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Amts- und Mitteilungsblatt für das Hadamarer Land
Ausgabe 31/2026
Gestaltung Innenteil Seite 2
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Chronik vom XII. Hadamarer Mittelaltermarkt – Ein gar prächtiges Spectaculum

Gottesdienst mit Pfarrer Ulrich Finger i.R. aus Münster.

Ritterschaukämpfe der Gruppe Haritgo aus Tschechien.

Genussvolle Weine und Liköre im Schlossinnenhof.

Am Elbbachufer schlugen Bauern und Ritter ihre Lager auf.

Schon von weitem kündeten kraftvolle Dudelsäcke und donnernde Trommeln von den Festlichkeiten. Die weithin bekannte Hausband von Lorraine Médiévale sowie die Musikanten von Capud Draconis ließen den Marktplatz erbeben, während das Trio Angerspiel mit fröhlichen Weisen Jung und Alt zum Tanze lockte.

Großes Staunen rief wiederum der Gaukler Timelino hervor. Mit Jonglage, Balancekünsten und dem Spiel mit dem Feuer begeisterte er das Volk. Unterstützt wurde er von seiner treuen Gefährtin Frouwen Lena, mit der er insbesondere am Samstagabend eine beeindruckende Feuershow darbot. Die lodernden Flammen und kunstvollen Feuerkünste zählten zweifellos zu den Höhepunkten des gesamten Marktes und wurden von Groß und Klein mit lang anhaltendem Applaus belohnt.

Doch nicht nur Spiel, Handel und Gaukelei bestimmten das Wochenende. Am Sonntag lud der traditionelle mittelalterliche Gottesdienst in die evangelische Schlosskirche ein. Gehalten wurde er von Pfarrer Ulrich Finger i. R. aus Münster, der sich dem heiligen Franz von Assisi widmete. Anlass war der bevorstehende 800. Todestag des Heiligen, der sich in diesem Herbst jährt. Franz von Assisi, auch „Il Poverello“ – der „kleine Arme“ oder „der Arme von Assisi“ – genannt, steht bis heute für Bescheidenheit, Nächstenliebe und einen achtsamen Umgang mit der Schöpfung. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nahmen an dem Gottesdienst teil und ergänzten ihren Besuch des Mittelaltermarktes um einen Moment der Besinnung.

 

 

Ein gar wundersames Schauspiel bot das Staatstheater El Capstok aus den Niederlanden. Mit dem geheimnisvollen „Wesen von Saefthinge“, das zu fliegen, zu schwimmen und zu laufen vermag und bisweilen gar einige Worte sprach, versetzte es die Besucher gleichermaßen in Erstaunen wie in Verzückung.

Nicht minder unterhaltsam war das Bettelweib Lilo Lümmeley, das mit Witz und Charme daran erinnerte, dass das Leben im Mittelalter nicht für alle von Wohlstand geprägt war. Märchenhafte Geschichten erzählte Stella Monte, während in der Leibkneterey „Zum Sonnigen Herz“ müde Glieder neue Kräfte fanden.

Ein besonderer Höhepunkt des diesjährigen Marktes waren die mehrfach täglich stattfindenden Ritterschaukämpfe der Gruppe Haritgo aus Tschechien. Mit eindrucksvollen Gefechten sowie humorvollen Vorführungen rund um Schwert, Axt, Morgenstern und Gassenhauer zogen die tapferen Recken zahlreiche Schaulustige in ihren Bann.

 

 

Auch die jungen Gäste kamen vollends auf ihre Kosten. Seit nunmehr elf Jahren verwandelte die beliebte Schminkfee kleine Gäste in Ritter, Prinzessinnen oder Fabelwesen. Bei Harlekinspiele warteten Mäuseroulette, Glücksrad, Drachenjagd, Rattenfangen und Bogenschießen auf mutige Nachwuchshelden. Das große Riesenrad von Gauklerspiel sowie das handbetriebene Karussell „Troubadidis Drachendreh“ sorgten für leuchtende Kinderaugen.

Nicht minder beeindruckend präsentierte sich das Marktgeschehen selbst. Insgesamt 51 Stände mit kunstfertigen Handwerkern, weitgereisten Händlern und köstlichen Speisen entführten die Besucher in längst vergangene Zeiten. Gezahlt wurde selbstverständlich standesgemäß in Talern. Dazu mundeten würziger Met und süffiges Kirschbier.

 

 

Auch kulinarisch ließ der Markt keine Wünsche offen. Erstmals wurden in Ardbeg-Whisky eingelegte Bullrippen gereicht, während selbst belegbares Knoblauchbrot und eine vielfältige Auswahl an frittiertem Gemüse auch Vegetarier und Veganer glücklich machten.

Entlang des Elbbachs hatten in diesem Jahr noch mehr Ritterlager und freie Bauern ihre Lager aufgeschlagen. Dort wurde das mittelalterliche Leben mit großer Liebe zum Detail dargestellt und bot zahllose Einblicke in längst vergangene Zeiten.

 

 

So endeten zwei Tage voller Musik, Gaukelei, Ritterehre und fröhlicher Geselligkeit. Hadamar verwandelte sich einmal mehr in eine Stadt vergangener Jahrhunderte und bewies eindrucksvoll, weshalb der Mittelaltermarkt weit über die Stadtgrenzen hinaus zahlreiche Besucher anzieht.

Und so bleibt den Chronisten zum Schluss nur eines zu berichten: Das Volk zog wohlbehalten und mit frohem Gemüte heimwärts – und soweit bekannt, musste glücklicherweise niemand auf dem Scheiterhaufen sein Ende finden.