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Amts- und Mitteilungsblatt für das Hadamarer Land
Ausgabe 2/2026
Gestaltung Innenteil Seite 3
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Aktueller Sachstand zum geplanten Neubau des Feuerwehrhauses Hadamar-Mitte

Die Stadtverordnetenversammlung hat die Weichen gestellt für ein zukunftsweisendes Infrastrukturprojekt zur dauerhaften Sicherung des Brand-, Katastrophen-, und Zivilschutzes in Hadamar. Das neue Gebäude wird nicht nur den heutigen fachlichen Anforderungen entsprechen, sondern ist auch für zukünftige Herausforderungen – wie steigende Einsatzzahlen, veränderte Einsätze durch den Klimawandel, demografischen Wandel, Digitalisierung, moderne Einsatztechnik und die notwendigen Hygiene- und Arbeitsstandards – ausgestaltet.

Die neuen Planungen im Feuerwehrwesen wurden notwendig, nachdem der Technische Prüfdienst Hessen festgestellt hatte, dass die Feuerwehrhäuser in Hadamar, Niederzeuzheim und Steinbach nicht mehr den technischen Richtlinien für Feuerwehrhäuser und Unfallverhütungsvorschriften entsprechen. Gründe waren insbesondere fehlende Parkplätze für Einsatzkräfte, nicht mehr DIN-gerechte Stellplätze für Feuerwehrfahrzeuge, fehlende Lagerflächen für Ausrüstungsgegenstände, unzureichende Umkleideräume und nicht vorhandene Sanitärräume. Es wurde sehr schnell klar, dass diese Auflagen an den bisherigen Feuerwehr-Standorten in Hadamar, Niederzeuzheim und Steinbach nur sehr aufwendig bzw. nicht vollständig erfüllt werden können.

Daraufhin hatte Bürgermeister Michael Ruoff die Feuerwehrführungskräfte und die Vorsitzenden der Feuerwehr-Fördervereine zu Gesprächen eingeladen.

Die erste Sitzung fand bereits im November 2019 in der Lochmühle Oberzeuzheim statt, und zwar unter dem Projektnamen: „Feuerwehr 2030“. Diese Beratungen mit insgesamt fünf Arbeitssitzungen bis Oktober 2021 endeten mit dem Ergebnis, dass zunächst alle Stadtteilfeuerwehren erklärten, eigenständig bleiben zu wollen damit u. a. die dörfliche Bindung nicht verloren geht. Die Feuerwehr Niederzeuzheim hat sich später freiwillig entschieden mit der Wehr Hadamar in das geplante Feuerwehrhaus Hadamar-Mitte zu gehen und plant jetzt schon eine Zusammenarbeit z. B. durch gemeinsame Übungen.

Warum der Standort am „Hadamarer Stock“

Bei näherer Betrachtung der vorgeschriebenen Ausrücke- und Hilfsfristen wurde sehr schnell ein möglicher Standort für das Feuerwehrhaus-Mitte am Kreuzungsbereich der Landesstraßen L 3462 und die L 3278 lokalisiert. Dieser Bereich wird auch „Hadamarer Stock“ genannt und ist zentral gelegen. Von dort sind Einsatzfahrten in unsere Kernstadt und in unsere Stadtteile ohne große Schwierigkeiten hinsichtlich der Topografie möglich. Das Industriegebiet Nord und das Gewerbegebiet „Sechsmorgen“ ist sogar ohne Ortsdurchfahrten erreichbar.

Testfahrten mit einem großen Feuerwehrfahrzeug (HTLF 16) ohne Inanspruchnahme von Blaulicht und Martinshorn ergaben am 26.03.2021, dass innerhalb der Hilfsfristen alle möglichen Einsatzorte, die durch eine öffentliche Straße erschlossen sind, in der Kernstadt und auch in den Ortsteilen, erreicht werden können. Eine Ausnahme bildete das Neubaugebiet Niederhadamar-Süd. In Niederhadamar müsste dann bei einer gewollten Zentralisierung auch weiterhin ein wasserführendes Löschfahrzeug stationiert werden.

Nach Würdigung des Beratungsstandes der Feuerwehren und der Ergebnisse der Testfahrten hat die Stadtverordnetenversammlung auf Vorschlag des Magistrates im sog. Feuerwehrbedarfs- und Entwicklungsplanes 2022 per Beschluss festgehalten, dass zunächst ein Feuerwehrhaus-Mitte für die Feuerwehren Hadamar und Niederzeuzheim gebaut wird. Der Standort bietet die zukünftige Perspektive auch andere Feuerwehren aufgrund eigenen freiwilligen Entschlusses aufzunehmen. So sieht der Plan bis heute auch immer noch ein eigenes Feuerwehrhaus für Steinbach vor, welches auch in der sogenannten mittelfristigen Finanzplanung eingeplant ist.

