Thabea Stähler aus Oberzeuzheim, studiert Psychologie, arbeitet als pferdegestützter Coach und Reittherapeutin. Gemeinsam mit meiner Schwester Anieke Stähler, Gesundheits- und Krankenpflegerin für Intensiv- und Anästhesiepflege, betreibe ich das ehrenamtliche Projekt „Käthe – ein Pony schenkt Nähe“.
Thabea und Anieke Stähler mit Käthe
Können Sie uns erzählen, was sich hinter Ihrem Ehrenamt „Käthe ein Pony schenkt Nähe“ verbirgt?
Hinter diesem Projekt steckt eine echte Herzensangelegenheit, die wir im Sommer letzten Jahres ins Leben gerufen haben. Mit unserem Pony Käthe besuchen wir vor allem Pflegeheime und andere Einrichtungen, um Menschen, die wenig Zugang zu Tieren haben oder sich in schwierigen Lebenssituationen befinden, Nähe, Freude und schöne Momente zu schenken. Auf unserem Hof - dem Bodenfelder Hof in Oberzeuzheim leben wir das Motto „Pferde für alle“ und versuchen Inklusion aktiv und in jeder Hinsicht umzusetzen.
Wie sind Sie dazu gekommen und warum sind Seniorinnen und Senioren Ihre Zielgruppe?
Die Idee zu „Käthe – ein Pony schenkt Nähe“ hat auch eine sehr persönliche Geschichte. Unsere Oma lebte unter anderem während der Corona Pandemie in einem Pflegeheim. In dieser Zeit haben wir hautnah miterlebt, wie sehr Menschen unter Einsamkeit litten und wie gut ihnen kleine Lichtblicke taten. Nähe, ein liebevoller Moment oder das Gefühl, gesehen zu werden, konnten unglaublich viel bewirken. Da wir wissen, dass unsere tierliebe Oma solche Besuche große Freude bereitet hätten, haben wir uns entschieden, diese Idee heute weiterzutragen und für andere Menschen Wirklichkeit werden zu lassen.
Zusätzlich ist Anieke im letzten Jahr in den sozialen Medien auf Videos gestoßen, in denen eine Frau in Amerika mit ihren Ponys Seniorenheime besuchte. Diese Bilder haben uns sehr berührt und den Gedanken in uns weiterwachsen lassen. Kurz darauf machten wir uns auf die Suche nach einem passenden Pony und fanden unsere Käthe, die ihre Aufgabe mit großer Ruhe und viel Feingefühl erfüllt. Senioren sind für uns eine wichtige Zielgruppe, weil viele von ihnen nur noch wenige Möglichkeiten haben, Tiere zu erleben. Gerade im Alter oder bei gesundheitlichen Einschränkungen sind Nähe, Berührung und positive Erlebnisse besonders wertvoll. Mit unserem Motto „Pferde für alle“ möchten wir Inklusion mit einfachen Mitteln leben und Menschen jeden Alters, mit und ohne Behinderung, den Kontakt zu Pferden ermöglichen.
Wie kann man Euch und Käthe buchen und wie läuft in der Regel so ein Besuch ab?
Käthe und wir sind vor allem über Instagram unter dem Namen „einponyschenktnaehe“ erreichbar. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, uns per E-Mail unter Wegbegleiter.coaching@gmail.com zu kontaktieren. Auf diesem Weg können Termine angefragt und Besuche gemeinsam abgestimmt werden. In der Regel finden unsere Besuche in einem größeren Aufenthaltsraum statt, in dem wir mehreren Menschen gleichzeitig begegnen können. Ab diesem Moment ist jeder Besuch sehr individuell. Jeder darf selbst entscheiden, wie nah er Käthe kommen möchte. Manche streicheln sie, andere suchen bewusst den Kontakt, wieder andere genießen es einfach, ihr zuzuschauen. Alles darf, nichts muss. Für die Zukunft planen wir, mit Käthe auch Aufzüge zu nutzen, um höhere Etagen zu erreichen. So möchten wir auch Menschen, die ihr Zimmer nicht verlassen können oder auf ihr Bett angewiesen sind, einen persönlichen Besuch ermöglichen und ihnen diesen besonderen Moment der Nähe schenken. In dieser Hinsicht richten wir uns aber nach Käthe und schauen immer individuell auf ihr Verhalten und achten natürlich immer auf ihr Wohl.
Wieviel Besuche haben Sie in 2025 durchgeführt und wie war das Feedback der älteren Herrschaften?
Im Jahr 2025 haben wir bisher etwa fünf Besuche in Seniorenheimen durchgeführt. Da wir beide berufstätig sind, finden die Besuche ausschließlich auf Anfrage und an Tagen statt, an denen wir es zeitlich ermöglichen können. Uns ist dabei besonders wichtig, uns ausreichend Zeit zu nehmen, sowohl für die Menschen als auch für Käthe. Ihr Wohl steht für uns immer an oberster Stelle. Zwei der Besuche wurden sogar vom Fernsehen*) begleitet.
Das bisherige Feedback war durchgehend positiv. Die Bewohnerinnen und Bewohner freuen sich sehr über unseren Besuch und man spürt jedes Mal eine besondere, wertschätzende und ruhige Atmosphäre. Viele Menschen blühen sichtbar auf und genießen die Nähe zu Käthe sehr. Auch Käthe selbst nimmt diese Stimmung wahr und ist während der Besuche entspannt, was für uns ein schönes Zeichen dafür ist, dass sich alle Beteiligten wohlfühlen.
Was möchten Sie in 2026 anbieten und wo sind die Herausforderungen?
Für das Jahr 2026 wünschen wir uns viele weitere Besuche und freuen uns auf neue Erfahrungen. Dazu gehört unter anderem das Aufzugfahren mit Käthe, um noch mehr Menschen erreichen zu können. Käthe kennt Aufzüge bereits von ihrer Vorbesitzerin, wir selbst haben dies bislang jedoch noch nicht gemeinsam mit ihr umgesetzt. Außerdem möchten wir auf unserem Hof künftig noch mehr inklusive Angebote schaffen, sowohl mit Käthe als auch mit unseren anderen Pferden. Große Herausforderungen sehen wir aktuell nicht, da Käthe ihre Aufgabe sehr gut macht und ihr Wohl für uns immer an erster Stelle steht. Solange es ihr gut geht, können wir Besuche durchführen. Beim Thema Inklusion gibt es jedoch weiterhin viel zu tun. Manche Projektideen lassen sich aus finanziellen Gründen nur schwer umsetzen. Umso mehr würden wir uns über stärkere Unterstützung durch Krankenkassen oder andere Träger freuen, damit inklusive Angebote langfristig weiter ausgebaut werden können.
*) Anm.der Redaktion: Youtube+RTL+Hessen+Käthe+auf+Kuschelkurs; Beitrag vom 07.01.2026
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