Titel Logo
Geisaer Zeitung
Ausgabe 4/2026
Gestaltung Seite 2
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Vorwort der Bürgermeisterin

Bürgermeisterin Manuela Henkel

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

die Energiefrage ist längst eine Zukunftsfrage. Wie sichern wir mit bezahlbarer und nachhaltiger Energie Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Lebensqualität vor Ort? Und wie gelingt es uns, Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Wirtschaftskraft und Bürgerbeteiligung sinnvoll miteinander zu verbinden?

Mit diesen Fragen im Gepäck haben wir uns Ende Januar auf den Weg nach Nordrhein-Westfalen gemacht. Die von der Stadt Geisa aus organisierte Delegation aus Vertretern von Landwirtschaft, Energiewirtschaft und Politik informierte sich über innovative Beispiele einer gelungenen Energiewende und auch über zukunftsweisende Digitalisierungsprojekte. Mit dabei waren neben Vertretern von Überlandwerk und Werraenergie auch Thüringens Staatssekretär Marcus Malsch und Landrat Dr. Michael Brodführer.

Hintergrund der Reise ist unsere Aufnahme in das Bundesförderprogramm „Zukunft Region“ mit dem Projekt „energieLAND:Geisa“. Unser Ziel ist es hier ein Konzept für dezentrale, multifunktionale Energiezentren für das Geisaer Land zu entwickeln. Unsere Region hat hier besondere Herausforderungen, aber auch neue Chancen, denn Photovoltaik-Freiflächenanlagen sowie Windkraft sind im Biosphärenreservat Rhön nicht erlaubt und der Denkmalschutz lässt in der Innenstadt z.B. auch keine Fassadendämmung an den historischen Gebäuden zu.

Die Energiewende sollte meiner Meinung nach aber nicht als „großes Geschäftsmodell“ von Investoren, Konzernen und Großunternehmen umgesetzt werden, sondern auch sozial gerecht gestaltet sein. Die Beteiligung von Bürgern, Landwirten und regionalen Unternehmen schafft nicht nur eine Akzeptanz für Infrastrukturprojekte sondern auch lokale Wertschöpfung. Das Geld bleibt in der Region und wir vor Ort können davon profitieren. Politik sollte letztlich immer das Gemeinwohl und nicht die Interessen einiger weniger im Auge haben.

In Nordrhein-Westfalen konnten wir erleben, wie man durch Gründung von Energiegenossenschaften, an denen Landwirte sowie Bürger unmittelbar beteiligt sind, die Energiewende mit den Menschen vor Ort umgesetzt hat. Die Energiegenossenschaft AHLeG zum Beispiel betreibt mit 1.200 Genossen Bürgerwindparks und macht somit aus Betroffenen Beteiligte. Gemeinsam betreibt man drei eigene Windenergieanlagen und ist an sieben weiteren Windparkgesellschaften beteiligt. Dort erlebt die Energiewende volle Akzeptanz, da die Landwirte und Bürger direkt davon profitieren. Das Projekt stärkt regionale Kreisläufe und der Mehrwert verbleibt bei den Menschen vor Ort. Bei der Bioenergie Heek-Ahle haben sich 45 landwirtschaftliche Betriebe zusammengetan und produzieren gemeinschaftlich Biomethan über ein hochmoderne Biogasanlage. Dort werden rund 135.000 Tonnen Wirtschaftsdünger aus der Region verarbeitet. Mit der Energiemenge können 4.200 Vier-Personen-Haushalte versorgt oder 78 Millionen gefahrene Kilometer mit CNG-Gas ermöglicht werden. Die Beispiele aus Nordrhein-Westfalen zeigen, dass eine gelungene Energiewende MIT den Menschen vor Ort möglich ist. Jede Region ist dabei anders und muss ihren eigenen Weg gehen - auch wir im Geisaer Land. Die neu gewonnenen Ideen und Impulse werden nun in die weitere Ausarbeitung unseres Projekts „energieLAND:Geisa“ einfließen. Ich lade Sie alle ein, diesen Weg aktiv mitzugehen. Denn: die Energiezukunft unseres Geisaer Landes gestalten wir gemeinsam!

Ihre

Manuela Henkel

Bürgermeisterin der Stadt Geisa