Bürgermeisterin Manuela Henkel
Liebe Bürgerinnen und Bürger,
der zunehmende Ärztemangel im ländlichen Raum stellt viele Kommunen vor große Herausforderungen. Eine verlässliche medizinische Versorgung ist wichtig für die Lebensqualität unserer Bürger.
Umso dankbarer sind wir, dass engagierte Ärzte ihren Dienst in unserer Region leisten und Verantwortung übernehmen. Besonders freut es uns, dass wir in den letzten Jahren für Geisa sowohl eine Allgemeinärztin als auch eine Zahnärztin gewinnen konnten. Dies stärkt die medizinische Versorgung vor Ort nachhaltig. Auf Dauer werden wir aber auch hier im Geisaer Land vor großen Herausforderungen stehen.
Mit dem Wintersemester hat Thüringen nun endlich die sogenannte Landarztquote eingeführt: 6 % der Studienplätze in Human- und Zahnmedizin werden an Bewerber vergeben, die sich verpflichten, nach Studium und fachärztlicher Weiterbildung mindestens zehn Jahre in unterversorgten, ländlichen Regionen tätig zu sein. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Modell eine wirksame Antwort auf die zunehmenden Versorgungsengpässe bietet.
Gleichzeitig ist klar: Die Landarztquote allein wird nicht ausreichen. Es müssen auch neue, innovative Wege gegangen werden. Die Gründe für den Ärztemangel sind vielschichtig und spiegeln gesellschaftliche Entwicklungen wider. Viele junge Ärzte scheuen die hohe Verantwortung und Arbeitsbelastung einer eigenen Praxis, die häufig über die 40 Stundenwoche hinausgeht. Zugleich wächst der Wunsch nach einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Mit dem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in Geisa wollte man genau diesen Bedürfnissen Rechnung tragen. Ärzte sollten sich die Verantwortung teilen und flexiblere Arbeitszeiten haben. Die Praxis hat gezeigt, dass es auch hier schwer war, auf Dauer Allgemeinmediziner zu binden.
Ob digitale Angebote wie Telemedizin die Versorgung verbessern können, bleibt abzuwarten. Regionale Gesundheitsnetzwerke aus Ärzten, Kliniken, Therapeuten und Heilpraktikern könnten ein Teil der Antwort sein. Mehr präventive Angebote, wie Rückengymnastik, gesunde Ernährung und Resilienz-Kurse könnten im Vorfeld Krankheiten vermeiden. Ebenso wäre die Kombination aus ambulanter und stationärer Tätigkeit in unseren Krankenhäusern ein Weg, um Arbeitsplätze attraktiver zu gestalten und Patienten im ländlichen Raum besser zu versorgen. Auch mobile Arztpraxen könnten regelmäßig kleine Ortsteile anfahren. Und vielleicht ist es zum Schluss ja wieder die gute alte „Gemeindeschwester", die als mobile Versorgungsassistentin, die Patienten im ländlichen Raum aufsucht. Sie könnte unterstützende Aufgaben übernehmen und als Ansprechpartnerin vor Ort zur Verfügung stehen. Dadurch könnten Ärzte spürbar entlastet werden und mehr Zeit für komplexere medizinische Fälle gewinnen.
Nicht zuletzt sind auch die Kommunen gefragt: durch die Schaffung attraktiver Rahmenbedingungen, Unterstützung bei der Niederlassung und die Förderung einer guten Lebensqualität vor Ort. Denn wer sich als Arzt für den ländlichen Raum entscheidet, entscheidet sich immer auch für ein Lebensumfeld. Eines ist sicher: Das Problem ist seit Jahren bekannt, wir brauchen nun endlich die Rahmenbedingungen für flexible und innovative Lösungen! Bleiben Sie gesund!
Ihre
Bürgermeisterin
Manuela Henkel