Musikalisch gibt es wieder Abwechslung pur. Die in der Szene bekannte Gruppe „Capud Draconis“ sorgt mit Dudelsäcken und Trommel für ordentlich Power auf dem Platz. Die Band gründete sich Anfang der 2000er mit vier Personen, spielte sehr schnell auf großen Festivals und produzierte direkt eine CD. Bis 2015 dauerte diese Reise als Quartett an. Dann ging man in Freundschaft neue Wege und spielte bei anderen Gruppen wie Cultus Ferox mit. Nach acht Jahren war dann die Reunion fast perfekt. Als Trio fand man sich wieder und hatte den ersten Auftritt an Ostern 2023 bei Lorraine Médiévale. So schloss sich der Kreis, denn ihr letztes Konzert spielten sie auch beim gleichen Veranstalter. Und trotz dass sie nur noch zu dritt sind, hat man kaum gedacht, dass sie so lange nicht mehr miteinander gespielt haben. Zumal die drei Musiker zum Teil über hunderte Kilometer auseinander wohnen und nicht wie andere wöchentlich üben können. Mit ihrer brachialen Musik sind sie nicht zu überhören. Zum Repertoire gehören neben bekannten Liedern, welche man auch von anderen Märkten kennt, vorwiegend Eigenkompositionen. Genau das macht der Reiz ihrer Musik aus. So sind die Künstler zur Haus- und Hofband von Lorraine Médiévale geworden mit fast 20 Auftritten im Jahr.
Letztes Jahr waren sie noch als Duo in Hadamar. Jetzt legt der Veranstalter, Carolan Lieb noch eins drauf. „Angerspil“ kommt dieses Jahr als Trio.Sie beherrschen gleich mehrere Instrumente von Dudelsack, Hümmelchen, Flöten, Schalmei, Laute und Drehleiher bis hin zu Zister, Trommeln und mehr, womit sie für eine ausgelassene Stimmung sorgen, die auch zum Tanzen einlädt. Zudem beherrschen sie den Gesang und laden, inwieweit man die Lieder kennt, zum Mitsingen ein. Was man kennt, ist die Geschichte des Rattenfängers von Hameln. Diese musikalische Aufführung ist besonders bei den kleinen Besuchern sehr beliebt. Aber die Eltern müssen keine Angst haben, die Musiker verschwinden nicht mit den Kindern ins Ungewisse. Alle werden wohlbehalten wieder in die Obhut der Eltern übergeben. Angerspil ist eine alteingesessene Musikgruppe, welche bis zu acht Musiker auf die Bühne bringt. Und so wird es niemals langweilig, denn man weiß nie, wen der Kopf der Gruppe, Tavaras der Spielmann, mit auf die Märkte bringt. Das sorgt immer wieder für Spannung und Abwechslung. Aber eins bleibt dabei bestehen: die Qualität.
Als Gaukler konnte man „Timelino“ wieder engagieren, der mit allerley Gegenständen jongliert, balanciert und auch mit dem Feuer umgehen kann. Auch bringt er wieder seine „Frouwen Lena“ mit, die ihn tatkräftig unterstützt. Am Abend bringen die beiden dem Publikum eine schöne Feuershow zum Besten. Timelino war schon als Jugendlicher im Alter von zwölf Jahren auf Märkten unterwegs und sorgte bereits damals auf den Märkten von Lorraine Médiévale, z. B. in Schloss Weilerbach an der Luxemburger Grenze, für Staunen. Und das nicht nur beim Besucher, sondern auch bei den Leuten aus der Szene. Man wusste: das wird mal ein ganz Großer. Jetzt ist er gewachsen und das nicht nur körperlich. Er lässt sich immer wieder neue Acts einfallen oder geht auf Seminare, um keinen Stillstand in seiner Entwicklung zu haben. Vor einigen Jahren lernte er dann auf einem Markt seine jetzige Partnerin Lena kennen. Sie war zunächst für Handreichungen, Anfeuerung des Publikums und kleinere Jonglage-Einlagen zugegen. Doch die Jahre ließen auch sie immer mehr zu einer guten Gauklerin werden. Sie beherrscht den Hoop-Reifen, sogar mit Feuer. So freut Euch auf das Duo „Timelino unde Timelena“.
Ein besonderes Highlight wird wieder das „Staatstheater El Capstok“ aus den Niederlanden sein. Die Jahre zuvor war Jur Houtmann alleine als „Fliegender Holländer“ zu Gast in Hadamar, aber er ist ein wahrer Künstler der Verwandlung. Er selbst hat mehrere Figuren, welche er darstellen kann, aber mit seiner Frau werden beide diesmal das mystische „Wesen von Saefthinge“ mitbringen. Ein Wesen das Fliegen, Schwimmen und Laufen kann. Und ab und an kommt auch ein Wort über seine Lippen; oder es kommt aus seinem Holzkarren und zeigt Kunststücke.
„Lilo Lümmeley“ das Bettelweib wird Euch vor Augen halten, dass nicht alle ein schönes Leben im Mittelalter hatten. Dabei gibt sie ihr Wissen übers Mittelalter preis und hält auch den Kindern vor Augen, dass es beispielsweise nicht so einfach war wie man es heute kennt, ein neues Gewand zu kaufen. Sie zeigt, welche Schritte dafür nötig waren, wie viele Handwerker man dafür brauchte und letztendlich, wie teuer ein einfaches Gewand in heutiger Währung wäre. Sehr, sehr interessant.
Die Märchenerzählerin „Stella Monte“ ist seit zwölf Jahren in Hadamar dabei und wird mit Sicherheit den kleinen und auch großen Besuchern ihre Geschichten und Märchen erzählen. Darunter gibt es Bekanntes, aber sicher auch mal etwas, das man nicht kennt. Taucht in ihr Zelt ein und lasst Euch in eine andere Welt entführen.
Dieses Jahr gibt es auch wieder einen Gottesdienst. Da sich in diesem Herbst der Todestag des Franz von Assisi zum 800. Male jährt, widmet sich Pfarrer Ulrich Finger im mittelalterlichen Gottesdienst dem „Poverello“ aus Italien. Der Gottesdienst findet in der Schlosskirche Hadamar am Sonntag, dem 12. Juli, um 10 Uhr statt.