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Geisaer Zeitung
Ausgabe 3/2026
Gestaltung Seite 8
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Marienstatue im Bremer Ried restauriert

(v.l.n.r.) Clemens Leister (Restaurator), Michael Schütz (Besitzer), Matthias Faltl, Martin Diel und Marcus Kircher

An Ort und Stelle wird Postament und Plastik ins Lot gebracht

Bremen. Auch für das Rhöndorf Bremen im Geisaer Amt wird schon Mitte des 14. Jahrhunderts erstmals eine Pfarrstelle erwähnt, so dass bereits zu dieser Zeit der kleine Ort eine eigene Pfarrei aufweisen konnte. Nach zwischenzeitlicher Zusammenlegung mit der Borscher Pfarrei und nur noch einem Pfarrer für beide Orte, wurde jedoch die Pfarrstelle nach Borsch verlegt. Nach diversen Unstimmigkeiten zwischen den beiden gleichberechtigten Pfarreien, bekam Bremen um 1715 wieder eine eigene Pfarrstelle zuerkannt. Damit war die kirchliche Bindung an Borsch wieder beendet.

Wie in allen katholisch geprägten Ortschaften der Geisaer Region haben auch die Bremer Dorfbewohner in ihrem Heimatort sowie dem Umland wie am Spielberg, der Bremer Hut, am Riet- und Warthberg, auf dem Weg zum Warthberg, am Kranluckener Berg oder mit der Lourdesgrotte am Fuße des Warthbergs eine stattliche Anzahl christlicher Glaubenszeugnisse wie Bildstöcke, Hochkruzifixe, Freiplastiken und Feldkreuze errichtet. Diese instand zu halten ist keine leichte Aufgabe und auch stets mit Kosten für die jeweiligen Besitzer verbunden, denn meist sind die Kunstwerke private Stiftungen, für deren Erhalt dann auch gesorgt werden muss.

So stand kürzlich auch wieder eine stark lädierte Madonnenfigur aus dem Bremer Ried in der Werkstatt des Kranluckener Restaurators Clemens Leister, um die Freiplastik der Muttergottes mit seinem handwerklichen Geschick wieder zum Strahlen zu bringen.

1896 wurde sie von Johann Peter Winter (Hausname: „Kehfals“) gestiftet und auf eigenem Grund und Boden an der Wegkreuzung Riedweg–Waldblick außerhalb des Ortes errichtet. Es handelt sich um eine steinerne Lourdes-Madonna aus hellem Elsässer Sandstein, deren gesamte Farbgebung mit Untergrund der Witterung zum Opfer gefallen war. Geschaffen wurde die Standfigur von Bildhauer Josef Fleck in seiner Fuldaer Werkstatt, wo schon etliche christliche Kunstwerke von ihm für das Geisaer Land entstanden sind. Die Gestaltung der Madonna zeigt auch hier wieder Flecks überzeugendes Können im Umgang mit Hammer und Meißel, um einen toten Stein wieder lebendig werden zu lassen, was besonders in der hübschen und feinen Gesichtsform sowie in dem sanften, wellenförmigen Faltenwurf des Gewandes zum Ausdruck gebracht wird. Die schlichte Schönheit des Habitus, ja, die gesamte Körperhaltung sowie die 12sternige Krone als Symbol einer Herrscherin über Himmel und Erde strahlt unumwunden die Würde einer Himmelskönigin aus.

Die Deutung der Sternenkrone ist vielseitig. Johannes z. B. schreibt in seiner Offenbarung 12,1, dass Maria durch die Krone nicht nur als Königin des Himmels, sondern direkt als Königin von Sonne Mond und Sternen dargestellt wird. Sie stehe auch für ihre Vollkommenheit, ihre Rolle als Mutter Gottes und als Mutter des Messias. Dies sei eigentlich der ursprüngliche und traditionsgemäße Sinn, der an die 12 Stammesbünde, „also an das Volk Gottes des Alten Bundes, aber auch an die 12 Apostel des Neuen Bundes erinnere. Auffällig ist auch der himmelwärts nach Osten gewandte Blick mit den zum Gebet gefalteten Händen und der deutlich sichtbare große Rosenkranz am Unterarm, welcher mit dem Kreuz auf eine rote Rosenblüte zeigt, wovon je eine auf jedem Fuß aufgesetzt ist.

Der allgemeinen Deutung der roten Rose im Christentum nach, zeige diese die Verbindung von Maria zur Passion ihres Sohnes an. Um 1450 gab es viele Darstellungen der „Madonna im Rosenhag“, da die Rose „ihre Blume“ war. Der dazugehörige Rosenzweig bei der Bremer Figur umwindet zwar ihre Fußpartie, weist jedoch keine Dornen auf. Einer alten Legende zufolge hatten die Rosen vor dem Sündenfall ebenfalls noch keine Dornen und da Maria von der Erbsünde verschont blieb, so wurde sie auch „Rose ohne Dornen“ genannt und künstlerisch ohne die Stacheln dargestellt.