Weiterhin hatte die Stadtverordnetenversammlung bereits am 24.03.2023 mit großer Mehrheit dem Aufstellungsbeschluss „In den vier Morgen“ zugestimmt, welcher als Grundlage für weitere baurechtlichen Planungen am „Hadamarer Stock“ dient.

Ende August 2025 konnte der Förderantrag für den Neubau über den Landkreis beim Land Hessen gestellt werden. Für den Förderantrag wurde ein Erstentwurf, die Raumplanung und auf dieser Grundlage erstmals eine DIN gerechte Kostenschätzung des Architekturbüros Ritz + Losacker aus Weilburg erstellt.

Bei der letzten Änderung des Feuerwehrbedarfs- und Entwicklungsplanes, einstimmig beschlossen am 01.10.2025, ging es um Änderungen in der Vorhaltung von Fahrzeugen. Die Änderung von Feuerwehrstandorten wurde nicht beraten und auch nicht beantragt.

Haushaltsbeschluss 2026/27

Somit wurde unter diesen Vorgaben auch der Doppelhaushalt 2026/27 durch den Bürgermeister in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht.

Darin enthalten sind unter anderem weitere Haushaltsmittel in den Jahren 2026-2030 für den Neubau eines Feuerwehrhauses-Mitte für die Feuerwehreinheiten aus Hadamar und Niederzeuzheim, die aufgrund der aktuellen Kostenschätzung 2025 in Ansatz gebracht wurden. Im Rahmen von sehr langwierigen und intensiven Haushaltsberatungen im November 2025 in den Fraktionen und Ausschüssen war dieser Haushaltsansatz Gegenstand der meisten Diskussionen. Dies ist bei einer Kostenschätzung von über 30,4 Mio. € auch nicht verwunderlich. In zwei Sitzungen des Ausschusses für Bauen, Verkehr und Digitales und vier Sitzungen des Haupt- und Finanzausschusses sowie der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wurde intensiv über das geplante Neubauprojekt informiert, beraten und diskutiert. Fast alle Sitzungen gingen von 18:00 bzw. 19:00 Uhr bis 23:00 Uhr und verlangten den ehrenamtlichen Politikern einiges ab, wofür ich mich herzlich bedanke.

Dabei wurden auch verschiedene Finanzierungsoptionen wie z. B. ein Mietmodell sorgfältig geprüft. Danach hat man sich für eine planbare, solide, langfristige, klassische Finanzierungsvariante entschieden, damit das Gebäude nach 28 Jahren Schuldendienst der Stadt Hadamar gehört und auch mögliche Sondertilgungsoptionen durch die Allokation der in Aussicht gestellten Sondervermögen vom Bund künftig möglich sind. Bei einem Mietmodell wäre dies nicht der Fall gewesen.

Weiterhin wurden bezüglich der zukünftigen Standorte der Feuerwehren zum eingebrachten Haushalt des Magistrates Änderungen bzw. Haushaltsbegleitbeschlüsse beantragt. Diese hatten insbesondere zum Inhalt, dass die neue Wache nach Fertigstellung, spätestens jedoch 5 Jahre nach Baubeginn zum zentralen Stützpunkt für alle Einsatzabteilungen der Ortsteilfeuerwehren wird. Weiterhin gab es den Antrag in der näheren Umgebung des Hadamarer Stocks weitere mögliche Standorte zu prüfen. Beide Vorschläge fanden jedoch keine Mehrheit.

Schließlich wurde der Doppelhaushalt 2026/27 durch die Stadtverordnetenversammlung am 27.11.2025 mehrheitlich beschlossen. Bezüglich der Standortfrage wurde der vom Magistrat eingebrachte Haushalt mit folgendem Haushaltsbegleitbeschluss durch die Stadtverordneten mehrheitlich ergänzt:

Die Stadtverordnetenversammlung erwartet durch die Zentralisierung der Einsatzabteilungen langfristige Einsparpotentiale und sieht daher perspektivisch am Hadamarer Stock den zentralen Stützpunkt für alle Feuerwehren der Stadt Hadamar. Für die Ortsteilwehr Niederhadamar gilt, wegen der in der Zeit nicht möglichen Einhaltung der gesetzlichen Hilfsfrist vom neuen Stützpunkt aus, eine gesonderte Regelung. Die Finanzierung der Investition erfolgt gemäß dem Magistratsbeschluss. Die bestehenden Feuerwehrhäuser in den Ortsteilen, werden den Feuerwehrvereinen überlassen, und können zukünftig als Vereinsheime von diesen genutzt werden. Vor eventuell anstehenden, weiteren Investitionen in Gebäude und Fahrzeuge, wird der Feuerwehr Bedarfs- und Entwicklungsplan aus dem Jahr 2023, auf seine jetzigen Inhalte geprüft, und auf die zukünftige Ausrichtung der Stützpunkt Feuerwehr hin, angepasst.“

Wie geht es jetzt weiter?

