpredigt hervor. Generationen von Gläubigen seien durch das Fest in ihrem persönlichen Glauben bestärkt worden. „Möge aus diesem Tag für uns alle eine Quelle der Kraft, der Gnade und eine Stärkung im Glauben hervorgehen“, sagte Gerber. Schleid, Kranlucken und das gesamte Geisaer Amt seien durch die jahrhundertealte Tradition nachhaltig geprägt worden. „Wir feiern dieses Fest voller Dankbarkeit, weil es Glaubensbiografien prägte und eben auch heute prägt“, betonte der Bischof. Unzählige Menschen seien durch das Schneefest zum persönlichen Glauben an Jesus Christus und zu einer persönlichen Weggemeinschaft mit Maria geführt worden. Gerber schlug dabei eine Verbindung zwischen der biblischen Geschichte und den Ereignissen vor 400 Jahren.
Pfarrer Gutwein beschrieb in seinen Aufzeichnungen das Jahr 1626 als eine Zeit des Schreckens. Der Dreißigjährige Krieg hatte Menschen und Landschaft schwer gezeichnet, zugleich breitete sich die Pest aus. In dieser Situation wandten sich die Menschen in Schleid und Kranlucken an Maria und legten ihr Gelöbnis ab.
Gerber erinnerte daran, dass Menschen auch heute schwere Schicksalsschläge, den Verlust geliebter Menschen oder schwere Krankheiten erleben. Der Blick auf Maria und auf den Glaubensweg der Menschen vor 400 Jahren könne deshalb auch für die Gegenwart Orientierung geben. Wo Maria bewusst in die Mitte genommen werde, könne sie Kirche, Gemeinden und Familien prägen – so, wie sie einst die entstehende Kirche vor Pfingsten und vermutlich auch in den Jahren danach geprägt habe. Der Bischof ermutigte die Gläubigen, gerade angesichts heutiger Herausforderungen zu einer solidarischen Gemeinschaft zu werden, die sich an Jesus Christus orientiert. Maria wirke als Mutter der Kirche daran mit, diese als Gemeinschaft von Menschen aus allen Völkern zu formen. Mit der Erneuerung des Gelöbnisses verbinde sich daher auch die Bitte, dass Gott den Weg, den er einst mit Maria gegangen sei, auf neue Weise mit den Menschen von heute gehe.
Symbolisch wurde diese Weggemeinschaft in der anschließenden Prozession sichtbar. Mit dem Gelöbnis verbanden die Gläubigen die Bitte, sich von Maria im Glauben prägen zu lassen und selbst Verantwortung für die Gestaltung der Gesellschaft und Kultur zu übernehmen.
Nach dem Gottesdienst setzte sich eine große Prozession durch Schleid in Bewegung. An mehreren Altären machten die Gläubigen Station und feierten jeweils eine Andacht. So wurde das 400. Schneefest nicht nur zu einem Rückblick auf vier Jahrhunderte Tradition, sondern auch zu einem sichtbaren Zeichen dafür, dass der Glaube in Schleid und der Region bis heute lebendig ist.