Der vielfach kunstvoll profilierte graugrüne Sockel mit vorstehender Deckplatte wurde aus hiesigem Sandstein gearbeitet und die zurückliegenden bogenförmigen Nischen mit Mariengebeten beschriftet, die von der Mutter des Stifters zusammengestellt worden waren. Kleinere Reparaturen und neue Farbgestaltungen wurden über die Jahre von Familie Winter in Auftrag gegeben. Dazu zählte auch in den 1980er Jahren das Einsetzen von Metalltafeln in die Gebetsnischen durch eine Viernauer Firma (Südthüringen), da die stark verwitterte Schrift kaum noch zu lesen war. Eine grundhafte Sanierung der Statue erfolgte auf Initiative der Familien Winter und Schütz von dem Gersfelder Bildhauer Mario Hartmann erst wieder 2016. Der Steinmetzbetrieb Schüler aus Borsch führte die Arbeiten an der Bodenplatte aus, während die Einfriedung aus einem Metallgitterzaun Marco Ritz aus Bremen neu angefertigt hatte. Am Vorabend des Himmelfahrtstages 2016 wurde während der Flurprozession die Marienfigur durch Stadtpfarrer Lerg aus Geisa neu geweiht und zu Christi Himmelfahrt 2017 wurden an der Vorderseite sowie links und rechts des Postaments neue Gedichtplatten von Stefan Fladung aus Geisa installiert, da die vorherigen schon wieder erhebliche Schäden zeigten.

Bevor die mit viel Liebe zum Detail restaurierte Lourdes- Madonna auf den Weg gebracht wurde, erläuterte der Meister die vollzogenen Arbeitsschritte, die notwendig geworden waren, um der Gottesmutter wieder die ihr gebührende Ausstrahlungskraft zu verleihen. So musste zunächst der verwitterte Außenmantel mit dem Farbauftrag komplett abgenommen, der gesamte Steinkörper mit Sandsteinfestiger getränkt und die zahlreichen Fehlstellen aufgebaut werden. Danach kam die zeitaufwendigste Hauptarbeit, das Glätten nach der vollkommenen Austrocknung des Gesteins. Die Schleifarbeit konnte nur in Handarbeit mit Schmirgelpapier erfolgen, da maschinell die vielen feinen Rundungen und Vertiefungen nicht zu erreichen sind. Bevor mit dem Farbauftrag begonnen werden konnte, mussten erst die Vergoldungen, wie zum Beispiel am Sternenkranz, an Teilen des Rosenkranzes oder am Saum des Umhangs, realisiert werden. Die speziellen Techniken hierfür hat sich Valentin Blum angeeignet und auch hier wieder unter Beweis gestellt. Zur Farbgebung stellte Leister fest, dass er diffusionsoffene Mineralfarben verwendet habe, für den faltenreichen Umhang, der damaligen Zeit entsprechend, ein Himmels – bzw. Marineblau und für das Unterkleid Altweiß. Der Restaurator wies noch einmal darauf hin, dass bei der Farbgebung konsequent auf die Trocknungszeiten geachtet werde müsse, um ein Ineinanderlaufen der Farben zu vermeiden. Transport und Aufstellung verliefen ohne Probleme, da die gesamte Prozedur gut vorbereitet worden war. Um dann abschließend an Ort und Stelle Postament und Plastik ins Lot zu bringen, hatten die vier Helfer gemeinsam mit dem Kranführer eine millimetergenaue Zielarbeit zu leisten, was bei den schwankenden Bewegungen besonders bei der Plastik kein leichter Steuerungsvorgang für den Kranführer bedeutete. Aber am Ende passte alles, was mit entsprechenden Lobesworten bedacht wurde. Michael Schütz bedankte sich bei Clemens Leister und seinen Helfern (siehe Bild) für die aufgewendete Mühe und Freizeit zur Erhaltung der beliebten Andachtsstätte im Ried, die nun weiterhin gemeinsam von Frau Elvira Schütz, geb. Winter und Michael Schütz gepflegt und von Frau Schütz mit viel Liebe ganzjährig bepflanzt werden wird. Wissen sollte man auch, dass hier zur Himmelfahrtsprozession der erste Altar errichtet ist und in der Bittwoche eine kleine Wallfahrt zur Marienfigur stattfindet. Außerdem besuchen viele Gläubige die Gottesmutter zu einem stillen Gebet.

Dass die Mutter des Stifters einige Gebete zur Beschriftung des Sockels selbst ausgesucht hatte, wurde bereits erwähnt. Die Zeilen auf der Frontseite lauten:

„Maria Himmelskönigin wir wollen Dich hier begrüßen auch,

segne all mit Muttersinn, die hier zu Deinen Füßen,

die Dich um Deine Fürbitt fleh´n an Deinen lieben Sohn,

die ein Gebet zum Himmel schicken an Gottes Gnadenthron.

Sei gegrüßt Du Gnadenreiche in des Himmels Herrlichkeit,

sei gegrüßt du Engelreiche aus dem Tale dieser Zeit.

Du hast uns das Licht geboren die Erlösung und das Heil.

Was vor Zeiten wir verloren ward uns neu durch dich zuteil.

Amen“

Bericht von Manfred Dittmar