Bei der Planung des Neubaus ist die klare und funktionale Organisation aller Funktionsbereiche ein wesentlicher Bestandteil. Von den Alarmparkplätzen über die Umkleiden, Schwarz-Weiß-Trennung, Werkstätten, Lagerflächen bis hin zu Verwaltung, Schulung und Jugend- Kinderfeuerwehr werden alle Abläufe auf kürzeste Wege, maximale Sicherheit und schnelle Einsatzbereitschaft optimiert. Auch ausreichend Übungsflächen auf dem Grundstück sowie Räume für die wichtige Nachwuchsarbeit sind geplant. Zudem werden ökologische und energetische Aspekte berücksichtigt – unter anderem durch moderne Haustechnik und eine ressourcenschonende Bauweise.

Derzeit befindet sich das Projekt in der vertieften Entwurfsplanung. Gemeinsam mit den Fachplanern für Technische Gebäudeausrüstung, Tragwerksplanung und Tiefbau werden die Planungsergebnisse konkretisiert und weitere Optimierungsmöglichkeiten erarbeitet. Dazu gehören insbesondere die präzise Positionierung des Gebäudes auf dem Grundstück, die topografische Einbindung sowie die verkehrliche Erschließung für Einsatzfahrzeuge und Parkflächen der Einsatzkräfte. Ziel ist es, die gesetzlichen und feuerwehrtechnischen Regelwerke – wie DIN-Normen, Unfallverhütungsvorschriften und Empfehlungen des Landes Hessen – vollständig zu erfüllen und anwendungsorientiert in die Planung zu integrieren.

Mit jeder Planungsstufe fließen die Praxiserfahrungen der Feuerwehren in die Detailausarbeitung ein. So können funktionale Verbesserungen frühzeitig berücksichtigt und wirtschaftliche Synergien geschaffen werden. Die enge Abstimmung ermöglicht es, das Gebäude bestmöglich an die Bedürfnisse der Feuerwehren anzupassen und gleichzeitig die Kostenentwicklung verlässlich zu steuern.

Der Zeitplan für das Projekt ist klar strukturiert: Der Bebauungsplan soll Anfang 2026 rechtskräftig beschlossen werden. Darauf aufbauend soll Mitte 2026 der Bauantrag eingereicht werden, sodass der vorgesehene Gesamtterminplan eingehalten bleibt. Damit rückt die Realisierung des neuen Feuerwehrhauses einen entscheidenden Schritt näher. Rund 30,4 Mio. € sind nach Abzug einer beantragten Landesförderung in Höhe von 579.300 €, für die Erschließung des Grundstücks, den Bau des Gebäudes mit Außenanlagen und die verkehrstechnische Erschließung über einen Kreisel am Hadamarer Stock veranschlagt.

Kreisel am Hadamarer Stock

Dabei ist beachtlich und von Vorteil, dass die geplante Kreisverkehrsanlage die ohnehin an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit befindliche Kreuzungssituation zweier Landesstraßen am „Hadamarer Stock“ erheblich verbessern wird.

Das geplante Feuerwehrhaus-Mitte setzt neue Maßstäbe für Hadamar und stellt auch in Zukunft einen verlässlichen Brand- Katastrophen- und Zivilschutz sicher. Für unsere Bürgerinnen und Bürger bedeutet dieses Projekt eine nachhaltige Investition in die Sicherheit vor Ort, aber auch eine zusätzlich finanzielle Belastung für die Stadt und die Steuerzahler. Mit dem modernen Feuerwehrgebäude bestärken wir zudem den ehrenamtlichen Einsatz der engagierten Frauen und Männer und schaffen optimale Rahmenbedingungen für den Ernstfall. Die Führung der Feuerwehren wird bei den nächsten Schritten ebenfalls eingebunden, denn unsere Kameradinnen und Kameraden leisten tagtäglich Herausragendes im Ehrenamt. Dafür können wir gar nicht genug danken und müssen hierfür die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen.

In einer Bürgerversammlung wird die Stadtverwaltung nach Erhalt der notwendigen Genehmigungen umfassend und transparent über die Hintergründe, den Zweck und die aktuellen Auswirkungen des zentralen Feuerwehrhauses informieren. Auch während des Baues soll regelmäßig über den Fortschritt und Veränderungen des Planes innerhalb des Bau-Projektes die Bürgerschaft mit einbezogen werden, so ist es auch im Haushaltsbegleitbeschuss festgehalten.

Hadamar im Januar 2026

Michael Ruoff, Bürgermeister